Leitartikel "Das letzte Aufflackern" vom 28.02.2020 von Wolfgang Sablatnig

Innsbruck (OTS) - Heinz-Christian Strache probiert es noch einmal in der Politik. Er kann auf einen harten Kern von Anhängern zählen, die ihm noch immer die Treue halten. Sein Bürgermeister-Duell aber ist Teil einer Schmierenkomödie.
Von Wolfgang Sablatnig
Es braucht nicht viel, um den Auftritt von Heinz-Christian Strache am Aschermittwoch zusammenzufassen: „Ich“, „mit Euch“, „Falle“, „Hindernisse“, „Aufstehen“, „Unrecht“, „Bürgerbewegung“. Zur Abrundung fehlt noch, was nicht vorkam: „Ibiza“, „Video“, „Par­teispenden“. Glücklich ist, wer vergisst.
Strache ist zurück. Er will „Geschichte schreiben“. Das wollten schon viele. In jüngerer Vergangenheit etwa Frank Stron­ach, der eine Truppe von Glücksrittern kaufte, Millionen investierte und (in der Politik) dennoch kläglich scheiterte.
So stand Strache also in der Wiener Prateralm. Die festliche Halle in Ried musste er seinen früheren Freunden von der FPÖ überlassen. Er muss es kleiner geben. Auf der Bühne statt einer großen Videowall nur das handgestrickte Logo der „Allianz für Österreich“. Statt einer Kapelle spielten nur drei Musikanten mit Skihüttenschlagern auf: „Das ist Wahnsinn. Du spielst mit meinen Gefühlen.“
Was Strache sagte, hätte auch Norbert Hofer sagen können. Freiheit für Autofahrer und Raucher, die Verbote der Grünen, die fehlende Handschlagqualität der Türkisen. Und erst die EU! Die Verwechslung nimmt ihren Lauf. Freunde des britischen Humors denken an die Volksfront von Judäa und die Judäische Volksfront.
Von der Prateralm aus startet Strache seinen Angriff auf das Wiener Rathaus. Aktuelle Umfragen lassen erwarten, dass er mit seiner Gruppe zumindest den Einzug in den Gemeinderat schafft. Er gibt sich damit aber nicht zufrieden und ruft das Duell um das Amt des Bürgermeisters aus.
Strache war Chef der mächtigsten Oppositionspartei, Vizekanzler, Gottseibeiuns des roten und schwarzen Establishments. Dann hat er alles verspielt. Das Bürgermeister-Duell lässt ihn den früheren Glanz noch einmal ahnen. Noch einmal flackert sein politisches Talent auf. Was Strache vergisst: Die Justiz ermittelt, er wollte die Krone und öffentliche Aufträge verscherbeln, für Parteispenden dachte er sich einen Weg am Rechnungshof vorbei aus. Er lebte gut vom Spesentopf der Partei des kleinen Mannes.
Wer sich selber vom Leben verfolgt fühlt, mag mit Strache fühlen und mit ihm gemeinsam in den hinterlistigen Fallenstellern die Verursacher seines Absturzes sehen. Die Wien-Wahl wird zeigen, wie groß der Anteil dieser Vergesslichen ist.
Großes Kino im Wahlkampf gegen seine früheren Freunde ist garantiert. Nein. Es ist eine Schmierenkomödie, dank der Parteienförderung für die Allianz der abtrünnigen Blauen auf Kosten der Steuerzahler.

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