Auftakt für „Menschen & Mächte“-Serie „Jahrzehnte in Rot-Weiß-Rot“ – „Die 50er Jahre“ am 18. Mai um 20.15 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) - Mit der sechsteiligen „Menschen & Mächte“-Serie „Jahrzehnte in Rot-Weiß-Rot“ zeigt der ORF ab Montag, dem 18. Mai 2020, jeweils um 20.15 Uhr in ORF 2 eine von Andreas Novak konzipierte Zeitgeschichte-Serie über Österreichs Alltags-, Politik-und Gesellschaftsgeschichte zwischen 1950 und den 2000er Jahren. Den Auftakt macht im Rahmen des ORF-Programmschwerpunkts zu „65 Jahre Staatsvertrag“ die Dokumentation „Die 50er Jahre“ von Wolfgang Stickler und Andreas Novak:

„Wir hatten doch damals so viel nachzuholen, wir Jungen waren lebenshungrig und neugierig“, erzählt die in Wien geborene, später weltberühmt gewordene Schauspielerin Senta Berger als Zeitzeugin im ORF-Interview über die 50er Jahre. Damit trifft sie das Lebensgefühl der jungen Generation. Ab 1950 ist das Gröbste zwar überstanden; die Hungerjahre und die wirtschaftliche Not der unmittelbaren Nachkriegszeit sind vorbei, die ärgsten Schäden beseitigt. Österreichs Aufbruch in die Zukunft ist zwar alles andere als leicht, doch es ist jedenfalls ein Aufbruch in ein besseres Jahrzehnt. Fünf Jahre sind die Besatzer bereits im Land. Viele meinen sie bleiben für immer hier. Die Jahre der Diktatur und des Krieges haben tiefe Gräben in der Gesellschaft hinterlassen. Das Nationalgefühl und der Patriotismus in Rot-Weiß-Rot sind noch nicht gefestigt. Doch immerhin bekommt man Brot nun wieder ohne Lebensmittelkarten. Ein Zeichen der Besserung: „Man hatte das Gefühl, das Leben geht wieder bergauf“, fasst Arik Brauer, damals Student an der Akademie der bildenden Künste, die Stimmung zusammen.

Fünf Jahre später gibt es wirklich Grund zur Freude. Die Besatzungsmächte ziehen ab. Mit dem Staatsvertrag wird Österreich 1955 ein freies und souveränes Land. Für den Fotografen Erich Lessing, der das berühmte Foto mit Leopold Figl am Balkon des Belvederes gemacht hat, ein unvergessener Augenblick. Innen- wie außenpolitisch sind die 1950er Jahre das wohl wichtigste Jahrzehnt in Österreichs Nachkriegsgeschichte. Das Land positioniert sich zwischen den beiden Machtblöcken als militärisch neutraler, nicht jedoch ideologisch neutraler Staat. Gesellschaftspolitisch gilt der Wertekatalog westlicher Demokratien. Die folgenden Wirtschaftswunderjahre sollten Wohlstand und Jobs bringen, bald besitzt bereits jeder sechste Österreicher ein Auto. „Wir hatten das Gefühl, wir Österreicher sind wieder wer“, erinnert sich die ehemalige Nationalbankpräsidentin Maria Schaumayer an das neue Wir-Gefühl in Rot-Weiß-Rot, das am Ende des Jahrzehnts einsetzte.

Für die Die ORF-Dokumentation „Aufbruch in ein besseres Jahrzehnt“ erinnern sich prominente Zeitzeugen, die später in Politik, Wirtschaft, Kunst und Sport Bedeutendes für Österreich geleistet haben. Sie denken zurück an die Zeit ihrer Kindheit und Jugend und machen so die 50er Jahre für das TV-Publikum wieder lebendig. Sie zeichnen aber nicht nur das Bild einer mit Rock ’n’ Roll aufwachsenden Generation nach, sondern zeigen auch die Risse im Fundament der Zweiten Republik auf. „Die 50er Jahre waren eine Zeit des Verdrängens“, erinnert sich Senta Berger und weist auf die heile Welt der Sissi- und Försterfilme hin: „Die Gegenwart kam im österreichischen Nachkriegsfilm einfach nicht vor“. Die NS-Zeit vergessen, Täter verharmlosen, Verfolgte nicht rehabilitieren – das war die Strategie einer Gesellschaft, die die Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit scheute und deshalb auch noch Jahrzehnte später immer wieder über sie stolperte.

Der Film beleuchtet und analysiert den doch auch mit steigendem Optimismus beschrittenen Weg, den Österreich nach dem Scheitern der Ersten Republik und den Irrungen des Nationalsozialismus gehen musste, um seine nationale Identität neu zu definieren. Eine auf Befehlen, Gehorchen und Marschieren getrimmte Generation musste die ideologische und mentale Umpolung ihrer Köpfe vollziehen und Selbstverantwortung lernen. „Wir hatten alle eine gute Infanterieausbildung, aber von Demokratie hatten wir keine Ahnung“, bekennt Ludwig Steiner, der als Sekretär von Bundeskanzler Julius Raab die Staatsvertragsverhandlungen noch persönlich miterlebte. Trotz aller Defizite und Widersprüche waren die 50er Jahre ein Jahrzehnt, das für die österreichische Nachkriegsgeschichte die größte Bedeutung hatte. „Aus einem gespaltenen Österreich der Ersten Republik und trotz aller Zerstörungen und Opfer und zehnjähriger Besetzung ist es eines der wohlhabendsten Länder der Welt geworden. Wer hätte das erwartet und zu hoffen gewagt?“, resümiert Hannes Androsch, der ehemalige Finanzminister und Vizekanzler der SPÖ-Alleinregierung, damals Student der Handelswissenschaften. Und:
„Ich hatte das Glück einer Generation anzugehören, die das alles erleben durfte“. Die Dokumentation von Wolfgang Stickler und Andreas Novak versteht sich als dynamische, aber auch heitere Reise durch die vielen Facetten der 1950er Jahre.

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