Anderl: Nachfrage nach Pflegekräften jetzt gezielt abdecken

Pflegeausbildungen attraktiver machen und finanziell absichern

Wien (OTS) - „Die aktuelle Krise hat uns eindringlich vor Augen geführt, wie wichtig es ist, ausreichend Pflegekräfte zu haben“, sagt AK Präsidentin Renate Anderl. Schon vor der Corona-Krise war klar:
Wir werden in Zukunft noch viel mehr Pflegekräfte brauchen – bis 2030 fehlen laut Prognosen rund 76.000 Pflegekräfte zusätzlich. „Krisenbedingt sind wir jetzt mit einer extrem hohen Arbeitslosigkeit konfrontiert, deren Bekämpfung oberste Priorität hat. Wir müssen jetzt die Gelegenheit nutzen, um die Nachfrage nach Arbeitskräften im Pflegebereich gezielt abzudecken.“

Anderl sieht dafür zwei vordringliche Aufgaben: „Wir brauchen erstens gut ausgebaute Wege in die Pflege durch attraktive Ausbildungen, Umschulungen oder Weiterbildung. Zweitens braucht es gute Arbeitsbedingungen, damit die Wege nicht gleich wieder aus den Pflegeberufen hinausführen. Wir müssen die Berufsfelder in der Pflege attraktiv machen – für NeueinsteigerInnen, für Wieder- und QuereinsteigerInnen.“

Kostenlose Ausbildung – Ausbildungssystem auf neue Beine stellen In den Pflegeberufen gab es immer schon einen großen Anteil an QuereinsteigerInnen. Angesichts der prekären Lage auf dem Arbeitsmarkt sollten gerade jetzt Menschen ermutigt werden, diesen Schritt zu machen. Dafür brauchen sie die Gewissheit, dass sie während der Ausbildung auch gut über die Runden kommen.

Dazu kommt, dass die Ausbildung von Pflege- und Betreuungskräften in manchen Bundesländern bzw. bei manchen Trägern etwas kostet, bei manchen gibt es Taschengeld und bei anderen gar nichts. Hier braucht es dringend eine einheitliche Regelung und die kann nur heißen: Eine Ausbildung im Gesundheits- und Pflegebereich darf nichts kosten, im Gegenteil: Sie muss was bringen. Nämlich eine ausreichende finanzielle Absicherung während der Ausbildung und eine angemessene Entlohnung während der Praktika.

Anderl: „Menschen, die diesen Berufsweg wählen, sind auf kostenfreie Ausbildungen, aber auch auf ein Fachkräftestipendium angewiesen, damit sie sich die Ausbildung zum neuen Beruf leisten können. Hier sind Mittel der aktiven Arbeitsmarktpolitik massiv gefragt.“

AK-Pflegepaket
Die finanzielle Absicherung der Pflegeausbildungen ist unumgänglich. Die AK hat dazu ein Maßnahmenpaket:

+ 100 Millionen unbefristet für das Fachkräftestipendium und Öffnung für tertiäre Ausbildungen im Pflegebereich, mehr Mittel für Pflege-und Gesundheitsberufe durch das AMS und mittelfristig ein Recht auf Weiterbildung durch ein Qualifizierungsgeld einführen. Denn man muss während der Ausbildung auch gut leben können.

+ Selbsterhalterstipendium nicht mit dem 35. Lebensjahr begrenzen, damit auch WiedereinsteigerInnen der Bildungsweg Richtung Fachhochschulen und Universitäten offensteht.

+ Jobgarantie „Chance 45“: Schaffung dauerhaft öffentlich geförderter zusätzlicher Arbeitsplätze auf kommunaler Ebene bzw. in für Kommunen tätigen gemeinnützigen Unternehmen zur Unterstützung pflegender Angehöriger und zur Betreuung älterer BürgerInnen.

+ Studiengebühren für FH Gesundheitsberufe abschaffen, um den Ein-und Umstieg in eine Ausbildung zu attraktiveren.

+ Existenzsichernde Absicherung: Angesichts konkurrierender Ausbildungsangebote, wie etwa die Polizeiausbildung, bei der man im ersten Ausbildungsjahr brutto 1.740,- Euro verdient (Stand 2020), muss auch an der finanziellen Schraube gedreht werden.

+ Und nicht zuletzt muss der Zugang zur Bachelor-Ausbildung an der FH deutlich durchlässiger werden als bisher. Dazu braucht es Angebote für berufsbegleitende Ausbildung zum Bachelor Gesundheits- und Krankenpflege an der Fachhochschule und eine verkürzte Ausbildung zum Bachelor Gesundheits- und Krankenpflege für Pflegeassistenz und Pflegefachassistenz.

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