Hebein/Ellensohn: Tiefe Trauer über Tod von Richard Wadani

Wien (OTS) - Mit tiefer Trauer haben heute Vizebürgermeisterin Birgit Hebein sowie Klubobmann David Ellensohn von den Grünen Wien auf den Tod von Richard Wadani reagiert. Richard Wadani ist gestern Abend im Alter von 97 Jahren verstorben.

„Richard Wadani war unermüdlicher Kämpfer für die Anerkennung der Rechte der Deserteure der Wehrmacht. Er war selbst Deserteur und ein aufrechter Antifaschist, der Generationen von Menschen inspiriert hat, tagtäglich für unsere Demokratie einzustehen. Richard war ein Freund und Lehrer, den ich sehr vermissen werde. Meine Gedanken sind bei Linde, seiner Frau und seiner Familie“, so Vizebürgermeisterin Birgit Hebein.

„Richard war schon 79 als er mir bei unserem ersten Treffen seine Idee eines Denkmals für Deserteure der Wehrmacht ans Herz gelegt hat. Und dann hat er mich immer und immer wieder angetrieben. So behalte ich Richard Wadani in Erinnerung: ein aufrechter, zielstrebiger Mensch, der niemals aufgab und jeden Tag kämpfte. Danke Richard“, so der Klubobmann der Grünen Wien, David Ellensohn.

In der Nacht vom 15. auf den 16. Oktober 1944 desertierte Richard Wadani in der Nähe von Aachen aus der Wehrmacht. Er verließ gegen drei Uhr früh seinen Wachposten, ließ seine Waffen zurück, überquerte das verminte Niemandsland zwischen den großdeutschen und den alliierten Streitkräften und ergab sich der US Army. Bis Ende 1945 diente er in der Zweiten Tschechischen Brigade der britischen Armee.

Richard Wadani hat – im Gegensatz zu zehntausenden „Fahnenflüchtigen“ – überlebt. Der Zweiten Republik, die den Wehrmachtsdeserteuren wenig wohlwollend gegenüberstand, war er ein beständiger Stachel im Fleisch. Und was Richard Wadani – mit seiner Beharrlichkeit und unterstützt vom Personenkomitee „Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz“ – gegen mitunter massive politische Widerstände erreicht hat, kann sich sehen lassen:

  • 2005 beschloss der österreichische Nationalrat das Anerkennungsgesetz,
  • 2009 beschloss der österreichische Nationalrat des Aufhebungs- und Rehabilitationsgesetz,
  • 2010 beschloss die erste rot-grüne Wiener Stadtregierung die Errichtung eines Denkmals für die Verfolgten der NS-Militärjustiz und
  • 2014 wurde dieses Denkmal am Ballhausplatz vom damaligen Bundespräsidenten Heinz Fischer feierlich seiner Bestimmung übergeben.

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