Berlakovich: Dürre, Schädlinge - Negativfolgen des Klimawandels nehmen zu

Expertenschätzung: Getreideernte 2020 leicht unterdurchschnittlich

Wien (OTS) - "Die österreichische Getreideernte wird heuer wegen einer leichten Flächenreduktion und niedrigerer Ertragserwartungen voraussichtlich um 6,2% geringer ausfallen als 2019, wobei es regional große Unterschiede gibt. Im Osten kam der Regen zu spät - hingegen wird im Westen und Süden mit guten Erträgen gerechnet", teilte heute der Obmann des Ausschusses für Pflanzenproduktion der Landwirtschaftskammer (LK) Österreich und Präsident der LK Burgenland, Nikolaus Berlakovich, mit.

"Das Erntejahr 2020 stellt generell eine gewaltige Herausforderung dar: Mit dem Lockdown im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie begannen gerade die Frühjahrsarbeiten auf den bäuerlichen Betrieben. Anbau und Ernte vieler Kulturen, vor allem im Gemüse- und Obstbau, waren gefährdet. Auch Ackerkulturen mussten teilweise noch angebaut, gepflegt und geerntet werden. Arbeitskräfte und Betriebsmittel, wie Saatgut, Dünger, Pflanzenschutz, bestellte Maschinen oder Ersatzteile, mussten mit teils besonderen Anstrengungen der gesamten Branche rechtzeitig organisiert werden. Die Krise machte deutlich, welch wichtige Rolle die landwirtschaftlichen Familienbetriebe für die Versorgungssicherheit spielen. Die von der Regierung beschlossenen Maßnahmenpakete werden daher von uns ausdrücklich begrüßt, da sie wesentlich dazu beitragen, dass die Betriebe auch zukünftige Herausforderungen meistern können", betonte Berlakovich.

Klimawandel bewältigen

"Der fortschreitende Klimawandel erhöht den Druck auf unsere Bäuerinnen und Bauern: So fördern tagsüber warme Frühjahrstemperaturen ein sehr zeitiges Wachstum der Pflanzen. Seit einigen Jahren beobachten wir, dass sich der Beginn der Vegetationszeit nach vorne verschiebt. Das verstärkt das Risiko für Spätfröste, was bis zu Totalausfällen führt. Ebenso fördert die Trockenheit ein massenhaftes Auftreten von Schädlingen, wie Rübenderbrüssler, Erdfloh oder Blattläuse, die den zu warmen und zu trockenen Winter unbeschadet überstanden haben. Der Zuckerrübenanbau, ein wichtiges wirtschaftliches Standbein vieler Ackerbaubetriebe, ist ernsthaft gefährdet. Investitionen in die Bewässerungsinfrastruktur wären sinnvoll und auch im Sinne der Versorgungssicherheit nachhaltig wirksam. Schließlich können Risikovorsorge, geeignete Instrumente zum Schutz der Pflanzen und klare Schritte, die rasch aus der fossilen Energie herausführen, Besserung bringen", stellte Berlakovich fest.

Das Pflanzenbauwetter 2019/2020

Der Wetterverlauf 2020 ist in etwa mit dem des Jahres 2019 vergleichbar. Schon der Herbst war trocken und zu warm: Er bot jedoch für Anbau und Bearbeitung der Ackerböden optimale Verhältnisse. Auch für den Feldaufgang des Saatgutes war meist noch ausreichend Bodenfeuchtigkeit vorhanden. Aber durch weiter ausbleibende Niederschläge und warme Temperaturen konnten die Böden auch im Winter nur wenig Wasserreserven speichern, die im Frühjahr aufgrund der weiter anhaltenden Trockenheit und der steigenden Temperaturen schnell aufgebraucht waren. Die angebauten Sommerkulturen konnten sich durch die Trockenheit, aber vor allem wegen der kalten Nächte nur sehr langsam entwickeln. Spätfröste von -6 bis -8 °C hinterließen auch Spuren bei den Pflanzen und verursachten oft Verfärbungen, Verformungen im Wachstum oder Frostrisse; regional waren sogar Ausfälle, zum Beispiel bei Raps, zu beobachten.

Regen kam teilweise zu spät

Der ersehnte Regen mit für das Pflanzenwachstum günstigen moderaten Temperaturen ist, wie schon 2019, wieder eingetroffen. Er kam jedoch dieses Jahr um ein paar Wochen später als im letzten Jahr. Somit war es für manche Getreideflächen schon zu spät. Die Folgen sind in einigen Gebieten Österreichs stark vertrocknete Kulturen. Betroffen sind vor allem der Osten Niederösterreichs und das Burgenland. Die Trockenheit bekamen vor allem die Sommergerste, Hafer und Zuckerrübe, aber auch Raps und Winterweizen zu spüren. Auch Schädlinge konnte sich gut entwickeln, die vor allem wieder große Teile der Zuckerrübenflächen vernichteten.

Expertenschätzung: Regional stark unterschiedliche Ertragserwartungen

Die Getreideproduktion in Österreich wird neben der leichten Flächenreduktion auch aufgrund niedrigerer Ertragserwartungen voraussichtlich um insgesamt 6,2% geringer ausfallen als 2019. Die Ertragserwartungen unterscheiden sich aufgrund der langen Winter/Frühjahrstrockenheit regional sehr stark. In Summe wird mit einer bundesweit leicht unterdurchschnittlichen Getreideernte (minus 0,7% gegenüber dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre) gerechnet. Gegenüber dem etwas besseren Jahr 2019 werden die Getreideerträge um 4,9% zurückliegen. Die Spanne bewegt sich regional von minus 18,7% im Burgenland bis zu plus 8,5% in Oberösterreich gegenüber dem langjährigen Mittel.

Weichweizen als bedeutendste Getreideart wird mit einer Ertragserwartung von 53,5 dt/ha mit 2% leicht unter dem Durchschnitt der letzten Jahre liegen, jedoch mit einem Minus von 8,5% deutlich gegenüber 2019 einbüßen.

Roggen und Triticale werden weniger im Trockengebiet angebaut. Sie konnten daher den späten Regen besser nutzen. Es wird ein Mehrertrag gegenüber dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre erwartet: plus 4,4% bei Roggen und plus 5,4% bei Triticale. Am schwersten traf es die Sommergerste. Österreichweit wird mit einem um 21,1% unter dem Fünfjahresschnitt liegenden Ertrag gerechnet. Den deutlichsten Rückgang erwarten das Burgenland mit einem Minus von 34% gegenüber 2019 und das Hauptanbaugebiet in Niederösterreich mit minus 24,1%.

Getreide büßt mit minus 1,4% weiter leicht an Fläche ein

Trockenheit und schwierige Bedingungen verursachen auch 2020 starke Verschiebungen zwischen den Kulturen: Mehr als 10% Fläche gegenüber 2019 haben Sommergerste, Raps und Mais eingebüßt: Sommergerste kam nur schwer mit der Trockenheit im Frühjahr der letzten Jahre zurecht. Die Qualitätsansprüche für Braugerste werden teilweise nur auf den besten Böden erreicht. Raps hat auch in den letzten Jahren aufgrund des Schädlingsdrucks gelitten und wird somit zunehmend für den Anbau uninteressanter.

Mehr als 5% der Fläche haben Zuckerrübe, Triticale, Körnererbse und Körnermais eingebüßt. Mit nur mehr 26.355 ha hat die Zuckerrübe weitere 5,5% der Fläche gegenüber 2019 verloren. Bereits 2018 und 2019 mussten große Teile der Zuckerrübenflächen aufgrund von Schädlingsfraß umgebrochen werden, auch 2020 waren es fast 8.000 ha, die bereits angebaut waren, jedoch abgefressen und danach durch andere Kulturen ersetzt wurden. Auch die Körnererbse hat weiter an Bedeutung verloren, mit einem Flächen-Minus von 6% und somit nur mehr mit 5.014 ha trägt sie nur mehr untergeordnet zur Eiweißversorgung bei. Auch Triticale hat gegenüber 2019, im Gegensatz zu den letzten Jahren, an Fläche eingebüßt, bewegt sich aber im Ausmaß der letzten fünf Jahre.

Annähernd gleich blieben die Flächen bei Weichweizen und Dinkel (plus 0,2%), geringfügig zulegen konnte Wintergerste (plus 1,4%), dafür schrumpfte die Fläche bei Winterroggen (minus 2,5%) und auch die Sojabohnen-Fläche sank um 1,1%. Die großen Gewinner waren vor allem Sonnenblume und Ölkürbis: Sonnenblume profitierte einerseits vom Umbruch der Zuckerrübe und andererseits von guten Erfahrungen aus 2019: Es wurden 2.323 ha vor allem im niederösterreichischen Trockengebiet mehr als 2019 angebaut. Am deutlichsten aber, mit 41,1% mehr Anbaufläche als 2019 und insgesamt 35.584 ha, hat der Ölkürbis vor allem in den Hauptanbaugebieten Niederösterreich und Steiermark zulegen können. (Schluss)

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