Mahrer: Gründerrekord stärkt den Wirtschaftsstandort

Die Wirtschaftskammer als Taktgeber des Reformkurses – so präsentierte heute WKÖ-Präsident Harald Mahrer die unternehmerische Interessenvertretung.

Klagenfurt (OTS) - Man habe rechtzeitig vor der nicht allzu rosigen Konjunkturentwicklung gewarnt, die mittlerweile auch von den Prognosen der Wirtschaftsforschungsinstitute bestätigt worden sei, erklärte Mahrer. Umso erfreulicher sei der Exportrekord im vergangenen Jahr mit 154 Mrd. Euro an Waren- und 65 Mrd. Euro an Dienstleistungsexporten sowie die anhaltende Gründerwelle: Trotz des international schwächer werdenden Umfeldes würden sich die Gründer ihren Spirit nicht nehmen lassen und ein starkes Zeichen setzen, betonte Mahrer: „Im vergangenen Jahr haben wir mit 32.386 Neugründungen österreichweit den stärksten Anstieg der Gründungszahlen in den vergangenen zehn Jahren erreicht. Im Jahresvergleich ist das ein starkes Plus von 4,8 Prozent oder 1.485 Unternehmen.“

Besonders erfreulich: Sieben von zehn Neugründungen seien nach fünf Jahren immer noch am Markt erfolgreich tätig. Dieser Unternehmerspirit blüht auch in Kärnten trotz abflauender Konjunktur:
Im vergangenen Jahr wagten hier knapp 1.900 Neugründerinnen und Neugründer den Schritt in die Selbständigkeit. Mahrer: „Das ist nach 2018 mit 1964 Firmengründungen das zweitbeste Ergebnis aller Zeiten. Zum Vergleich: Im Jahr 2017 waren es knapp 1800 Neugründungen. (Anm.:
alle Werte jeweils ohne selbstständige Personenbetreuer). Mahrer:
„Damit setzen unsere Gründer ein starkes Zeichen für den Standort! Mit ein Grund für dieses großartige Ergebnis ist die professionelle Unterstützung durch das Gründerservice der Wirtschaftskammer, das der zentrale Ansprechpartner und One-Stop-Shop in Sachen Gründen ist.“ In Kärnten wurden 2019 rund 5.000 Gründerberatungen durchgeführt (im Jahr zuvor waren es ca. 4900), an Veranstaltungen des Gründerservice haben vergangenes Jahr ca. 1.200 Personen teilgenommen.

Zum richtigen Zeitpunkt und für alle Betriebsgrößen komme daher die erste Etappe der Steuerreform, die auf Drängen Mahrers rechtsformneutral gestaltet worden sei: So würden von der Senkung der Körperschaftssteuer auf 21 Prozent knapp 20 Prozent aller Betriebe profitieren, für andere sei die Erhöhung der Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter (von 400 auf 800, in einem nächsten Schritt sogar auf 1000 Euro) oder die Abschreibung von Arbeitszimmern interessant. Mahrer: „Entlastet werden dabei alle Unternehmensgrößen. Das ist nicht nur eine De-facto-Entlastung für alle, die bereits im Betrieb stehen, sondern auch ein wichtiges Signal für all jene, die den Schritt in die Selbständigkeit wagen möchten.“

Leidenschaftlich verteidigte Mahrer die Aufwertung der Lehre wie die nunmehr geschaffene Gleichstellung des „Meisters“ mit akademischen Titeln: „Das ist kein Gag, sondern eine wichtige Maßnahme, um der Lehre den entsprechenden Stellenwert zu geben.“ Andere Ländern würden reihenweise Delegationen nach Österreich schicken, um das Erfolgsmodell der dualen Ausbildung zu studieren. „Wir haben 2020 zum Jahr der Lehre ausgerufen und holen die Lehre vor den Vorhang und auf die Bühne. Wenn wir unsere Hausaufgaben machen, können wir noch viele neue Zielgruppen von der Lehre begeistern“, betonte Mahrer.

EPU: Chef, Mitarbeiter, Multitalent
Begeistert, allerdings von der wirtschaftlichen Bedeutung der Ein-Personen-Unternehmen, ist auch Carmen Goby, Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Kärnten. Rund 320.000 Ein-Personen-Unternehmen (EPU) waren 2018 in Österreich - 19.000 in Kärnten – Chef, Mitarbeiter und Multitalent in einer Person. Damit sind österreichweit 60 Prozent, in Kärnten 56 Prozent aller Betriebe EPU. Rund die Hälfte davon ist weiblich. Mit dem eigens eingerichteten EPU-Beirat, zahleichen Veranstaltungen wie dem EPU-Symposium oder der EPU-Weihnachtsfeier und auf die speziellen Bedürfnisse der EPU maßgeschneiderten Serviceangeboten würden EPU in Kärnten gezielt abgeholt, erklärte Goby, die auch als Landesvorsitzende von Frau in der Wirtschaft tätig ist.

Eine Studie der KMU-Forschung Austria hat kürzlich mit Vorurteilen aufgeräumt und die wahre Wirtschaftskraft der EPU untersucht. Goby:
„Der Großteil der EPU entscheidet sich bewusst für die Selbständigkeit, um sich in einem erfüllteren Arbeitsleben zu verwirklichen. Für viele Branchen ist das einfach die ideale Unternehmensform.“ So seien EPU stark vom dezidierten und bewussten Wunsch zur Selbständigkeit angetrieben; die wesentlichen Gründungsmotive sind Unabhängigkeit (79 Prozent), Selbstverwirklichung (76 Prozent) und flexiblere Zeiteinteilung (69 Prozent).

Drei Viertel aller EPU üben ihre unternehmerische Tätigkeit hauptberuflich aus, davon 80 Prozent in Voll- und 20 Prozent in Teilzeit. Und das nicht nur innerhalb Österreichs, denn: Für 27 Prozent sind internationale Kontakte auf der Beschaffungsseite relevant, ein Viertel aller EPU erwirtschaftet sogar Umsätze im Export, zeigt die Studie. Die durchschnittliche Branchenerfahrung bei der Gründung beträgt zehn Jahre.

Wertschöpfung wie ein kleines Bundesland
Die Bruttowertschöpfung der EPU beträgt acht Milliarden Euro im Jahr. Das ist vergleichbar mit der Wirtschaftsleistung eines kleineren Bundeslandes. „So kann man sagen, dass diese 60 Prozent der heimischen Unternehmen ein zehntes Bundesland bilden“, hob Goby die volkwirtschaftliche Bedeutung hervor: „Ein wahrer Wachstumsmotor.“ Rund 20 Prozent aller EPU im Jahr 2018 waren sogenannte hybride UnternehmerInnen, also solche, die neben ihrer Selbstständigkeit auch unselbstständig erwerbstätig sind. Der Großteil der hybriden EPU üben ihre Tätigkeiten in unterschiedlichen Berufen aus. Dazu gehören auch die „Silberpreneurs“, die oft im Ruhestand ihr Fachwissen an die junge Generation weitergeben wollen. Goby: „Bei aller Vielfalt der EPU eint sie alle, wie viel Agilität, Fleiß und Herzblut sie in den Wirtschaftsstandort stecken!“

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