Corona: „Wir brauchen nicht nur Impfstoff gegen das Virus, sondern auch Rezepte gegen Armut und Arbeitslosigkeit“

Landau: "Rekordarbeitslosigkeit braucht Rekordverantwortung". Caritas fordert Solidaritätsmilliarde, mehr Mittel für aktive Arbeitsmarktpolitik und Erhöhung der Ausgleichszulage.

Wien (OTS) - Im Vorfeld des internationalen Tags der Arbeit appelliert Caritas Präsident Michael Landau in einer Aussendung an die Politik, weitere Maßnahmen gegen Armut und Arbeitslosigkeit vorzulegen: „Wir erleben in diesen Tagen die höchste Arbeitslosigkeit seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Knapp 560.000 Menschen sind betroffen. Die Gesundheitskrise von heute darf nicht zur sozialen Krise von morgen werden. Wissenschaftler auf der ganzen Welt fahnden derzeit mit Hochdruck nach einem Impfstoff gegen das Corona-Virus. Meine Bitte an die Politik lautet, hier mit derselben Energie Maßnahmen gegen steigende Armut und Arbeitslosigkeit zu entwickeln. Wir müssen den sozialen Lockdown unseres Landes verhindern, sonst erkennen wir unser Land morgen nicht wieder.“ Landau zollt der Bundesregierung für deren Krisenmanagement durchaus Respekt. „Ein Blick auf die Infektionsstatistik macht deutlich: Die Verantwortlichen unseres Landes haben in der Krise Vieles richtig gemacht. “Ein Blick auf die Statistiken des AMS mache aber gleichzeitig deutlich: „Ein großer Teil der Arbeit liegt noch vor uns. Bund und Ländern muss es gemeinsam gelingen, möglichst viele Menschen rasch wieder in Beschäftigung zu bringen. Rekordarbeitslosigkeit erfordert Rekordverantwortung.“ Positiv sieht Landau jüngste Maßnahmen der Regierung im Bereich der Notstandshilfe oder des Familienhärtefonds. „Auch das Instrument der Kurzarbeit hilft dabei, möglichst unbeschadet durch diese Krise zu gelangen“. Doch die Caritas nehme an vielen Orten des Landes wahr, dass weitere Schritte notwendig sind, um die sozialen Folgen der Krise in den Griff zu bekommen. „Egal, ob in den 36 Sozialberatungsstellen in ganz Österreich oder ob bei den Lebensmittel-Notausgabestellen in den mehreren Bundesländern: An all diesen Orten stoßen wir auf Menschen, die schon vor der Krise in der Krise waren, aber auch auf immer mehr Männer und Frauen, die plötzlich neu in Not geraten sind und etwa ihren Job oder als Selbständige ihre Aufträge verloren haben. Menschen, die es nie für möglich gehalten haben, dass sie jemals auf die Hilfe der Caritas angewiesen sein würden.“

Die Caritas geht davon aus, dass die soziale Ungleichheit in Folge der Pandemie zunehmen wird: „Die Krise macht jene noch ärmer, die es schon davor waren. Und sie schafft auch neue Armut bei all jenen Menschen, die von heute auf morgen ihre Arbeit verloren haben. Wer vorher schon schwer einen Job gefunden hat, wird es nach der Krise noch schwerer haben. Jeder siebente, der über maximal einen Pflichtschulabschluss verfügt, wurde einer Umfrage zufolge im ersten Monat nach Ausbruch der Krise arbeitslos.“

„Solidaritätsmilliarde für Menschen in Not “

Konkret appelliert Landau an die Verantwortlichen der Bundesregierung, nun nicht nur milliardenschwere Hilfsfonds für die Wirtschaft bereit-, sondern auch weitere Hilfe für jene Menschen sicherzustellen, die von der Krise besonders betroffen sind. „Die milliardenschwere Hilfe für die Wirtschaft ist richtig und wichtig. Ebenso wichtig wäre es jetzt auch, eine Solidaritätsmilliarde für Menschen in Not in unserem Land zu garantieren. Denn wer Armut und Arbeitslosigkeit bekämpft, der lindert Not, Krankheit, Ausgrenzung und Schamgefühl.“

„Mehr Mittel für aktive Arbeitsmarktpolitik und Anreizsystem für Unternehmen“

Geht es nach der Caritas müssten die Mittel für aktive Arbeitsmarktpolitik nun massiv ausgeweitet werden. „Um hier flexibel, rasch und effektiv reagieren zu können, braucht es eine Stärkung des AMS und die finanzielle Zusicherung für eine aktive Arbeitsmarktpolitik für den Wiederaufbau und das Hochfahren des Arbeitsmarktes, aber auch über die Zeit der akuten Krise hinaus.“ Konkret fordert die Caritas ein Anreizsystem für Unternehmen, die Menschen den Wiedereinstieg ins Arbeitsleben ermöglichen, speziell auch jenen Personengruppen, die am Arbeitsmarkt oft benachteiligt sind. Dies könnte über einen Beschäftigungsscheck abgewickelt werden. Die arbeitslose Person könnte einen Scheck mit der Summe eines durchschnittlichen Jahresarbeitslosengeldes bekommen, das es persönlich bei einem Unternehmen einlöst. Sollte das Dienstverhältnis vorzeitig beendet werden, kann der Restbetrag des nicht verbrauchten Förderbetrages bei einem anderen Unternehmen eingelöst werden.

„Armutsfesten Sozialstaat: Ausgleichszulage auf 1.000 Euro anheben“

Soziale Leistungen sowie Versicherungsleistungen sollten auf ihre „Armutsfestigkeit“ hin überprüft werden. Landau: „Es braucht eine Nachschärfung der sozialen Leistungen. Wir raten etwa dringend, die Ausgleichszulage auf 1.000 Euro zu erhöhen. Eine solche Erhöhung hilft arbeitslosen Menschen ebenso wie Mindestsicherungsbeziehern, Mindestpensionisten und Alleinerziehenden. Das soziale Netz muss auf seine Lücken geprüft werden, damit kein Mensch zurückgelassen wird und ein Abrutschen in bittere Armut aktiv verhindert werden kann.“

Caritas im Einsatz für arbeitslose Menschen

Zuletzt konnte die Caritas etwa 1.500 Arbeitsplätze für langzeitbeschäftigungslose Menschen in über 100 Projekten in ganz Österreich anbieten. Die Vermittlungsquote auf den ersten Arbeitsmarkt lag bei bis zu 62 Prozent. Landau: „Als Caritas haben wir seit drei Jahrzehnten Expertise im Kampf gegen Arbeitslosigkeit. Wir wollen diese Expertise anbieten in einer Zeit, in der sie noch mehr gebraucht wird. Suchen wir gemeinsam nach Lösungen, um der größte Arbeitslosigkeit nach 1946 entschieden entgegenzutreten.“

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