Auftakt des „Universum“-Zweiteilers „Unbekanntes Madagaskar“

Teil 1: „Im Dschungel der Lemuren“ am 12. Mai um 20.15 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) - „Der achte Kontinent“ – das ist der klingende Beiname für eine der größten Inseln der Erde: Madagaskar. Seit rund 90 Millionen Jahren haben sich hier, isoliert von äußeren Einflüssen, Tausende Tier- und Pflanzenarten entwickelt, die weltweit nur auf dieser mächtigen Landmasse im Indischen Ozean zu finden sind. Die zweiteilige „Universum“-Dokumentation „Unbekanntes Madagaskar“ von Thomas Behrend (ORF-Bearbeitung: Doris Hochmayr) zeigt am Dienstag, dem 12. und 19. Mai 2020, jeweils um 20.15 Uhr in ORF 2 bekannte, aber auch weniger geläufige Besonderheiten dieser überbordenden Artenvielfalt. Der erste Teil „Im Dschungel der Lemuren“ widmet sich den tierischen Bewohnern des feuchtwarmen Regenwaldes im Osten der Insel: Hier turnen Dutzende Lemuren-Arten in den Baumkronen, wie etwa die sagenumwobenen Indris. Schlangen, die Ästen täuschend ähnlich sehen, liegen auf der Lauer und die igelartigen Streifentenreks „morsen“ mit Hilfe ihrer Rückenstacheln, um im Dickicht Kontakt zu halten.

Madagaskar zählt zu den sogenannten „alten Inseln“ der Erde. Bereits vor etwa 90 Millionen Jahren wurde sie vom indischen Subkontinent abgetrennt und liegt seither im Indischen Ozean vor der Ostküste Afrikas. Bis vor rund 2.500 Jahren war die viertgrößte Insel des Planeten vom Menschen unbewohnt. Ein bewaldetes Paradies, in dem sich Pflanzen und Tiere völlig ungestört entwickeln konnten. Rund drei Viertel aller Arten sind endemisch. Deshalb gilt Madagaskar als Megadiversitätsland, von denen es weltweit nur 17 gibt.

Während der Westen von trockenen, heißen Savannen bestimmt ist, wartet der Osten der Insel mit feuchtwarmen Regenwäldern auf. Sie sind die Heimat der Lemuren – Halbaffen, die es nur auf Madagaskar gibt. Die größten unter den etwa 100 verschiedenen Arten sind die Indris. Frühmorgens dringen ihre Rufe durch die Baumkronen. Jede Familie steckt so akustisch ihr Revier ab, bevor sie sich auf ausgedehnte Futtersuche begibt. Die Blätter des Dschungels sind meist wenig nahrhaft, weswegen die Indris nur bestimmte Futterpflanzen wählen. Und die müssen erst gefunden werden. Bei den Indris haben die Weibchen das Sagen. Sie wählen einen Partner fürs Leben, mit dem sie sesshaft in einem Revier ihre Jungen großziehen. Gelegentlich suchen fremde Weibchen, die noch keinen Partner gefunden haben, Anschluss bei solchen Familien. Wer bleiben darf, entscheidet die Clan-Chefin. Denn jeder zusätzliche Esser belastet die Versorgungssicherheit im eigenen Revier.

Indris bewohnen die Baumkronen und begegnen ihren Nachbarn am Fuße der dicken Stämme so gut wie nie. Hier unten leben zum Beispiel die Streifentenreks, eine kleine endemische Säugetierart, die dem Igel ähnelt. Streifentenreks fressen pro Tag so viel wie sie selbst wiegen. Hauptsächlich sammeln sie Regenwürmer, die es im feuchten Waldboden im Überfluss gibt. Da die Jungen sehr bald selbst jagen, gehen sie leicht verloren. Doch junge Tenreks sind für den Notfall bestens gerüstet: Sie erzeugen mit ihren Rückenstacheln bestimmte Geräuschfolgen. Der „Morsealarm“ erreicht die Mutter, die ebenfalls akustische Zeichen sendet, bis der kleine Ausreißer zur Familie zurückgefunden hat.

Schier unsichtbar bewegt sich das größte Chamäleon der Welt durchs Geäst. Stattliche 70 Zentimeter Körperlänge sind für das Parsons-Chamäleon kein Handicap bei der Insektenjagd. Seine langsamen Bewegungen machen das große Tier in der üppigen Vegetation förmlich „unsichtbar“. Tarnkünste dieser Dimension werden nur noch von der Blattnasennatter übertroffen. Um nicht aufzufallen, folgt die bleistiftdünne Schlange exakt den Krümmungen der Äste, auf denen sie sich fortbewegt. Verlängerte Schuppen am Kopf lassen das Haupt der Schlange wie ein schmales Blatt aussehen. Ein lebendiger Ast – mit großem Appetit.

Die enorme Vielfalt der endemischen Fauna und Flora Madagaskars ist heute stark bedroht. Die jahrzehntelange wirtschaftliche Not der Bevölkerung hat tiefe Spuren im exotischen Paradies hinterlassen. Von den ursprünglichen Waldbeständen sind nur noch rund zehn Prozent erhalten. Mit jedem neuen Feld, jeder Brandrodung und jeder neuen Siedlung schwindet der Jahrtausende alte Dschungel der Lemuren unwiederbringlich – und mit ihm all seine einzigartigen Bewohner.

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