Kramsacher Gespräche 2020: „Auskommen mit dem Einkommen“

Brauchen wir ein Grundeinkommen ohne Arbeit? Wie sieht es mit der Zukunft des Kollektivvertrages aus? Welche Mittel sind nötig um gerechte Entlohnung zu erreichen?

Wien (OTS/FCG) - „Auskommen mit dem Einkommen“ wäre der Titel der 24. Kramsacher Gespräche der Hans Klingler-Stiftung und der Fraktion Christliche GewerkschafterInnen in der Gewerkschaft der Privatangestellten (FCG/GPA-djp) 2020 am heutigen 15. Mai 2020 gewesen. Selbstverständlich wurde die Veranstaltung verschoben, doch das gewählte Thema hat durch die Auswirkungen der Corona Pandemie maßgeblich an Bedeutung für die Gegenwart und Zukunft gewonnen. Dieser 15. Mai ist nicht irgendein Tag, es ist der Geburtstag der christlichen Soziallehre (15.05.1891 Rerum novarum) und vor 30. Jahren wurde der Sozialhirtenbriefes der österreichischen Bischöfe veröffentlicht. „Die Inhalte des Sozialhirtenbriefes wie gerechter Lohn für alle, gegen Diskriminierung der Frauen, gegen Ausgrenzung von Arbeitslosen sind seit jeher Anliegen der FCG, und sie bleiben es bis zur positiven Erledigung,“ stellt der Stiftungsvorsitzende Reinhard Bödenauer klar.

Kollektivvertragspolitik, Lohngerechtigkeit und Mindesteinkommen wären am heutigen Tag die drei Schwerpunkte der Veranstaltung gewesen. Themen die in dieser außergewöhnlichen Zeit tagtäglich in allen Medien für Schlagzeilen sorgen. Es ist die Rede von zu gering bezahlten ArbeitnehmerInnen im Sozialbereich, im Handel und in anderen Branchen die plötzlich immens an Bedeutung für unsere Gesellschaft gewonnen haben. Reinhard Bödenauer als Kollektivvertragsexperte meint dazu: „Zurecht fordern die Gewerkschaften den Mindestlohn von € 1.700 für alle Branchen. Wenn wir heute die Situation von ErntehelferInnen oder 24 Stunden-PflegerInnen betrachten die nicht einmal von KV Regelungen erfasst werden, ist zu erkennen dass da noch viel Luft nach oben ist.“
Die Problematik der Lohnungerechtigkeiten zwischen Frauen und Männern wurde zum Alltagsthema. Es sind nämlich in überwiegendem Maße Frauen die in den Berufsgruppen beschäftigt sind (Handel, Gesundheit, Soziales), die immer positiv erwähnt wurden, und gleichzeitig eine bessere Bezahlung als wichtig politisiert wird. Hier sind nicht nur die Sozialpartner sondern vor allem auch der Gesetzgeber gefragt. Die Diskussionen über soziale Absicherung reißen gerade in Zeiten der Coronakrise nicht ab. Die Höhe des Arbeitslosengeldes, die Mindestsicherung und andere Leistungen beschäftigen Sozialpartner, NGO´s und Politik. Die Frage ob ein Grundeinkommen ohne Arbeit mehr Sinn macht taucht immer öfter in der Debatte auf. Es geht darum Lösungen zu finden die nicht nur für klassische ArbeitnehmerInnen interessant sind, sondern auch für viele kleine "Selbständige", wie Personenbetreuerinnen und Personenbetreuer und vielen anderen EPUs.

Wir erleben gerade die schlimmste weltweite Krise seit dem 2. Weltkrieg. Viele Menschen sind auch hierzulande von teils massiven Einkommensverlusten betroffen. Das Gespenst der Existenzangst geht um, den für sie geht es darum ob sie genug verdienen um überhaupt essen, heizen oder sich kleiden zu können. Andererseits leben wir in einem der reichsten Staaten der Erde. „Dieses Spannungsfeld wollten wir eigentlich vor Corona beleuchten. Wir wollten Antworten und Lösungsmöglichkeiten finden. Unser heutiger Alltag zeigt uns wie realitätsnahe wir mit unseren Themen sind. Die Herausforderungen die sich heute und in den nächsten Wochen, Monaten sogar Jahren ergeben gilt es zu meistern. Wir müssen jetzt gemeinsam innovativer sein. Wir müssen da oder dort den gewohnten Rahmen verlassen und das bisher undenkbare denken. Die Kramsacher Gespräche waren stets ein gutes Umfeld für neue Überlegungen zum Wohle aller. Daher wird diese Tagung auch sobald als möglich in der geplanten Form stattfinden,“ kündigt abschließend Bödenauer an.

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