Leitartikel "Hoffentlich nur kurze Schocktherapie" vom 2.4.2020 von Alois Vahrner

Innsbruck (OTS) - Die Wirtschaft steht wie das soziale Leben seit über zwei Wochen vielfach still, Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit explodieren in bisher nie dagewesenem Ausmaß und Tempo. Zu lange darf das künstliche Koma nicht dauern.

Von Alois Vahrner
Die Welt steht und bleibt wohl noch länger im Bann der Corona-Krise. In den meisten Ländern steht der Höhepunkt der Pandemie leider erst bevor. Das gilt auch für Österreich, das vergleichsweise früh bis vor Kurzem wohl allen hier im Land unvorstellbar massive Eingriffe ins soziale und wirtschaftliche Leben vorgenommen hat. Ein nötiger Versuch, das Gesundheitssystem nicht an der sonst explosionsartigen Virus-Ausbreitung kollabieren zu lassen – mit einer dann drohenden enormen Zahl an Todesopfern.
Die Bevölkerung macht mit sehr, sehr großer Mehrheit bei den Maßnahmen mit, das Ausmaß an Solidarität untereinander, besonders auch für Hilfsbedürftige, ist vielfach sensationell groß.
Der von der Regierung unter Bundeskanzler Sebastian Kurz verordnete „Notbetrieb“ ist auch eine in dieser Form noch nie dagewesene Operation am offenen Herzen der Wirtschaft, die in weiten Bereichen in eine Art künstlichen Koma-Zustand versetzt wurde. Mit zweistelligen Milliarden-Beträgen aus dem Budget, um einen Kollaps zu verhindern. Wann denn die von unzähligen Betrieben dringend herbeigesehnte Aufwachphase eingeleitet wird, in welchen Bereichen zuerst und mit welchem Tempo, wird sich erst in den kommenden Wochen nach Ostern klarer zeigen – wohl immer abhängig vom Verlauf der Corona-Infektionszahlen.
Es sind jedenfalls enorme Opfer, die Unternehmer und Beschäftigte durch den Shutdown bereits jetzt zu tragen haben. Je kürzer der momentane Ausnahmezustand aufrechterhalten bleiben muss, umso geringer werden vor allem auch die dauerhaften Schäden (und die wird es geben) ausfallen.
Experten befürchten trotz der gewaltigen Staatshilfen eine kräftige Zunahme bei den Unternehmenspleiten. Bereits viel kurzfristiger hat sich das abrupte Niederfahren der Wirtschaft bei den Arbeitslosenzahlen ausgewirkt. Drei Jahre lang (in Tirol noch um einiges länger) ist die Arbeitslosigkeit ständig geschrumpft, jetzt ist die Zahl innerhalb von zweieinhalb Wochen um etwa 170.000 oder über 50 Prozent auf in der 2. Republik noch nie dagewesene 563.000 explodiert. Dazu sind bereits über 250.000 in Kurzarbeit, Tendenz da wie dort deutlich steigend. Wenn alles gut geht und die Wirtschaft wenigstens in einigen Wochen wieder langsam auf normale Bahnen gestellt werden kann, könnte sich auch die Beschäftigungslage laut Wifo in absehbarer Zeit wieder normalisieren – und die Konjunktur von tiefer Rezession in einen kräftigen Aufschwung drehen. Das Prinzip Hoffnung auf dieses Szenario lebt.

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