Ethikunterricht: Dekane-Forderung nach Theologie als Bezugswissenschaft „unverschämt und gefährlich"

Wien (OTS) - Mit der im Rahmen des Begutachtungsverfahrens zum Schulorganisationsgesetz am Freitag gestellten Forderung der Dekane der theologischen Fakultäten, 'Theologie' explizit als Bezugswissenschaft in den Gesetzestext aufzunehmen, erreicht die Debatte um den Ethikunterricht einen neuen – und äußerst bedenklichen – Höhepunkt. Kaum hat die Regierung eine Forderung der Katholischen Bischofskonferenz aus dem Jahr 2009 umgesetzt und die diskriminierende Einführung eines Ethikunterrichtes ausschließlich für Religionsverweigerer in einen Gesetzesentwurf geschrieben, verlangt nun die Katholische Kirche – über die ihr untergebenen Dekane und mit Unterstützung der Evangelischen Kirche – zusätzlich auch ein Mitspracherecht bei der Gestaltung und Durchführung des Ethikunterrichtes.

„Diese unverschämte Forderung der Kirche führt vor Augen, welche weitreichenden Folgen die Einführung eines Ethikunterrichtes lediglich als Pflichtersatz für Religion mit sich bringen wird. Wir erleben jetzt nicht nur die Aufwertung der Religionsgemeinschaften zu staatstragenden Organisationen, sondern auch den Versuch, per Gesetz aus ‚Glaube‘ ‚Wissen‘ zu machen. Dies ist daher auch ein Anschlag auf die Freiheit der Wissenschaft in Österreich“, warnt Eytan Reif, Sprecher des Volksbegehrens „Ethik für ALLE“. Laut Reif würde die Erfüllung der Dekane-Forderung „den letzten wichtigen Baustein bei der Unterwanderung des Ethikunterrichtes durch die Kirche liefern“. Reif dazu: „Während der Ethikunterricht als Ersatzpflichtfach ausschließlich im Schatten des Religionsunterrichtes existieren wird, fast die Hälfte der EthiklehrerInnen in kirchlichen Hochschulen ausgebildet wird und die Einrichtung eines entsprechenden Ethik-Lehramtstudiums von der Katholisch-Theologischen Fakultät koordiniert wird, soll nun zusätzlich Theologie als Bezugswissenschaft für den Ethikunterricht gesetzlich verankert werden. In Wahrheit geht es bei diesem Projekt nicht um den Ethikunterricht, sondern um die Rolle des Religionsunterrichtes im Österreichischen Schulwesen und der Religionsgemeinschaften im österreichischen Staatsgefüge“.

Sehr kritisch betrachtet auch der katholische Religionspädagoge und Mitinitiator des Volksbegehrens „Ethik für ALLE“ Univ.-Prof. Dr. Anton Bucher die Dekane-Forderung: „Während Theologie bekenntnisgebunden ist, will der Ethikunterricht über Religionen und ihr Ethos informieren. Der hier anzuwendende Ansatz ist ein religionswissenschaftlicher, nicht ein theologischer“. Gerade vor dem Hintergrund eines Ethikunterrichtes als Ersatzpflichtfach für Religion sieht Bucher aber ein weiteres Problemfeld: „Laut Gesetzesentwurf ist der Ethikunterricht ausschließlich für Schüler gedacht, die den Religionsunterricht nicht besuchen möchten und somit die Angebote der Theologien ausschlagen. Es ist eine mehr als ungünstige Optik, wenn Theologen trotzdem für diese SchülerInnen zuständig sein wollen und eine weltanschauliche Okkupation anstreben“.

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