SOS-Kinderdorf: Der Druck muss raus - Erholung für Familien!

Zum Tag der Familie appelliert SOS-Kinderdorf an die Politik: Corona zeigt, Familien brauchen dringend mehr Unterstützung und bessere Rahmenbedingungen.

Wien (OTS) - "Offenbar ist der Politik nicht bewusst, was Kinder und ihre Familien in den letzten Wochen alles geleistet haben und welche Konsequenzen eine anhaltende Überforderung der Familien für die Gesellschaft noch haben wird", warnt SOS-Kinderdorf-Geschäftsführer Christian Moser anlässlich des Tages der Familie am 15. Mai. "Es gibt wohl keinen Gesellschaftsbereich, dem in der Krise so wenig Beachtung geschenkt wurde, wie Kindern und Familien. Wenn jetzt tausende Familien zerbrechen, Kinder in ihrer Entwicklung gehemmt und Frauen aus dem Arbeitsmarkt gedrängt werden – dann hat das teure Folgen für uns alle", so Moser, der sofortige Maßnahmen zur Entlastung von Familien fordert.

Schon vor der Corona-Krise fühlten sich einer von SOS-Kinderdorf beauftragten Studie zufolge 88% der Familien unter Druck. „Es ist davon auszugehen, dass sich die Situation weiter verschärft hat. Home schooling und distance learning sind wohl in keiner Familie ohne Probleme abgelaufen. Kommen dazu noch finanzielle Sorgen, wegen Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit, bedeutet das eine enorme Belastung für die ganze Familie."
Und weiter: "Auch in dieser Krise hat sich gezeigt: Nicht alle Familien sind und waren von den Maßnahmen gleich betroffen. Die Ungleichheit in unserer Gesellschaft verschärft sich in Zeiten wie diesen. Kinder, die in armutsbetroffenen Familien aufwachsen, mit wenig Platz und wenig Unterstützungsmöglichkeiten von zu Hause, sind zusätzlich unter Druck geraten.“

Jetzt sei die Politik gefordert: „Ja, es gibt den Härtefonds, aber abgesehen von dieser kleinen finanziellen Hilfe wurden die Familien mit dem riesigen Paket an Herausforderungen allein gelassen. Das war und ist nicht in Ordnung,“ kritisiert Moser. „Als Kinderschutzorganisation werden wir nicht müde darauf hinzuweisen, dass das Wohlergehen von allen Kindern und Jugendlichen in Österreich bei politischen Entscheidungen mitbedacht werden muss.“

SOS-Kinderdorf schlägt gleich mehrere Maßnahmen vor, um Kinder und Familien zu entlasten:

Vereinbarung von Erwerbs- und Betreuungsarbeit

"Klar ist, eine der größten Herausforderungen ist es, Erwerbsarbeit und Betreuungsarbeit zu verbinden. Die Corona-Zeit hat dieses Spannungsfeld nochmals enorm vergrößert. In vielen Familien mussten zur Betreuung der Kinder Urlaubstage verwendet werden, die während der Sommerferien fehlen werden. Da muss sich die Regierung unbedingt etwas überlegen. Wir fordern den prinzipiellen Anspruch auf eine vierwöchige Betreuungskarenz für Eltern schulpflichtiger Kinder", erklärt Moser.

Auch sei völlig unverständlich, dass Betreuungspflichten von MitarbeiterInnen nicht als Grund für Kurzarbeit gelten. "Viele Menschen wurden unfreiwillig in Kurzarbeit geschickt. Andere würden eine vorübergehende Arbeitszeitreduktion dringend brauchen – ihnen bleibt nur der mit einem hohen Risiko verbundene Umstieg auf Teilzeitarbeit. Das ist nicht fair", so Moser.

Kinderarmut bekämpfen

Über 300.000 Kinder in Österreich galten schon vor Corona als armutsgefährdet. "In vielen Familien musste schon immer streng kalkuliert werden, um über die Runden zu kommen. Unvorhergesehene Ausgaben werden da schnell zur Krise. Jetzt ist bei vielen Familien plötzlich das Einkommen geschrumpft. Der Härtefonds kann diese Einbußen nur leicht abfedern. In vielen Familien werden materielle Bedürfnisse – gerade auch die der Kinder – auf der Strecke bleiben", zeigt sich Moser besorgt.

Erholung schaffen

Moser geht davon aus, dass sich viele Familien heuer keinen Erholungsurlaub leisten werden können. "Nach den ganzen Strapazen dieser Wochen und Monate wäre es für viele Familien enorm wichtig, einmal durchatmen zu können. Ein paar Tage in der Natur, bei guter Luft, in einer anderen Umgebung, das täte gut. Es wäre schön, wenn der Bund, vielleicht in Kooperation mit den Ländern sich überlegt, ob es hier nicht eine Corona-Sommer-Ferienaktion braucht. Gerade Familien, die es sich nicht leisten können, bräuchten so eine Erholung dringend, um wieder Kraft und Mut zu schöpfen“, erklärt Moser abschließend.

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