Rückstau bei elektiven Eingriffen in Wien vorzeitig abgearbeitet

Rund 2.000 verschobene Operationen zwei Wochen früher als geplant nachgeholt

Wien (OTS/RK) - Wien hat die Nagelprobe der COVID-19-Pandemie sehr gut bestanden. Das Wiener Gesundheitssystem hat in den vergangenen 5 Monaten seine Leistungsfähigkeit und Krisenfestigkeit unter Beweis gestellt. Nach nur wenigen Wochen konnten nun auch die rund 2.000 COVID-19-bedingt verschobenen, planbaren Operationen abgearbeitet werden. Gesundheitsstadtrat Peter Hacker, der Wiener Gesundheitsverbund und die Rudolfinerhaus Privatklinik ziehen eine erste COVID-19-Bilanz für Wien.

Das Wiener Gesundheitssystem hat Krisenfestigkeit bewiesen

Die COVID-19-Pandemie hat das Wiener Gesundheitssystem auf eine harte Probe gestellt. Angesichts der erschreckenden Bilder aus Norditalien, die ab Februar die Medienberichterstattung in Österreich bestimmten, war die Herausforderung klar: „Die Aufgabe war es, rasch aus den Erkenntnissen unserer italienischen Nachbarn die richtigen Schlüsse zu ziehen und die Wienerinnen und Wiener vor dem damals völlig unbekannten Virus bestmöglich zu schützen. Von Anfang an war klar: Unsere Spitäler sind unsere wertvollste Ressource und sie müssen wir ebenso schützen“, resümiert Stadtrat Peter Hacker.

„In einem gemeinsamen Schulterschluss und Kraftakt aller Beteiligten und mit einer klaren Strategie ist es uns gelungen, die Wienerinnen und Wiener gut durch die Pandemie zu führen. Ich bin stolz auf unser Gesundheitssystem in Wien, das gerade in den vergangenen 5 Monaten seine Leistungsfähigkeit und Krisenfestigkeit unter Beweis gestellt hat.“

Schlüssel zum Erfolg war es, die Spitäler und Pflegeeinrichtungen der Stadt vor COVID-19 zu schützen. Das wurde durch die Strategie der Heimquarantäne erreicht. „Wir haben von Beginn alle COVID-19-Erkrankten mit leichtem Krankheitsverlauf Zuhause versorgt“, so Hacker weiter. „So konnten wir das Virus von den am meisten gefährdeten Risikogruppen – den Patientinnen und Patienten in unseren Spitäler und den Bewohnerinnen und Bewohnern in den Pflegewohnhäusern – fernhalten.“

Akutversorgung jederzeit gewährleistet – OP-Rückstau vorzeitig abgearbeitet

Ab Mitte März wurde der Zutritt zu den Kliniken des Wiener Gesundheitsverbundes eingeschränkt. „Wir haben unsere Ressourcen gebündelt – und zwar mit folgendem Ziel: Schaffung der nötigen Kapazitäten zur Versorgung von schwer COVID-19-Erkrankten bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der Akutversorgung der Wiener Bevölkerung“, sagt Michael Binder, Medizinscher Direktor des Wiener Gesundheitsverbundes.

„Wenn die Maßnahmen auch einschneidend waren, sie waren erfolgreich. Wir haben auch am Höhepunkt der Pandemie – also in den Monaten März und April – rund 15.000 Operationen durchgeführt. Und nach nur 6 Wochen der Einschränkungen konnten wir den OP-Betrieb schrittweise wieder in Richtung Normalzustand hochfahren. Mit Unterstützung privater Spitalsbetreiber ist es uns gelungen, die rund 2.000 verschobenen planbaren Eingriffe bereits vorzeitig abzuarbeiten.“

Knapp 40 Betten alleine in der Rudolfinerhaus Privatklinik zur Verfügung gestellt

Knapp 40 Betten wurden alleine im Rudolfinerhaus, Wiens ältester Privatklinik, für PatientInnen des Wiener Gesundheitsverbundes zur Verfügung gestellt, um aufgeschobene geplante Eingriffe und Behandlungen – etwa in den Bereichen Kardiologie über Orthopädie bis hin zur Neurologie – nachzuholen.

Dr. Georg Semler, Aufsichtsratsvorsitzender der Rudolfinerhaus Privatklinik, begrüßt den gelungenen Schulterschluss: „Das Rudolfinerhaus ist seit mehr als 130 Jahren in seiner Tradition ein nicht wegzudenkender Bestandteil des Wiener Gesundheitssystems. In dieser prekären Situation durch die rasche und unbürokratische Behandlung der wartenden Betroffenen einen maßgeblichen Beitrag zu leisten, war und ist für uns und unsere MitarbeiterInnen eine Selbstverständlichkeit“.

Wiener Gesundheitsverbund auf möglichen erneuten Anstieg der Infektionszahlen bestens vorbereitet

Die akribische Vorbereitung auf die COVID-19-Pandemie hat sich in den vergangenen Monaten bewährt. „Wir haben den Zeitvorsprung, den wir vor den italienischen Kolleginnen und Kollegen hatten, genutzt“, sagt Michael Binder. „Und zwar zur Schaffung der nötigen Versorgungskapazitäten, zur Vorbereitung unseres Personals, zum Auffüllen unseres Pandemielagers mit den notwendigen Arzneimitteln und der persönlichen Schutzausrüstung sowie zur Bereitstellung von ausreichend COVID-19-Tests in unseren Labors.“ Die bisherigen Erfahrungen fließen in die Vorbereitung auf eine mögliche zweite COVID-19-Welle ein.

„Wir haben viel aus den letzten Wochen und Monaten gelernt und sind auf einen möglichen neuerlichen Anstieg der Infektionszahlen vorbetreitet. Bis heute haben wir in unseren Kliniken rund 880 teils schwer COVID-19-Erkrankte behandelt. Die Kolleginnen und Kollegen haben große Fortschritte in der Therapie gemacht. Sie arbeiten intensiv an Medikamenten-Studien mit. Eine zweite Welle würde uns also gut vorbereitet treffen.“ Die Zutrittsbeschränkungen zu den Einrichtungen des Wiener Gesundheitsverbundes bleiben bis auf Weiteres aufrecht.

„Die Pandemie ist noch nicht vorbei“, warnt Binder. „Ein Infektionscluster in einem Pflegewohnhaus in Wien Liesing mit mehreren COVID-19-Toten führte uns das vergangene Woche vor Augen. Darum bitten wir die Wienerinnen und Wiener auch um Verständnis dafür, dass wir auf absehbare Zeit auch weiterhin den Zutritt zu unseren Einrichtungen einschränken und kontrollieren müssen – zum Schutz besonders gefährdeter Personengruppen.“

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