Verhindern wir einen Backlash!

Karl-Renner-Institut und SPÖ-Frauen luden gestern im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Frauenleben in und nach der Krise“ zum zweiten Videogespräch

Wien (OTS/SK) - „Im Homeoffice zurück in die Vergangenheit?“ Diese Frage diskutierten gestern die Ökonomin Katharina Mader und die ÖGB-Vizevorsitzende und Vorsitzende der SPÖ-Bundesratsfraktion Korinna Schumann. Das Videogespräch fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Frauenleben in und nach der Krise“ statt, die eine Kooperation des Karl-Renner-Instituts und der SPÖ-Frauen ist. „Die Corona-Krise verstärkt die Sichtbarkeit von Ungleichheiten, macht aber auch neue Möglichkeiten und Alternativen denkbar“, so SPÖ-Bundesfrauengeschäftsführerin Andrea Brunner in ihrer Moderation. „In dieser Veranstaltungsreihe diskutieren wir interdisziplinär mit WissenschafterInnen aus unterschiedlichen Bereichen und mit Politikerinnen“, so Brunner. ****

Mader: Krise darf nicht zulasten der Frauen gehen!

Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Arbeit im Homeoffice sowie zur unbezahlten Arbeit standen im Mittelpunkt des Inputs von Katharina Mader, Assistenzprofessorin für Ökonomie im Department für Volkswirtschaftslehre an der WU Wien. Eine aktuelle Studie und Umfrage der Wirtschaftsuniversität Wien zu den Belastungen durch die Corona-Krise ist derzeit in Ausarbeitung. „Aus früheren Studien wissen wir, dass Homeoffice für Eltern keinen Freizeitgewinn bedeutet“, erklärte Mader. Im Schnitt machen Mütter eine Stunde mehr unbezahlte Arbeit, bei Männern sind keine Veränderungen messbar. Aus der letzten Zeitverwendungsstudie aus dem Jahr 2008/09 geht hervor, dass Frauen und Männer in Österreich 9,5 Milliarden Stunden bezahlte Erwerbsarbeit und 9 Milliarden unbezahlte Arbeit verrichten. Zwei Drittel der unbezahlten Arbeit leisten Frauen. Allerdings sind hier neue Daten unbedingt notwendig.

In der Corona-Krise hat sich das Volumen der unbezahlten Arbeit massiv erhöht. Kinderbetreuung und Pflege, aber auch Zusatzleistungen im Haushalt wie Reinigungsarbeiten, stehen nur eingeschränkt zur Verfügung. Aus einer Studie aus dem Jahr 2019 geht hervor, dass in der Vergangenheit ein Drittel der Kinder unter 14 Jahren einmal am Tag Zeit mit den Großeltern verbracht hat. Diese wichtige Unterstützung für die Familien fällt derzeit komplett weg. All diese Erfahrungen legen nahe, dass die Belastungen für Frauen enorm gestiegen sind.

Als wichtige Vorbedingung für eine bessere Verteilung der bezahlten und unbezahlten Arbeit nannte Mader Arbeitszeitverkürzung. Dies müsse unbedingt mit Sensibilisierungsmaßnahmen - wie die Halbe-Halbe Kampagne in den neunziger Jahren - einhergehen. Nur mit feministischem Widerstand könne verhindert werden, dass Frauen die Krise alleine schultern müssen und auch in der Zukunft unter den Folgen leiden werden. Mader mahnte in diesem Zusammenhang auch einen kritischen Umgang mit Begriffen wie Frauen als „Heldinnen“, und „soziale Airbags“ ein.

Schumann: Branchen, in denen mehrheitlich Frauen beschäftigt sind, finanziell besser bewerten

„Wir wissen, dass Frauen mit ihrer Arbeitsleistung den Staat und die Gesellschaft am Laufen gehalten haben“, erklärte Korinna Schumann. 70 Prozent der Personen in systemrelevanten Berufen sind Frauen. Da braucht es jetzt eine finanzielle Anerkennung. Ein erster Schritt sei der vom ÖGB geforderte Corona-Tausender. Notwendig sei zukünftig und mittelfristig aber eine Neubewertung von Arbeit. Auch die Gestaltung der Arbeitsbedingungen und des ArbeitnehmerInnenschutzes müsse eine zentrale Rolle spielen, so Schumann.

„Was mir Sorge bereitet, ist, dass die Doppel- und Dreifachbelastung von Frauen von der Regierung bisher viel zu wenig beachtet wurde. Gerade auch die Probleme der Alleinerzieherinnen müssen stärker in den Fokus rücken“, so Schumann. Als zentrale Forderungen für die Zukunft nannte Schumann einen kollektivvertraglichen Mindestlohn von 1.700 Euro steuerfrei, eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes auf 70 Prozent, einen raschen Ausbau der Kinderbetreuung sowie Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich. Es braucht jetzt dringend Job- und Qualifikationsoffensiven, besonders auch für Frauen. Denn Frauen dürfen nicht durch die Auswirkungen der Krise aus dem Arbeitsmarkt gedrängt werden. All das sei dringend notwendig, um nach der Krise nicht in einen Spardiskurs zu verfallen und um mit Optimismus in die Zukunft schauen zu können.

Ein Video der Veranstaltung finden Sie hier:
https://tinyurl.com/y6u5j87l (Schluss) eb

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