- 27.06.2020, 11:00:02
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„profil“: FPÖ-Kampagne – Geld für Belastungsmaterial über Wien Holding
Anwalt Tschank plante für Johann Gudenus Dirty Campaigning gegen SPÖ / Informantin erhielt Geld
Utl.: Anwalt Tschank plante für Johann Gudenus Dirty Campaigning
gegen SPÖ / Informantin erhielt Geld =
Wien (OTS) - Wie das Nachrichtenmagazin „profil“ in einer gemeinsamen
Recherche mit der Journalredaktion von Ö1 berichtet, erhielt eine
ehemalige Mitarbeiterin der Wien Holding im Jahr 2014 Geld aus dem
FPÖ-Umfeld für belastendes Material im Hinblick auf den beginnenden
Landtagswahlkampf in Wien.
In der Wien Holding sind zahlreiche Firmenbeteiligungen der Stadt
Wien gebündelt. Der Rechtsanwalt und spätere
FPÖ-Nationalratsabgeordnete Markus Tschank beschrieb in einem E-Mail
am 29. August 2014 folgenden Plan: „Es werden in den kommenden 2-3
Wochen 4 bis 6 kurze Sachverhaltsdarstellungen samt Beilagen
vorbereitet, die wir – in Etappen – über den NR-Parlamentsklub (wegen
erweiterter Immunität) an die WK-STA übermitteln werden.“
Gleichzeitig sollten die Anzeigen laut Mail „wieder in Etappen“ vom
späteren Novomatic-Konzernsprecher Bernhard Krumpel an die Medien
gespielt werden. Für jede Medienerwähnung erhalte die Informantin
„eine finanzielle Zuwendung von € 1.000,00 also ein rein
erfolgsabhängiges Honorar“.
Empfänger des Mails waren unter anderem der FPÖ-Bezirksrat und
spätere Kurzzeit-Casinos-Vorstand Peter Sidlo sowie Markus Braun, der
später Funktionen in mehreren FPÖ-nahen Vereinen übernehmen sollte.
In CC stand unter anderem Johann Gudenus. Tschank schrieb: „Joschi
soll gleichzeitig mit der Medienplatzierung zu den massiven Vorwürfen
in der Wien-Holding (Überhöhte Bonuszahlungen an Manager /
Postenschacher etc.) Stellung nehmen. Das wird ein schönes Thema für
den beginnenden LT-Wahlkampf im Herbst.“ Braun reagierte begeistert:
„Sehr gut! Endlich wieder Feuer unter dem Hintern der Roten!“
Auf Anfrage von profil und Ö1 verwies Tschank darauf, dass die im
E-Mail beschriebene Vorgangsweise „in dieser Form nicht umgesetzt“
worden sei. Eine Anzeige wurde allerdings eingebracht, auch erschien
Anfang November 2014 ein entsprechender Artikel im „Kurier“. Die
konkreten Vorwürfe waren dabei schon lange bekannt: „profil“
berichtete bereits Ende 2013 darüber.
Krumpel teilt mit, er habe in Bezug auf den „Kurier“-Artikel keine
Inhalte weitergegeben. Tschanks Informantin bestätigt auf Anfrage,
dem Anwalt Ende 2014 den Betrag von 1000 Euro in Rechnung gestellt zu
haben – allerdings nicht unter dem Titel „Medienerwähnung“, sondern
unter „SV-Darstellung“. Der Anwalt erklärt, die Frau habe „für
Unterstützungsleistungen im Zusammenhang mit der Erstellung eines
Schriftsatzes ein Honorar erhalten“ – nicht im Zusammenhang „mit
etwaigen Medienberichterstattungen“. Die Erstellung des Schriftsatzes
sei „rein faktenbasiert erfolgt“. Von „Dirty Campaigning“ könne
„keine Rede sein“.
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