Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise weiterhin am Arbeitsmarkt deutlich spürbar

Der österreichische Arbeitsmarkt leidet weiterhin unter der Coronavirus-Krise. Arbeitslosigkeit sinkt jedoch gegenüber dem Vormonat und auch die Kurzarbeit wird zurückgefahren.

Wien (OTS) - Die Wirkungen der Coronavirus-Krise hinterlassen weiterhin deutliche Spuren am österreichischen Arbeitsmarkt.

Den Höhepunkt erreichte die Arbeitslosigkeit am 13. April 2020 mit insgesamt 588.234 Arbeitslosen und AMS-SchulungsteilnehmerInnen. Seitdem ist die Arbeitslosigkeit rückläufig: In Folge liegt die registrierte Arbeitslosigkeit bei 414.766. Hinzu kommen 48.739 beim AMS als Schulungsteilnehmer registrierte Personen. Inklusive der Personen in einer AMS-Schulung beträgt die Zahl der Vorgemerkten Ende Juni 463.505, das bedeutet einen Anstieg gegenüber dem Vorjahr um +139.302 bzw. +43,0%. Gegenüber dem Vormonat Ende Mai 2020 sank die Arbeitslosigkeit um -58.534 (-12,4%) und die AMS-Schulungsteilnahmen erhöhten sich um +4.818. Auch die Inanspruchnahme der Kurzarbeit ist rückläufig. Die geplanten Teilnahmen in den aktuell laufenden Kurzarbeitsprojekten liegen um rund -559.000 niedriger als noch Ende Mai.

Die Arbeitslosenzahlen haben natürlich auch Auswirkungen auf die Beschäftigtenzahlen, die derzeit nur geschätzt werden können. Der Einbruch bei den unselbständigen Beschäftigungsverhältnissen Ende Juni beträgt nach einer ersten Schätzung rund -125.000.

Doch die Beschäftigungsrückgänge wären noch viel höher ausgefallen, wenn das Instrument der COVID-19 Kurzarbeit nicht so rasch etabliert worden wäre. Mit Stand 30. Juni waren beim AMS noch knapp 57.000 Kurzarbeitsprojekte laufend, wobei zum Monatsende bereits über 20.000 Projekte bereits beendet waren. Die Zahl der geplanten Teilnahmen an Kurzarbeit der zum Monatsende laufenden Projekte beträgt rund 750.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Ende Juni 2020 sind 414.766 Personen beim AMS arbeitslos vorgemerkt. Die Zahl der Arbeitslosen steigt Ende Juni um +56,8% bzw. +150.246 Personen im Vergleich zum Vorjahr. Inklusive der Personen in einer AMS-Schulung beträgt die Zahl der Vorgemerkten Ende Juni 463.505, das bedeutet einen Anstieg gegenüber dem Vorjahr um +139.302 bzw. +43,0%.

In AMS Schulung werden aktuell 48.739 Personen gezählt (-10.944 bzw. -18,3% gegenüber Ende Juni 2019).

Die Arbeitslosenquote nach nationaler Definition liegt bei geschätzten 10,1%, das ist ein Anstieg von +3,6%-Punkten gegenüber dem Juni 2019. Die Arbeitslosenquote nach internationaler Erhebungsmethode gemäß EUROSTAT liegt für April 2020 bei 4,8% (+0,2%-Punkte). In dieser Kennziffer ist somit die Krisenentwicklung ab Mitte März noch nicht vollständig abgebildet. Österreich liegt im europäischen Vergleich an neuntbester Stelle bei der Arbeitslosenquote.

Überdurchschnittliche Zuwächse der Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr verzeichnen Ende Juni Jugendliche (+80,5%) und Personen ohne österreichische Staatsbürgerschaft (+74,2%).

Die Arbeitslosigkeit von Männern steigt mit +56,2% annähernd gleich stark wie die der Frauen (+57,4%).

Menschen mit Behinderungen (+19,9%) sowie Ältere ab 50 Jahren (+42,0%) weisen im Vergleich zum Vorjahr eine unterdurchschnittlich ansteigende Arbeitslosigkeit auf. Der Anteil der Arbeitslosen mit einer Wiedereinstellzusage im Register beträgt 6,2% (+1,3pp).

In der Betrachtung nach Branchen zeigen sich Ende Juni die größten Zuwächse in der registrierten Arbeitslosigkeit im Tourismus (+131,3%), gefolgt von der Baubranche (+61,2%). Dann folgen die Warenproduktion mit +52,6% Arbeitslosigkeit und der Handel (+49,1%) sowie die Arbeitskräfteüberlassung (+47,6%). Aber auch im Gesundheits- und Sozialwesen ist die Arbeitslosigkeit mit +42,4% ansteigend.

Steigende Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vorjahr verzeichnen alle Bundesländer, am stärksten ist der Zuwachs in Tirol (+123,4%) und Salzburg (+96,2%). Dann folgen Vorarlberg (+67,8%), die Steiermark (+63,7%), Oberösterreich (+59,9%) und Kärnten (+52,7%). In der Ostregion steigt die Arbeitslosigkeit etwas weniger stark: Wien (+48,6%), Burgenland (+47,0%), und der geringste Zuwachs ist dieses Monat in Niederösterreich (+43,8%) zu verzeichnen.

Ende Juni 2020 standen beim AMS 63.194 sofort verfügbaren offenen Stellen (-21.279 oder -25,2%) zur Verfügung. Insgesamt konnten 2020 bereits 353.402 Personen aus AMS-Vormerkung heraus wieder Arbeit aufnehmen. Die Arbeitsaufnahmen aus AMS-Vormerkung reduzierten sich in der zweiten Märzhälfte jedoch deutlich und lagen auch im April unter den Werten des Vorjahres. Im Mai und Juni 2020 liegen die Arbeitsaufnahmen bereits wieder deutlich über den Vorjahresmonaten.

Geschätzte 3.702.000 Personen, das sind rund 125.000 Personen weniger als im Juni 2019 bzw. -3,3%, befanden sich Ende Juni 2020 in unselbständigen Beschäftigungsverhältnissen.

Am Lehrstellenmarkt zeigt sich Ende Juni österreichweit eine Lehrstellenlücke von 2.711 Lehrstellen (+2.689). Den 7.673 sofort verfügbaren Lehrstellensuchenden standen 4.962 gemeldete, sofort verfügbare Lehrstellen gegenüber. Die gesamtösterreichische Lehrstellenlücke hat sich durch die Coronavirus-Krise deutlich erhöht. In fast allen Bundesländern stehen Ende Juni 2020 weniger sofort verfügbare offene Lehrstellen zur Verfügung als noch Ende Juni 2019. Ausnahme ist das Burgenland mit +4 gemeldeten offenen Lehrstellen zum Monatsende. In Wien übersteigt die Nachfrage mit rund 11 Lehrstellensuchenden, die einer sofort verfügbaren offenen Lehrstelle gegenüberstehen, das Angebot deutlich, während in Oberösterreich, Salzburg, Tirol und in der Steiermark mehr freie Lehrstellen verfügbar sind als Lehrstellensuchende gemeldet.

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