Im Schatten der Corona-Krise gerät der Ethikunterricht zunehmend in kirchlichen Würgegriff

Indessen schmettern Grüne Entschließungsantrag für einen gemeinsamen Ethikunterricht ab

Wien (OTS) - Während die breite Öffentlichkeit mit der Corona-Krise im Allgemeinen und der geplanten Schließung von Universitäten und Schulen im Speziellen beschäftigt ist, werden Meilensteine gesetzt, die den Einfluss der Religionsgemeinschaften – und insbesondere der Katholischen Kirche – auf den Ethikunterricht nachhaltig sichern sollen. So wurde erst am Montag bekanntgegeben, dass die Uni Innsbruck der Forderung der Regierung, einen diskriminierenden Zwangs-Ethikunterricht ausschließlich für SchülerInnen, die keinen Religionsunterricht besuchen, einzuführen, mit der Einrichtung eines entsprechenden Lehramtstudiums folgen wird. Bezeichnenderweise wird das Projekt von der Katholisch-Theologischen Fakultät koordiniert und als Studiendekanin wurde die Expertin für Katholische Katechetik Martina Kraml eingesetzt. „Es vergeht kaum kein Tag, ohne dass der Ethikunterricht im Auftrag der Regierung tiefer in den Würgegriff der Religionsgemeinschaften – und insbesondere der Katholischen Kirche – gerät. Erst letzte Woche haben Bildungsminister Faßmann und die Katholische Bischofskonferenz eine gemeinsame Propagandaveranstaltung für das diskriminierende Ethikunterrichtsmodell abgehalten und nun wird bekannt, dass die Katholische Kirche über den Umweg ihrer eigenen Fakultät für die Ausbildung der EthiklehrerInnen in Tirol verantwortlich sein wird. Da wundert es kaum, dass Bildungsminister Faßmann sich gestern (Mi.) nicht entblödet hat dem Unterrichtsausschuss auszurichten, dass die ‚Vorzeichen für die Einführung des diskriminierenden Ethikunterrichtes gut stünden‘ da die Gespräche mit den Religionsgemeinschaften ‚positiv verlaufen seien‘“, meint Volksbegehren-Sprecher Eytan Reif. Dass die Grünen gemeinsam mit der ÖVP einen Entschließungsantrag der SPÖ für einen gemeinsamen, nichtdiskriminierenden Ethikunterricht abgeschmettert haben, wertet Reif als „zynischen Verrat der jahrelang selbst geprägten Grundprinzipien sowie als Beweis dafür, dass Grüne Parlamentarier letztendlich kritikbefreite Parteisoldaten sind“.

Von einer schleichenden Unterwanderung des Ethikunterrichtes durch die Kirche im benachbarten Vorarlberg berichtet auch Dr. Gerhard Pušnik, Ethiklehrer und Vorsitzender des Fachausschusses AHS: „Die PH Vorarlberg startete im Herbst 2019 einen berufsbegleitenden Ethik-Lehrgang, gleichzeitig richtete auch die Kirchliche-Pädagogische-Hochschule Edith Stein in Feldkirch einen parallelen Lehrgang zur Ausbildung von Ethik-LehrerInnen ein. Von KollegInnen, die nun einen dieser Lehrgänge absolvieren, konnte ich erfahren, dass einzelne AHS-Direktoren gezielt ReligionslehrerInnen gedrängt haben, diese Ausbildung jetzt zu machen. Mein Protest bei der Bildungsdirektion für Vorarlberg gegen dieses Vorgehen wurde mit der knappen Auskunft ‚das ist Sache der PH‘ zurückgewiesen. Der in Vorarlberg bisher geltende Konsens, wonach ReligionslehrerInnen nicht auch Ethik unterrichten sollen, dürfte jetzt begraben sein“. Brisant ist für Pušnik insbesondere die Tatsache, dass diese „Tendenz der kirchlichen Übernahme des Ethikunterrichtes nicht nur in Vorarlberg zu beobachten ist“ und dass damit „die diskriminierende Variante des Ethikunterrichts ausschließlich als Pflichtersatz für Religionsverweigerer ins Absurde gesteigert wird.“

Rückfragen & Kontakt:

Volksbegehren "Ethik für ALLE!"
office@ethikfueralle.at
+43-664-4614146
www.ethikfueralle.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | REL0001