Von Häftlingen verborgene Gegenstände in Auschwitz gefunden

Wien (OTS) - Am 21. April 2020 sind im Block 17 im ehemaligen Stammlager Auschwitz, in dem die neue österreichische Ausstellung gezeigt werden soll, zahlreiche Gegenstände aus der Zeit des Lagers gefunden worden. Bei den vom Nationalfonds beauftragten Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten zur Vorbereitung der neuen österreichischen Ausstellung wurde im Zuge von Maßnahmen zu Erhaltung von originalen Mauerwerksteilen im Erdgeschoß ein Kaminzug freigelegt. Darunter kamen versteckte Objekte zu Tage, unter anderem Messer, Gabeln, Haken, Scheren, Lederstücke, Schusterwerkzeug und Teile von Schuhen.

Die Gegenstände wurden behutsam geborgen, dokumentiert und der konservatorischen Abteilung des Museums übergeben. Damit ist ein weiterer Mosaikstein zur Geschichte des Gebäudes gefunden worden.

Der bauliche Konsulent des Nationalfonds, Baumeister Ing. Johannes Hofmeister, ist der Ansicht, es sei kein Zufall, dass genau in jenem Gebäude, in dem die Rauchfangkehrer untergebracht waren, ein Kamin als Versteck benutzt wurde. Im Gebäude dürften Personen mit besonderen handwerklichen Begabungen einquartiert worden sein. Aus Zeugnissen von Überlebenden geht hervor, dass sich im Keller einige Werkstätten befanden, in denen z.B. Körbe geflochten wurden.

Ohne eingehende Analyse durch HistorikerInnen und KonservatorInnen ist es noch zu früh, über die Verwendung und mögliche Intentionen der Häftlinge zu sprechen – denkbar sind unter anderem die Herstellung und Reparatur von Kleidung, Schlossertätigkeiten, aber auch die Vorbereitung für einen Ausbruch. Möglicherweise wurden Scheren und Besteck auch im Tauschhandel mit anderen Häftlingen eingesetzt.

Seit Beginn der Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes Block 17 im September 2019 wurden Abbruchmaßnahmen von nach dem Krieg hinzugefügten Elementen unter konservatorischer Begleitung durchgeführt sowie mit der konstruktiven Verstärkung des gesamten Gebäudes begonnen. Durch den Abbruch der 1978 ins Gebäude eingeführten Architektur kamen in der Planung nicht berücksichtigte Originalelemente zum Vorschein, die Adaptierungen der Ausführungsplanung notwendig machten. Die jeweiligen Lösungsfindungen in diesem speziellen Fall wurden mit dem Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau und dem kleinpolnischen Denkmalschutzamt abgestimmt.

Sanierung und Restaurierung geht trotz erschwerten Bedingungen voran

Aufgrund der in Polen geltenden behördlichen Maßnahmen zum Schutz der Verbreitung von Covid 19 musste das Baustellenpersonal im März massiv reduziert werden. Nur bestimmte, sicherheitsrelevante Arbeiten durften durchgeführt werden, jedoch keine rein restauratorischen Maßnahmen. Die Arbeiten zur statischen Verstärkung des Gebäudes konnten unter entsprechenden Vorkehrungen weitergeführt werden und sind nun nahezu abgeschlossen. Die bisher gesetzten Sicherheitsmaßnahmen erlauben die Fortsetzung aller für dieses Projekt notwendigen Konservierungs- und Konstruktionsarbeiten.

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