Bausachverständige: Ursula W. Schrott ist FEMtech-Expertin des Monats

Wien (OTS) - Ursula W. Schrott ist unsere FEMtech-Expertin des Monats Mai. Die gebürtige Oberösterreicherin bietet als selbstständige Unternehmerin Sachverständigenleistungen im Bauwesen und dort vor allem Gutachten im Business-to-Business Bereich für Firmen und Behörden. FEMtech ist eine Initiative des Förderprogramms Talente des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK), welches seit 2005 Auszeichnungen vornimmt, um die Leistungen von Frauen im Forschungs- und Technologiebereich besser sichtbar zu machen. ****

„Ich erstelle Gutachten über das gesamte Bauwesen“, so Ursula W. Schrott, die in allen relevanten Branchen dieser Zunft - vom Ziviltechnikerbüro, über die Praxis in Klein- und Großprojekten auf Bauherrenseite und auch in der herstellenden Industrie - gearbeitet hat und auf diese reiche Erfahrung nun in ihrer Sachverständigenarbeit zurückgreifen kann. Dort erstellt sie sowohl Beweissicherungen und Befundaufnahmen als auch Gutachten für Firmen und Behörden. Ihr Fokus richtet sich auf Bauschäden und Baumängel. Primär handelt es sich dabei um Örtliche Bauaufsicht, um Planungen, Projektsteuerung, Grundstücksauswertungen oder Projektentwicklungen im Immobilienbereich.

Schrott studierte Architektur an den Technischen Universitäten Wien und Sevilla. Heute würde sie nach eigenem Bekunden einen anderen Studienweg einschlagen, über ihre damalige Studienwahl sagt sie: „Nach der Schulzeit an der Handelsakademie hatte ich das Bedürfnis, etwas ganz Anderes als Wirtschaft zu studieren und meinen Horizont zu erweitern.“ Ein Werk über die Architektur der Renaissance und die darin ausgebreitete Idee des universellen Architekten habe sie nachhaltig fasziniert. „Ich war damals unendlich idealistisch unterwegs, heute würde ich eine derartige Entscheidung so nicht mehr treffen. Das Studium ist spannend und man bildet sich tatsächlich sehr umfassend, aber im Rückblick wäre mit dem jetzigen Berufsumfeld ein Studium des Bauingenieurwesens oder der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften ratsamer.“

Um den immens wichtigen Rechtsfragen beim Bauen angemessen begegnen und als Schnittstelle von Architektur, Technik und Recht agieren zu können, hat Schrott sich auch am Juridicum weiterbilden lassen. „Vor allem große Bauprojekte kommen ohne spezialisierte JuristInnen und RechtsanwältInnen als Unterstützung nicht mehr aus.“ Auch Schrott kam durch die berufliche Praxis damit immer mehr in Kontakt, was großes Interesse für juristische Fragestellungen weckte. „Das Erarbeiten von Lösungsstrategien in der Zusammenschau von technischen und juristischen Fragestellungen in komplizierten und komplexen Fällen liebe ich.“

Zur Situation der Frauen in ihrem Beruf stellt sie fest: „Es gibt sehr wenige Frauen in diesem Bereich, noch weniger selbständige. Von den wenigen höre ich aber nur Gutes, da diese im Allgemeinen sehr sorgfältig und genau arbeiten.“ Wichtig sei es laut Schrott daher ganz allgemein, dass Eltern und Lehrkräfte auch Mädchen frühzeitig vermitteln, dass eine technische Ausbildung eine hervorragende Investition in die Zukunft ist. „Technische Berufe werden nicht weniger, im Gegenteil, sie werden mehr und werden heute und in Zukunft besser bezahlt werden als die stereotypischen Frauenberufe.“

Neben ihrer Arbeit als Unternehmerin ist Schrott zudem stellvertretende Vorsitzende des interdisziplinären Ausschusses für Sachverständige der Kammer der Ziviltechnikerinnen für Wien, Niederösterreich und das Burgenland. „Die ZiviltechnikerInnen sind von Gesetzes wegen Sachverständige, werden jedoch in der Öffentlichkeit weniger wahrgenommen als die Gerichtssachverständigen. Unser Ziel ist es, die ZiviltechnikerInnen zum Beispiel bei Gerichten oder Verwaltungsbehörden, als Sachverständige mit hoher Expertise bekannter zu machen und auch kammerintern für die Mitglieder Weiterbildungen zu konzipieren“, so Schrott über diese ehrenamtliche Tätigkeit.

In Österreich hat das Sachverständigenwesen und auch die Institution der ZiviltechnikerInnnen eine lange Tradition. Die Wurzeln reichen bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zurück, wo sich zunächst im lombardisch-venezianischen Königreich die periti agrimensori für Vermessungswesen und Grundschätzungen, die architetti civili für den Hochbau sowie die ingegneri civili, die sich auch mit dem Wasserbau befassen durften, etablierten. Mit den Reformen der Staatsverwaltung im 19. Jahrhundert wurden ZiviltechnikerInnen auch in Österreich zur Entlastung der öffentlichen Verwaltung als Verwaltungshelfer herangezogen. Per Staatsministerialverordnung vom 11. Dezember 1860 wurden schließlich die rechtlichen Grundlagen für die damals als Privattechniker bezeichnete Berufsgruppe geschaffen.

SERVICE: Ein Interview mit der FEMtech-Expertin finden Sie unter https://bit.ly/3dItxZv

Mit der Initiative FEMtech fördert das Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) Frauen in Forschung und Technologie und setzt sich für Chancengleichheit in der industriellen und außeruniversitären Forschung ein.

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Florian Berger
Pressesprecher der Bundesministerin
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