KV-Verhandlungen – Sozialwirtschaft: Arbeitnehmerforderungen bedeuten 18 Prozent Mehrkosten

Arbeitgeberseite sieht Politik in der Pflicht – „Finanziell nicht machbar“

Wien (OTS) - Bei den gestrigen Verhandlungen zum Sozialwirtschafts-KV haben die Gewerkschaften GPA-djp und Vida ihre Vorstellungen für einen vierjährigen Etappenplan zur Arbeitszeitverkürzung konkretisiert. Gefordert wurde die Einführung der 35-Stunden-Woche in zwei Schritten sowie zusätzliche Entgelterhöhungen. Insgesamt würde der Plan Mehrkosten von rund 18 Prozent bedeuten – das sind Mehrkosten von knapp. 4,5 Prozent pro Jahr. „Das ist unter den derzeit vorliegenden Rahmenbedingungen für uns auch finanziell nicht machbar. Wir bekommen Geld von der öffentlichen Hand zur Verfügung gestellt, das ist der Spielraum, den wir haben. Wenn wir darüber hinaus Lösungen finden wollen, braucht es Unterstützung von politischer Seite“, sieht Walter Marschitz, SWÖ-Verhandlungsführer, die Politik in der Pflicht. Zum Vergleich: Vor wenigen Wochen wurden die KV-Verhandlungen in der Energie- und Mineralölwirtschaft jeweils mit Erhöhungen von 2,6 Prozent abgeschlossen. ****

„Wir haben unser Angebot angepasst und gestern eine Erhöhung von 2,7 Prozent jeweils für 2020 und 2021 vorgeschlagen. Das wurde von der Arbeitnehmerseite abgelehnt“ so Marschitz.

Manche der – auch aus Arbeitgebersicht berechtigten – im Zuge der Protestmaßnahmen geäußerten Probleme hängen aber weniger mit dem Kollektivvertrag als mit den sozialpolitischen Rahmenbedingungen zusammen. So hat die Politik -trotz eingehender Warnungen der Pflegeorganisationen- auf die sich seit Jahren abzeichnende Verschärfung der demografischen Situation nicht reagiert. Umfassende Pflegereformen wurden in den letzten Jahren immer verschoben oder sind in den Ansätzen stecken geblieben. Die Ausbildungsplätze in der Pflege sind in den letzten Jahren sogar zurückgegangen obwohl absehbar war, dass derzeit sehr geburtenstarke Jahrgänge ins Pflegealter kommen und damit der Bedarf steigen wird. Die Aufnahmekriterien für die Pflegeheime wurden verschärft (höhere Pflegestufen), gleichzeitig hat man an der zugestandenen und finanzierten Personalausstattung nicht geändert. Ein ähnliches Bild bietet sich auch in anderen Bereichen der sozialen Arbeit, etwa bei der Betreuung von Kinder- und Jugendlichen.

„Wir werden die Zeit bis zu den nächsten Verhandlungen nützen, um die Lage neu zu bewerten und gegebenenfalls auch neue Vorschläge zu machen. Auch die Gewerkschaften werden sich bewegen müssen“, so Marschitz. (Schluss)

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