Weltmilchtag: Titschenbacher verlangt vom Handel, Milchpreise nicht zu senken

Appell an Verbraucher: Setzt ein Zeichen und kauft heimisch

Graz (OTS) - Franz Titschenbacher, Präsident der Landwirtschaftskammer (LK) Steiermark, begrüßt, dass einzelne Handelsketten in dieser für die Milchbauern schwierigen Zeit die Preise für Milch- und Milchprodukte nicht senken. "Das zeigt, dass es bei regionaler Qualität grundsätzlich möglich ist, die Preisschraube nicht anzudrehen und die Preise stabil zu halten." Diesem Beispiel müsse der gesamte Handel folgen und so seine diesbezügliche Verantwortung innerhalb der Wertschöpfungskette den Bauern gegenüber wahrnehmen, fordert der Präsident.

Erzeugermilchpreise auf konstant niedrigem Niveau

"In der Corona-Krise haben unsere Milchbauern bewiesen, dass auf sie Verlass ist und sie dafür sorgen, dass in den Supermarktregalen ausreichend hochwertige Milch- und Milchprodukte sowie Käse angeboten werden", unterstreicht der Kammerpräsident und betont: "Damit Milch und Käse auch in Zukunft krisensicher regional hergestellt werden können, brauchen die bäuerlichen Familienbetriebe den ihnen zustehenden Anteil am Endverbraucherpreis. Nur so können unsere Strukturen erhalten bleiben." Mit aktuell durchschnittlich 34 Cent für einen Liter Milch ist dieser seit etwa drei Jahren auf konstant niedrigem Niveau. Nur ein knappes Drittel vom Endverbraucherpreis kommt beim Milchbauern an. Problematisch für die Familienbetriebe im Grünland- und Berggebiet ist, dass gleichzeitig die Produktionskosten für Milch stetig steigen. Diese offene Preis-Kosten-Schere ist ein entscheidender Grund, warum auch 2019 wieder 200 Milchviehbetriebe (-4,5%) die Stalltür für immer geschlossen haben

"Auch die Aktionitis sowie die zunehmenden Eigenmarken des Handels mit vielfach intransparenter Herkunftskennzeichnung bei Käse und Butter schaden den heimischen Milchbauern. Den kleinstrukturierten Familienbetrieben wird so kein gerechter Preisanteil zugestanden", erwartet sich Titschenbacher durch die Corona-Krise ein Umdenken beim Lebensmitteleinzelhandel (LEH) und ein klares Bekenntnis zu heimischer Qualität. Der Store-Check der LK Ende Februar 2020 hat zutage gebracht, dass bei Käse der Eigenmarkenanteil im LEH mit Preisdrücker-Preisen bereits zwischen 30 und 40%, im Einzelfall sogar bei mehr als 60% liegt, bei Butter zwischen 15 und 20%. Bei solchen Angeboten ist die Herkunft der Milch nicht, wie zu erwarten, auf den ersten Blick, sondern nur mit Spezialkenntnissen nachvollziehbar - meist handelt es sich um ausländische Produkte. "Die dafür benutzte irreführende Bezeichnung 'abgepackt in Österreich' sollte es seit 1. April zwar nicht mehr geben, gerade deshalb werden wir in den nächsten Wochen genau darauf schauen, ob derartige irreführende Kennzeichnungen weiterhin in den Regalen auftauchen", kündigt Titschenbacher an.

Molkereien für Krisenzeiten gut aufgestellt

Auch für die heimischen Molkereien ist die Corona-Pandemie herausfordernd. Sie haben aber bewiesen, dass sich ihre unternehmensstrategische Ausrichtung in Krisenzeiten bewährt. Vor allem die kräftigen Investitionen, die einzelne in der Steiermark tätige Molkereien in den Vorjahren in die Käseherstellung getätigt haben, haben viele Milchbauern vor größeren Einbußen bewahrt. Das verschafft den Molkereien die Möglichkeit, vorübergehend Käse auf Lager zu legen.

"Der Ausbau der Käserei Voitsberg vor zwei Jahren hat uns wesentlich geholfen, die angelieferte Milch bestmöglich zu verwerten. So konnten wir den Wegfall der Gastronomie durch verstärkte Käseproduktion kompensieren. Uns wäre sehr geholfen, wenn der Handel Regionalität auch in Zukunft dementsprechend schätzt und bezahlt", so Bergland-Vorstand Johann Loibner. Auf die Fortsetzung der wertschätzenden Partnerschaft mit dem Handel und den Verbrauchern hoffen auch Jakob Karner, Obmann der Obersteirischen Molkerei (OM), und Hermann Schachner, Obmann Landgenossenschaft Ennstal - Ennstalmilch. "Diese Solidarität ist eine Notwendigkeit, denn zurzeit sind alle Standbeine eines durchschnittlichen Rinder haltenden Betriebes in der Steiermark äußerst angespannt: niedriger Milchpreis, zum Teil Mengenregulierungsmodelle, Rinderpreis um bis zu 20% niedriger als vor drei Jahren sowie ein historischer Tiefstand beim Holzpreis", zeigt Schachner auf.

Titschenbacher begrüßt auch die in der EU angelaufene Private Lagerhaltung für Magermilchpulver, Butter und Käse als "wichtigen Beitrag zur Marktentlastung". Mit Blick auf die künftigen Verhandlungen zur Gemeinsamen EU-Agrarpolitik ab 2021+ steht für ihn fest: "Die Milchbauern brauchen gute Unterstützungen bei den Qualitätsprogrammen sowie entsprechende Direktzahlungen."

Setzt ein Zeichen und kauft heimisch

"Regionalität zahlt sich aus, schafft Arbeitsplätze und stärkt unser ganzes Land“, appelliert der LK-Präsident an die steirischen Verbraucher. Wenn jeder bewusst um 20% mehr heimische Lebensmittel in den Einkaufskorb legt, werden dadurch 6.400 neue Arbeitsplätze allein in der Steiermark (Österreich: 46.000) geschaffen und klimaschädliche Lebensmittelimporte unterbunden. Von dieser zusätzlichen Kaufkraft profitiert das ganze Land. (Schluss)

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