Corona trifft internationale Freiwilligeneinsätze: WeltWegWeiser-Netzwerk hält zusammen

202 Freiwillige innerhalb weniger Tage zurückgeholt: In Corona-Krise bewährt sich Notfallmanagement des Netzwerkes für Auslandseinsätze auf beeindruckende Weise

Wien (OTS) - Binnen weniger Stunden überschlugen sich Mitte März die Ereignisse: Nicht abschätzbare Entwicklungen in Österreich und den Einsatzländern – sowohl auf gesundheitlicher als auch behördlicher Ebene – mögliche Grenzschließungen, Ungewissheit und Unsicherheit unter allen Beteiligten forderten schnelle Entscheidungen. Es folgte eine einzigartige Rückholaktion.

Was Entsendeorganisationen und Freiwillige in den vergangenen Wochen geleistet haben, verdient großen Respekt: Innerhalb von wenigen Tagen wurden 202 VolontärInnen aus 21 Ländern in einem enormen Kraftakt schnellstmöglich und sicher nach Österreich zurückgebracht. Die für die Entsendeorganisationen entstandenen Sachkosten für diese Rückholaktion betragen 220.000 Euro, wobei die unzähligen zusätzlichen Personalstunden nicht eingerechnet sind.

Der Verein VOLONTARIAT bewegt - eine Initiative von Jugend Eine Welt und den Salesianern Don Boscos - hat beispielsweise 30 VolontärInnen mehr oder weniger über Nacht zurückgeholt. Dass diese Situation alles andere als einfach war und für alle Beteiligten physisch wie emotional extrem belastend, weiß Geschäftsführerin Julia Nösterer: „Innerhalb von 48 Stunden haben wir unsere Freiwilligen, deren Eltern und unsere Partnerinnen und Partner in den Einsatzländern informiert, parallel Flüge gebucht und alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit unsere Volontärinnen und Volontäre sicher nach Österreich zurückkehren können. Manche Länder haben quasi direkt hinter ihnen die Grenzen geschlossen. Für die jungen Menschen war und ist dieser drastische Abbruch schwer zu fassen. Dennoch sind wir heute froh, dass wir so schnell reagiert haben. Die Sicherheit unserer Freiwilligen hat oberste Priorität.“

WeltWegWeiser als Austausch-Plattform in der Krise

Austausch und Vernetzung sind im WeltWegWeiser-Netzwerk grundsätzlich von zentraler Bedeutung. Doch die vergangenen Wochen beweisen, wie sehr die Organisationen vor allem in Notlagen zusammenhalten: „In Krisensituationen ist gute Kommunikation wichtiger denn je. Deswegen organisieren wir seit dem Beginn der Corona-Krise wöchentliche virtuelle Meetings, in denen Entsendeorganisationen aktuelle Herausforderungen besprechen. Aber auch für die Freiwilligen ist der Austausch untereinander gerade jetzt von großer Bedeutung. Wir haben deshalb alle Bildungsangebote in interaktive Online-Seminare umgestaltet. Wir wollen die Volontärinnen und Volontäre nach ihrer verfrühten Rückkehr jetzt auf keinen Fall im Stich lassen“, betont Reinhard Heiserer, Geschäftsführer von Jugend Eine Welt, dem Trägerverein der Servicestelle WeltWegWeiser.

„Die Ausbreitung des Coronavirus hat die Welt und uns alle vor eine enorme Herausforderung gestellt. In einer auf mehreren Ebenen belastenden Situation rasch und umsichtig zu handeln, war besonders zu Beginn der Krise das Gebot der Stunde. Es ist dem unermüdlichen Einsatz aller Entsendeorganisationen zu verdanken, dass 202 Freiwillige sicher nach Hause zurückkehren konnten. Die Servicestelle WeltWegWeiser hat sich in dieser Ausnahmesituation besonders bewährt und einen wichtigen Beitrag zum schnellen und professionellen Krisenmanagement geleistet. Auch wenn die Rückholaktion das vorzeitige Ende ihres Einsatzes im Ausland bedeutet, sind wir unheimlich froh und dankbar, die Freiwilligen wohlauf in Österreich zu wissen“, so Martin Ledolter, Geschäftsführer der Austrian Development Agency. Die Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit fördert WeltWegWeiser mit jährlich 240.000 Euro.

Freiwillige nach dem Abbruch: Zwischen Unsicherheit und Motivation

Für viele junge Menschen ist es unmittelbar nach der Matura bzw. dem Schulabschluss ihr wichtigstes Projekt: das bevorstehende Volontariat. Monatelang bereiten sie sich gemeinsam mit ihrer Entsendeorganisation intensiv auf den Einsatz vor. Dem Tag, an dem es endlich losgeht – in ein unbekanntes Land in Asien, Lateinamerika, Afrika oder Europa – wird mit nervöser Vorfreude entgegengefiebert. Ein Freiwilligeneinsatz bedeutet: raus aus dem gewohnten Alltag, raus aus der Komfortzone, hinein in die neue Umgebung, Erfahrung, Kultur. Freiwillige tauchen in eine neue Lebensrealität ein, überwinden Herausforderungen und schließen neue Freundschaften. Wenn dann der Einsatz völlig unvorhergesehen abgebrochen werden muss und es weder die Zeit noch die Chance gibt, sich entsprechend vom neuen Leben und den neu gewonnen Freundschaften zu verabschieden, kann das für einen jungen Menschen belastend sein. Die Unterstützung durch die vertraute Entsendeorganisation ist deswegen in solchen Fällen besonders wichtig.

Thomas Payer, der mit der Organisation Internationale Freiwilligeneinsätze CÖ gGmbH auf Einsatz war, beschreibt: „Anfang August 2019 machte ich mich für meinen Zivilersatzdienst auf den Weg nach Kambodscha. 12 Monate hätte mein Einsatz dauern sollen. Durch meine Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung habe ich vor Ort viele innige Freundschaften geknüpft. Die Entscheidung, während der Corona-Krise nach Österreich zurückzukehren, fiel dann recht schnell, nachdem mich meine Entsendeorganisation durchgehend unterstützte und über die aktuelle Lage in Österreich informierte.“ Seit seiner Rückkehr arbeitet der Niederösterreicher nun freiwillig im sozialen Supermarkt Soma in Krems. „In Zeiten wie diesen, in denen jede helfende Hand zählt, bin ich froh, dass ich über das Netzwerk der Caritas Österreich eine Möglichkeit gefunden habe, mich weiterhin auf sinnvolle Weise sozial zu engagieren“, so Payer.

Eines steht fest: Alle Freiwilligen, denen es möglich ist, möchten sich weiterhin sozial engagieren. Sie wollen damit besonders in der jetzigen Krisensituation ihren Beitrag für eine gerechtere Welt leisten. Gleichzeitig ist für viele VolontärInnen und Entsendeorganisationen eine der wichtigsten Fragen, die unter den Nägeln brennt, die folgende: „(Wann) geht es wieder zurück ins Einsatzland?“ Aber diese Frage bleibt wohl noch länger unbeantwortet.

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WeltWegWeiser – Servicestelle für internationale Freiwilligeneinsätze
Sophia Stanger, Projektleiterin
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