„Farm to Fork“: EU-Paradigmenwechsel beim Tierschutz?

VIER PFOTEN vorsichtig optimistisch, aber ursprüngliche Version wurde deutlich verwässert

Gerade auch im Zusammenhang mit Covid-19 scheint die EU-Kommission nun erkannt zu haben, dass Tierwohl und eine nachhaltige Nahrungsmittelproduktion eine Garantie gegen künftige Pandemien bieten. Aber natürlich müssen jetzt den Worten auch Taten folgen: Die Strategie ist nach einer ersten Analyse überwiegend positiv zu beurteilen, muss aber jetzt mit konkreten Inhalten gefüllt werden
Eva Rosenberg, VIER PFOTEN Direktorin

Wien (OTS) - Bei der Präsentation der „Farm to Fork“ Strategie heute in Brüssel ließ die EU-Kommission mit einem versuchten Paradigmenwechsel beim Tierschutz aufhorchen. Für VIER PFOTEN geben einige Punkte Grund zu vorsichtigem Optimismus.

So heißt es etwa im Text der Strategie, dass die „Abhängigkeit von Antibiotika verringert“, „Tierschutz verbessert“ und „die Bevölkerung mehr Augenmerk auf Umwelt-, Gesundheits- sowie ethische Aspekte legen“ sollte.

Gerade auch im Zusammenhang mit Covid-19 scheint die EU-Kommission nun erkannt zu haben, dass Tierwohl und eine nachhaltige Nahrungsmittelproduktion eine Garantie gegen künftige Pandemien bieten. Aber natürlich müssen jetzt den Worten auch Taten folgen: Die Strategie ist nach einer ersten Analyse überwiegend positiv zu beurteilen, muss aber jetzt mit konkreten Inhalten gefüllt werden“, sagt VIER PFOTEN Direktorin Eva Rosenberg.

VIER PFOTEN begrüßt vor allem die Ankündigung, die EU-Gesetzgebung in Bezug auf Tiertransporte und Schlachtung zu überarbeiten. „Wir wünschen uns, dass die EU-Kommission hier die größten Tierschutzprobleme aufgreift. Die derzeitigen Regulierungen reichen bei weitem nicht aus. Wir müssen auch weg von Lebendtiertransporten und hin zum Transport von Fleisch bzw. genetischem Material“, Rosenberg. so

Kritik: Empfehlung zur Reduktion des Fleischkonsums in Letztversion rausgeflogen

Für VIER PFOTEN bedeutet dies vor allem auch ein Bekenntnis zur Reduktion des Fleischkonsums. „Es ist bekannt, dass die Produktion von Fleisch extrem viele Ressourcen verbraucht und viel CO2 ausstößt. Zudem essen die Menschen mehr Fleisch, als es von der Wissenschaft empfohlen wird“, so Rosenberg. Dass die ursprünglich in der Strategie enthaltene Empfehlung zur Reduktion des Fleischkonsums in der Letztversion rausgeflogen ist, kritisiert Rosenberg scharf: „Hier scheint die Fleischindustrie erfolgreich interveniert zu haben. Das ist ein großer Schaden für die Umwelt, die Tiere, die Menschen – ja, für die Zukunft von uns allen.“

Es ist laut VIER PFOTEN vor allem wichtig, Fleisch auf der einen Seite zu reduzieren, auf der anderen Seite Produkte aus besserer Tierhaltung zu fördern. Die EU müsse Anreize für Konsumentinnen und Konsumenten schaffen, bewusste Entscheidungen für mehr Tierwohl zu treffen. „Wir brauchen eine ganz klare Kennzeichnung bei tierischen Produkten. Aus Tierschutzsicht ist die reine Herkunftskennzeichnung zu wenig. Seit Jahren setzen wir uns auch für eine verpflichtende Haltungskennzeichnung ein. Das ist ein gutes Beispiel, das zeigt, dass Tierschutz- und Konsumentenschutz Hand in Hand gehen“, erklärt Rosenberg.

Auch bei der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) wurde die Letztversion entschärft. Zunächst war noch empfohlen worden, die Strategie in die GAP einfließen zu lassen. Dieser Passus fehlt nun. Für VIER PFOTEN ist das eine Enttäuschung: „Es handelt sich bei der Landwirtschaft um den größten Budgetposten. Hier muss der Hebel unbedingt angesetzt werden, um die Zukunft positiv zu gestalten“, fordert Rosenberg abschließend.

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