Rendi-Wagner: Geförderte 4-Tage-Woche ist modernes Arbeitszeitmodell mit Vorteilen für ArbeitnehmerInnen, Unternehmen und Staat

SPÖ-Modell der geförderten 4-Tage-Woche: 20% weniger Arbeitszeit bei 95% des Gehalts – Flecker: „Österreich kann es sich nicht leisten, auf Arbeitszeitverkürzung zu verzichten“

Wien (OTS/SK) - SPÖ-Bundesparteivorsitzende, Klubobfrau Pamela Rendi-Wagner hat heute, Freitag, im „Roten Foyer“ gemeinsam mit dem Arbeits- und Wirtschaftssoziologen Jörg Flecker die Vorteile einer Arbeitszeitverkürzung erläutert. „Vor dem Hintergrund der größten Sozial- und Wirtschaftskrise seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat die Politik die Aufgabe, mutig und lösungsorientiert vorauszudenken. Ziel muss es sein, Beschäftigung zu sichern und die Wirtschaft und UnternehmerInnen in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen“, so Rendi-Wagner angesichts von Rekordarbeitslosigkeit und schrumpfender Wirtschaft. Dafür brauche es das größte Investitions- und Beschäftigungspaket in der Geschichte der Zweiten Republik. „Und es braucht ein modernes, neues und zukunftsweisendes Arbeitszeitmodell, das Vorteile für Unternehmen, ArbeitnehmerInnen und die öffentliche Hand bringt – eine Win-win-win-Situation.“ Die SPÖ schlägt daher ein neues freiwilliges Modell zur Förderung einer 4-Tage-Woche vor, bei dem ArbeitnehmerInnen bei einer Arbeitszeitreduktion auf 80 Prozent 95 Prozent des bisherigen Lohnes bekommen sollen. „Österreich kann es sich beschäftigungspolitisch nicht länger leisten, auf eine Arbeitszeitverkürzung zu verzichten, schon gar nicht in einer Arbeitsmarktkrise wie dieser“, betonte Flecker. ****

Die Kosten für das Arbeitszeitmodell der SPÖ sollen gedrittelt werden: Ein Drittel soll von der öffentlichen Hand über das AMS gefördert werden, ein Drittel bezahlt der Unternehmer und ein Drittel der Arbeitnehmer. „Wichtig ist, dass es ein nachhaltiges Modell ist, nicht nur ein Krisenzeitenmodell wie die Kurzarbeit“, so Rendi-Wagner. Das Fördermodell soll für drei Jahre gelten, Voraussetzung ist die Zustimmung der Sozialpartner. In der Krise soll es Arbeitsplätze sichern und nach der Krise neue Arbeitsplätze schaffen.

Unternehmen profitieren von einer Produktivitätssteigerung von etwa 8 Prozent und sparen 15 Prozent der Lohnkosten. Zudem können sie trotz schwieriger Auftragslage ihre MitarbeiterInnen behalten, was Planungssicherheit – auch für wirtschaftlich bessere Zeiten – gibt. ArbeitnehmerInnen tragen fünf Prozent ihres Nettolohns bei und hätten dafür um 20 Prozent weniger Arbeit. „Der größte Vorteil ist, dass die Menschen ihren Arbeitsplatz nicht verlieren“, so die SPÖ-Chefin. Die öffentliche Hand profitiert, weil weniger für Arbeitslosigkeit ausgegeben werden muss und mehr Einnahmen aus Steuergeldern und über den Konsum hereinkommen. Das SPÖ-Modell würde rund eine Mrd. Euro kosten, wenn eine Million Beschäftigte teilnähmen. „Das derzeitige Kurzarbeitsmodell kostet das Fünffache von unserem Fördermodell“, so Rendi-Wagner.

Die SPÖ-Vorsitzende appelliert: „Für uns als SPÖ ist klar, es braucht mutige Wege aus dieser Krise. Ideologische Scheuklappen und ein reflexartiges Nein sind nicht die richtigen Wege aus dieser schweren Krise, in der Österreich steckt. Jetzt darf es keine Tabus geben.“

Der Arbeits- und Wirtschaftssoziologe Flecker erläuterte die Beschäftigungseffekte aus Arbeitszeitverkürzungen. Auf längere Sicht bringe eine Arbeitszeitverkürzung gravierende Beschäftigungseffekte, kurzfristig komme es auf die Rahmenbedingungen an. So müsse sichergestellt sein, dass es durch die Arbeitszeitverkürzung tatsächlich zu einer kürzeren Arbeitszeit kommt. Beispiele etwa in Frankreich oder Dänemark zeigen, dass kürzere gesetzliche oder kollektivvertragliche Arbeitszeiten tatsächlich die Arbeitszeit verkürzen. Das auf Betriebsebene sicherzustellen sei auch Sache des Betriebsrats und der Sozialpartner, so Flecker. Auch mehr Jobs würden durch eine Arbeitszeitverkürzung geschaffen: Laut einer Wifo-Studie hätte eine 35-Stunden-Woche in Österreich 100.000 Arbeitsplätze geschaffen. In einer Studie in 18 europäischen Ländern habe sich gezeigt, dass eine Arbeitszeitverkürzung um 10 Prozent die Beschäftigung um 6 Prozent erhöht hat. Wichtig für Neueinstellungen seien öffentlich geförderte Weiterbildungsmaßnahmen. (Schluss) bj/ls

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