arbeit plus Vorsitzende Manuela Vollmann: Wir brauchen einen umfassenden Arbeitsbegriff

Zum Internationalen Frauentag veröffentlicht arbeit plus ein Themenpapier zur Situation von Frauen am Erwerbsarbeitsmarkt

Nur mit einem umfassenden Arbeitsbegriff ist es möglich, über deren Neubewertung und Umverteilung zu reden. Und das ist dringend notwendig
Manuela Vollmann
Wir müssen auch Lebens- und Arbeitsentwürfe abseits von tradierten Rollenbildern ermöglichen. Hier ist nicht nur die Politik gefordert, sondern auch die Wirtschaft, (Soziale) Unternehmen und wir alle.
Manuela Vollmann
Arbeitsmarktpolitik muss sich diesen neuen Realitäten anpassen. Es braucht neue Modelle sozialstaatlicher Absicherung und eine innovative Arbeitszeitpolitik, die es ermöglicht, Erwerbsarbeitszeit nach individuellen Bedürfnissen und Verpflichtungen flexibler über die Lebensphasen hinweg zu verteilen
Manuela Vollmann
von einem gleichberechtigten Arbeitsmarkt profitieren wir schließlich alle
Manuela Vollmann

Wien (OTS) - Frauen sind am Arbeitsmarkt strukturell benachteiligt. Das wird nicht zuletzt an den zahlreichen „Gaps“ deutlich, auf die rund um den Frauentag wiederholt aufmerksam gemacht wird: Der Gender Pay Gap, der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern, betrug gemessen an Bruttostundenlöhnen in Österreich zuletzt knapp 20 Prozent. Der Gender Pension Gap, also der durchschnittliche Unterschied in den Bezügen von Alterspensionen, macht mehr als 50% aus. Der Gender Time Gap zeigt, dass Frauen etwa 22% weniger bezahlte Wochenarbeitsstunden leisten als Männer – denn sie übernehmen nach wie vor einen Großteil der unbezahlten und unsichtbaren Sorgearbeit.

Im neuen Themenpapier geht arbeit plus anhand von Statistiken und Beispielen auf die ungleiche Situation von Frauen am Erwerbsarbeitsmarkt ein und setzt auf knapp 40 Seiten zahlreiche Impulse für eine gendergerechte Arbeitsmarktpolitik.

Eine wichtige Maßnahme um der strukturellen Benachteiligung von Frauen entgegenzuwirken, ist eine neue Definition von „Arbeit“. Denn Arbeit ist um vieles mehr als Erwerbsarbeit: Auch Sorgearbeit innerhalb der Familie oder ehrenamtliches Engagement sind Arbeit. Dafür braucht es mehr Wertschätzung.

Nur mit einem umfassenden Arbeitsbegriff ist es möglich, über deren Neubewertung und Umverteilung zu reden. Und das ist dringend notwendig, so Manuela Vollmann, Vorstandsvorsitzende von arbeit plus, dem Netzwerk Sozialer Unternehmen in Österreich.

Wir müssen auch Lebens- und Arbeitsentwürfe abseits von tradierten Rollenbildern ermöglichen. Hier ist nicht nur die Politik gefordert, sondern auch die Wirtschaft, (Soziale) Unternehmen und wir alle.

Unternehmen sind aufgerufen, gleichstellungsfördernde Maßnahmen umzusetzen: Frauenquoten, Einkommenstransparenz und Mentoringprogramme tragen zum Durchbrechen der „gläsernen Decke“ bei. Die Sozialen Unternehmen im Netzwerk von arbeit plus setzen viele dieser Ideen in ihrer täglichen Arbeit bereits um. Einige dieser Good Practices werden im arbeit plus Themenpapier vor den Vorhang geholt und zeigen, wie Gleichstellung - etwa durch Erweiterung des Berufsorientierungsspektrums - gelebt werden kann.

Der Arbeitsmarkt ist im Wandel: Die herkömmliche „Normalerwerbsbiographie“, d.h. unbefristete Vollzeitbeschäftigung über ein ganzes Erwerbsleben hinweg, wird immer mehr zur Ausnahme - prekäre Beschäftigung, Befristungen und Teilzeit zur Norm. Das betrifft vor allem Frauen. Zuletzt waren in Österreich 34% aller Arbeitnehmer*innen atypisch beschäftigt. Bei den Frauen waren es mehr als 50%.

Arbeitsmarktpolitik muss sich diesen neuen Realitäten anpassen. Es braucht neue Modelle sozialstaatlicher Absicherung und eine innovative Arbeitszeitpolitik, die es ermöglicht, Erwerbsarbeitszeit nach individuellen Bedürfnissen und Verpflichtungen flexibler über die Lebensphasen hinweg zu verteilen, argumentiert Vollmann.

Zum Kampftag für Frauenrechte gibt es also auch 2020 noch viel zu tun. Soziale Unternehmen bieten bereits lösungsorientierte Ansätze, die es in der Breite zu verfolgen gilt – denn von einem gleichberechtigten Arbeitsmarkt profitieren wir schließlich alle, unterstreicht Vollmann den Forderungskatalog das arbeit plus Themenpapiers Frauen am Erwerbsarbeitsmarkt.

Rückfragen & Kontakt:

Martina Könighofer
Öffentlichkeitsarbeit
arbeit plus - Soziale Unternehmen Österreich
martina.koenighofer@arbeitplus.at
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