TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel vom 22.März 2020 von Max Ischia - „Warum das IOC immer noch auf Zeit spielt“

Innsbruck (OTS) - Die Absage der Olympischen Spiele in Tokio ist alternativlos. Und das Coronavirus ist nicht das Einzige, was die Gemüter erhitzt.

Wer einem Milliarden-Unternehmen wie dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) vorsteht, der lässt sich rhetorisch nicht so schnell ins Bockshorn jagen. Wenn also IOC-Präsident Thomas Bach meint, die Absage der Olympischen Sommerspiele in Tokio (24. Juli bis 9. August) wäre „die am wenigsten faire Lösung“ und würde „den olympischen Traum von 11.000 Athleten aus 206 Nationalen Olympischen Komitees und dem IOC-Flüchtlings­team zerstören“, dann ist dem Deutschen nicht so leicht zu widersprechen.
Aber mal ehrlich: Die Frage Absage oder nicht stellt sich doch angesichts der sich global ausbreitenden Virus-Pandemie längst nicht mehr. Sie ist schlichtweg alternativlos. Das weiß Bach. Das wissen die japanischen Organisatoren. Das weiß die ganze Welt. Dennoch wird auf Zeit gespielt. Schließlich gilt es Möglichkeiten auszuloten, ob der Megaevent in der Megacity auf 2021 oder 2022 verschoben werden kann. Dabei geht es auch bzw. insbesondere ums Geld. Die Tokio-Spiele sind offiziell mit 11,3 Milliarden (!) Euro budgetiert. Die knapp 25 Millionen, welche die Verlegung des Marathons von Tokio nach Sapporo ausmachen soll, sind nicht miteingerechnet.
Derweil wächst die Kritik an der Hinhaltetaktik des IOC. Und nicht selten wird dabei die Geisel Doping ins Treffen geführt. Da dieser Tage wesentliche Anti-Doping-Maßnahmen außer Kraft gesetzt sind, verschwindet der Glaube an saubere Spiele. Ein Glaube, der ohnedies nur in einer Wunschwelt existiert.

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