Museen öffnen wieder – mit sorgenvollem Blick in ungewisse Zukünfte

Mit 15. Mai dürfen Museen wieder ihre Türen öffnen – wenn auch mit strengen Hygiene- und Abstandsregeln. Die Museumscommunity freut sich, hat aber auch viele Sorgen.

Graz (OTS) -

Es gibt keine beschwichtigenden Worte für die aktuelle Situation, in die die österreichische Museumscommunity durch eine Krise geworfen wurde, deren Ende und Auswirkungen wir alle zurzeit noch nicht zur Gänze absehen können. Eine Umfrage der europäischen Museumsorganisation NEMO zeichnet für April folgendes Stimmungsbild unter den österreichischen Museen:

  • 1,5 Mio. € Einnahmenverluste pro Woche
  • 52,5 % fürchten um das Ausbleiben von Drittmitteln
  • 37,6 % befürchten, auf Dauer Personal reduzieren zu müssen
  • 26,4 % fürchten um das Ausbleiben von öffentlichen Fördergeldern
  • 17,6 % machen sich auf lange Sicht Sorgen über den Weiterbestand ihres Museen

Was nicht nur Museen, sondern der gesamte Kulturbereich in dieser Situation braucht, ist neben einer sehnsüchtig gewünschten Planungssicherheit, vor allem aber die politische Zusicherung, den Wert von Kultur und die Arbeit von Kulturschaffenden anzuerkennen und den Bestand und die Vielfalt der österreichischen Museums- und Kulturlandschaft und deren Akteurinnen wie Akteuren langfristig finanziell abzusichern.

Viele Probleme, auf die wir teilweise bereits seit Jahren hinweisen und über die wir uns auch selbst hinweg geschummelt haben, hat die Krise schonungslos offengelegt: beispielsweise die prekären Beschäftigungsverhältnisse vieler Kunst- und Kulturvermittler/innen, die immer stärkere wirtschaftliche Abhängigkeit von Großteils touristisch generierten Einnahmen etlicher Museen oder die Messung institutioneller Qualität einzig anhand der Besuchszahlen.

Die Krise hat auch deutlich sichtbar gemacht, wie viele Arbeitsplätze der Kulturbereich generiert und wie viele Auftragnehmer/innen davon abhängig sind, von denen viele bereits seit Wochen ohne Aufträge dastehen (siehe dazu auch unsere Wirkungsanalyse 2018). Für die Kulturpolitik gibt es viel zu tun!

Positiver Nebeneffekt aus der Krise

Einen positiver Nebeneffekt gibt es jedoch, der viel beschworene digitale Museumsraum hat sich in den letzten Wochen stark erweitert. Viele haben die Herausforderung als Chance angenommen und mutig Projekte in Angriff genommen, meist ohne Aufstockung von Ressourcen:

  • 48,8 % haben ihre Aktivitäten in digitalen Raum erweitert
  • 69,6 % haben ihre Aktivitäten in den Sozialen Medien erweitert
  • nur 12 % konnten dafür das Budget aufstocken
  • kein teilnehmendes Museum engagierte dafür zusätzliches Personal

Es wäre wünschenswert, dass der digitale Museumsraum kreativ und offen bleibt und dass die digitale Reichweite wie der digitale Museumsbesuch auch seitens der Kulturpolitik als solcher gesehen wird.
Für den seit langem versprochenen Fördercall zu digitalen Projekten wäre jetzt der richtige Zeitpunkt!

Österreichweite Museumskarte – ein lohnendes Zukunftsprojekt

Museen stellen einen wichtigen Beitrag zur regionalen Identität dar. Sie vermitteln gesellschaftliche Werte und bieten Impulse, sich mit anderen Realitäten auseinanderzusetzen. Sie stärken den sozialen Zusammenhalt, indem sie verschiedene Bevölkerungssegmente in ihre Programmatik berücksichtigen und zusammenbringen.

Gerade in Krisenzeiten wie diesen ist die heimische Museumsszene eine wichtige Anlaufstelle. Als kultureller Nahversorger sind sie öffentlicher Ort, der genutzt werden kann und will: zur Erholung, zur Erbauung, zur Horizonterweiterung, zum Perspektivenwechsel, zum Lernen uvm.

Der diesjährige Museumssommer sollte für die Kulturpolitik Anlass sein, die Einführung einer österreichweiten Museumskarte ernsthaft zu prüfen. Dass 90 % der Käufer/innen der Bundesmuseumscard aus Österreich stammen, zeigt das grundsätzliche Potenzial einer solchen Karte.

Das Beispiel der finnischen Kolleginnen und Kollegen ist ein gutes Vorbild: Die finnischen Museen verzeichnen seit der Einführung insgesamt einen Besucher/innenzuwachs von 32 %.

Auch hier kann die Krise eine Chance sein, ein gutes Projekt endlich anzugehen.

Wolfgang Muchitsch, Präsident

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