Mobile und stationäre Pflege sind neuralgischer Punkt, um Pandemie weiter erfolgreich einzudämmen

Diakonie fordert, Langzeitpflege mehr in den Blick zu nehmen

Wien / Bundesländer (OTS) - Neben der 24h-Betreuung, die aktuell im Zentrum der Wahrnehmung steht, müsse die mobile und stationäre Pflege verstärkt in den Blick genommen werden, fordert die Direktorin der Diakonie Österreich, Maria Katharina Moser. Während 25.000 PflegegeldbezieherInnen 24h-Betreuung in Anspruch nehmen, sind es bei den mobilen Diensten 153.000 und in der stationären Pflege 95.000.

„Die mobile und stationäre Pflege ist ein neuralgischer Punkt, auf den wir achten müssen, um die Corona-Pandemie weiterhin erfolgreich einzudämmen, wenn wir nach Ostern schrittweise beginnen, das gesellschaftliche Leben wieder hochzufahren“, erklärt die Diakonie-Direktorin und appelliert an Bund und Länder, die entsprechenden Maßnahmen rasch voranzutreiben.

Zwar komme die Ausstattung der Langzeitpflege mit Schutzbekleidung langsam in Fahrt, einzelne Pflegeeinrichtungen hätten welche bekommen, aber die Situation sei regional und bundesländermäßig sehr unterschiedlich und „von Versorgungssicherheit weit entfernt“, so Moser.

„Bei Verdachts- oder Erkrankungsfällen kommen viele Einrichtungen mit den vorhandenen FFP-Masken bzw. Schutzausrüstungen eine, maximal zwei Wochen aus. Auch einfacher Mund-Nasen-Schutz ist vielerorts immer noch Mangelware. Manche Einrichtungen behelfen sich, indem sie selbst OP-Masken und Schutzmäntel nähen.“ Dringend nötig für effektive Prävention sind auch Corona-Tests. Im Falle eines positiven Tests müssten alle MitarbeiterInnen und BewohnerInnen täglich getestet werden, sagt Moser und weist darauf hin, dass „Länder wie Singapur oder Südchorea, die erfolgreich waren bei der Eindämmung der Infektionsrate, genau diese Maßnahmen gesetzt haben“.

Langzeitpflege muss im Fokus des Risikomanagements stehen

Die insgesamt 460.000 PflegegeldbezieherInnen in Österreich sind eine Höchstrisikogruppe. Sie haben im Vergleich zu den unter 50jährigen ein 50- bis 80-fach erhöhtes Risiko zu versterben, und die Wahrscheinlichkeit, dass sie ein Krankenhausbett oder intensivmedizinische Versorgung brauchen, ist 100 bis 1.000-fach höher. „Damit steht und fällt die Frage der Überlastung des Gesundheitssystems mit dem Risikomanagement in der Langzeitpflege“, betont Moser.

Nach Ostern wird der Blick auf weitere Fragen zu werfen sein, die im Zusammenhang mit der Pflege wichtig sind:

Neben der Zahl der Intensivbetten und Beatmungsgeräte muss auch die palliative Versorgung gesehen werden. Auch wenn diese Frage erschreckend klingt, ist sie essenziell, und wir müssen fragen: Haben wir ausreichend Palliativbetten, Schmerzmittel, PalliativärztInnen und Hospizbegleitung?

Außerdem werden nach Ostern größere Herausforderungen auf die mobile Pflege zukommen, da hier an vielen Orten – auch auf Anweisung der Länder als Zuständigen – Leistungen reduziert und auf das aller Notwendigste konzentriert wurden, damit mobile Pflegekräfte die Infektion nicht quasi von Haus zu Haus tragen. Vieles andere (wie etwa Köperpflege) haben Angehörige übernommen, die jetzt an die Grenzen ihrer Kräfte kommen.

Nach Ostern muss mit Blick vor allem auch auf die psychosozialen Folgen der Maßnahmen überlegt werden, die Unterstützungsleistungen wieder auszuweiten. Diese Folgen der Kontakt-Minimierung betreffen in sehr starkem Maß auch Menschen mit Demenz: „Soziale Kontakte, Beziehungen, Berührungen und auch Bewegung sind für Menschen mit Demenz ein Lebenselixier. Bei manchen Bewohnern und Bewohnerinnen müssen wir feststellen, dass sich ihre Demenz durch den verminderten Kontakt verschlechtert, sie verwirrter, agitierter sind, schwerer zur Ruhe kommen“, so die Diakonie Direktorin.

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