Erst Lockdown, dann Scheidung: Kinder leiden besonders, wenn Familien zerbrechen

In Österreich liegt Scheidungsrate bei fast 50%, Tendenz steigend. Corona ist eine Zerreißprobe für viele Familien. Bei RAINBOWS und Rat auf Draht mehren sich die Anfragen zum Thema

  • Kinder fühlen sich allein gelassen und wissen nicht, wie sie mit dem plötzlichen Verlust der vertrauten Lebenssituation umgehen sollen. Zu Trauer, Angst und Unsicherheit mischen sich Kränkung und Wut. Sie brauchen Unterstützung und Hilfe
    Dagmar Bojdunyk-Rack, Geschäftsführerin von RAINBOWS-Österreich
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  • Viele Kinder befürchten, dass sie nach der Scheidung einen Elternteil verlieren, manchen fällt es schwer zu entscheiden, ob sie bei Mutter oder Vater leben möchten. Sie wollen keinen von beiden kränken oder verlieren
    Birgit Satke, Leiterin von Rat auf Draht
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  • Die momentane Situation bietet permanent Sprengstoff für Eskalation. Es ist mehr denn je eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, diese Dynamiken frühzeitig zu erkennen und Familien zu stärken und zu untersützen
    Christian Moser, Geschäftsführer von SOS-Kinderdorf
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Wien (OTS) - Experten und Expertinnen gehen davon aus, dass die Trennungsrate im Coronajahr 2020 noch weitaus höher ausfallen wird als in den letzten Jahren. Lockdown, Homeschooling, finanzielle Sorgen: Die letzten Monate waren und sind für viele Familien mit enormen Druck verbunden. In manchen Beziehungen folgt nun die Trennung. Wenn Eltern auseinandergehen, bricht für Kinder in der Regel eine Welt zusammen. Sie begegnen dieser Situation mit einem Gefühlschaos.

Kinder fühlen sich allein gelassen und wissen nicht, wie sie mit dem plötzlichen Verlust der vertrauten Lebenssituation umgehen sollen. Zu Trauer, Angst und Unsicherheit mischen sich Kränkung und Wut. Sie brauchen Unterstützung und Hilfe“, sagt Dagmar Bojdunyk-Rack Geschäftsführerin von RAINBOWS-Österreich. RAINBOWS hat sich zum Ziel gesetzt, die Resilienz von Kindern zu stärken – also die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen.

Zwischen den Stühlen

Dass Streit zwischen den Eltern Kinder massiv belastet, zeigen auch die aktuellen Zahlen der Notrufnummer für Kinder und Jugendliche, Rat auf Draht: „In der Phase des Corona-Lockdowns haben sich besonders viele Kinder und Jugendliche bei uns gemeldet, die von Streit in der Familie und zwischen den Eltern berichteten“, sagt Brigit Satke, Leiterin von Rat auf Draht. „Viele Kinder befürchten, dass sie nach der Scheidung einen Elternteil verlieren, manchen fällt es schwer zu entscheiden, ob sie bei Mutter oder Vater leben möchten. Sie wollen keinen von beiden kränken oder verlieren. Auch die Sorge, durch einen Wechsel des Wohnorts die Freunde zu verlieren, beschäftigt viele Kinder und Jugendliche“, fasst Birgit Satke die größten Sorgen zusammen.

Über 60 Prozent mehr Anfragen zum Thema Scheidung

Im Vergleichszeitraum zum Vorjahr gab es bei Rat auf Draht etwa einen Anstieg von 63 Prozent zum Thema Scheidung. Von Mitte März bis Ende Mai 2020 gab es rund 170 Anrufe zum Thema Konflikt zwischen Eltern, etwa gleich viele Anrufe, wie im gesamten Jahr 2019 zu diesem Thema.

„Kinder und Jugendliche sind die Leidtragenden wenn es kriselt in der Familie. Die erhöhte Nachfrage bei RAINBOWS und Rat auf Draht bestätigt, dass Familien derzeit ganz besonders unter Druck stehen. Die momentane Situation bietet permanent Sprengstoff für Eskalation. Es ist mehr denn je eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, diese Dynamiken frühzeitig zu erkennen und Familien zu stärken und zu untersützen“ so Christian Moser, Geschäftsführer von SOS-Kinderdorf.

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Claudia Hauboldt
Externe Kommuniation SOS-Kinderdorf/Rainbows
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