„Orientierung“: Bischofsweihe für Josef Marketz in Kärnten

Am 2. Februar um 12.30 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) - Sandra Szabo präsentiert im ORF-Religionsmagazin „Orientierung“ am Sonntag, dem 2. Februar 2020, um 12.30 Uhr in ORF 2 folgende Beiträge:

„Mein Fall“: Autor Josef Haslinger schildert Missbrauch

„Mein Fall“ heißt das jüngste Buch des österreichischen Schriftstellers Josef Haslinger, das dieser Tage veröffentlicht wurde. Er beschreibt darin den Missbrauch, den er als Sängerknabe in den 1960er Jahren im Stift der Zwettler Zisterzienser erlebt hat:
Schläge und Demütigungen durch Patres, aber auch sexuellen Missbrauch, ausgerechnet durch einen Religionslehrer, der sich in einem Klima der Gewalt als Ansprechpartner, Tröster und vermeintlicher Freund angetragen habe. In Ansätzen hat Haslinger das vor rund 50 Jahren Erlebte schon früher zur Sprache gebracht. Mit dem neuen Buch wendet er sich „mit der ganzen Geschichte“ an die Öffentlichkeit. Und er schildert seine sehr kritische Wahrnehmung der sogenannten Klasnic-Kommission, die seit 2010 im Auftrag der Österreichischen Bischofskonferenz tätig ist, um Missbrauchsfälle in katholischen Einrichtungen bzw. verübt durch katholische Geistliche zu dokumentieren und Opfer zu entschädigen. Mit dieser Kommission hatte der Autor in den vergangenen Monaten mehrfach zu tun. Haslingers Buch wirft nicht zuletzt die Frage auf, wie es um den Umgang der katholischen Kirche in Österreich mit dem Phänomen Missbrauch wirklich steht. Die „Orientierung“ hat nachgefragt: auch beim Theologen Wolfgang Treitler, der als Schüler selbst Missbrauchsopfer war, und beim Mitglied der Klasnic-Kommission und ehemaligen Präsidenten des Wiener Jugendgerichtshofs, Udo Jesionek. Bericht: Peter Beringer.

„Keine Einzelschicksale“: Gewalt gegen Menschen mit Behinderung

„Ich habe gesehen, wie Kinder geschlagen wurden, an den Haaren durch den Tagesraum gezogen worden sind, geschrien haben und stundenlang auf der Toilette bleiben mussten …“, so erinnert sich die Wienerin Dorothea Brozek an jene Zeit, die sie im Dr. Adolf-Lorenz-Heim für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen – einem ehemaligen Heim der Stadt Wien – verbracht hat. Es waren keine Einzelfälle, wie auch eine österreichweite Studie über „Gewalt an Menschen mit Behinderungen“ zeigt, die vor wenigen Wochen u. a. vom Sozialministerium präsentiert wurde. Die erhobenen Zahlen können als Alarmzeichen gewertet werden:
Sechs von zehn Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung haben psychische und acht von zehn Menschen aus dieser Gruppe körperliche Gewalt erfahren. Es wäre an der Zeit, der Prävention einen höheren Stellenwert einzuräumen, meint nicht nur Dorothea Brozek, die – neben anderen Opfern von Gewalt im Adolf-Lorenz-Heim – im aktuellen „Orientierung“-Beitrag zu Wort kommt. Bericht: Zoran Dobrić.

„Der Neue“: Bischofsweihe für Josef Marketz in Kärnten

Am kommenden Sonntag wird Josef Marketz zum 66. Bischof der Diözese Gurk-Klagenfurt geweiht. Der bisherige Caritas-Direktor der Diözese wird damit der erste Kärntner Slowene, der dieses Amt bekleidet. Als „Startvorteil“ für den 64-Jährigen mag gelten, dass er die in den vergangenen Monaten in Turbulenzen geratene Diözese bestens kennt. An den mehr oder weniger offen ausgetragenen Auseinandersetzungen rund um seinen Vorgänger Alois Schwarz einerseits und dem Domkapitel unter dem zeitweiligen Diözesanadministrator Engelbert Guggenberger andererseits hat sich Marketz nicht beteiligt. Mit der Rekordzahl an Kirchenaustritten in Kärnten, die mit den Zwistigkeiten in Zusammenhang gebracht werden dürfen, hat Josef Marketz als künftiger Bischof allerdings sehr wohl zu tun. Auch mit gesamtkirchlich relevanten Fragen ist er jetzt schon beschäftigt: Was den Zölibat anbelangt, hat Marketz Offenheit für Reformen erkennen lassen. Frauen in der katholischen Kirche mit einer „sakramentalen Rolle“ auszustatten sei für ihn „in Zukunft“ vorstellbar. Die „Orientierung“ hat Josef Marketz in Bad Eisenkappel – einem oft besuchten Ort seiner Kindheit – bei einem Zusammentreffen mit seiner berühmten Cousine, der Schriftstellerin und Bachmann-Preisträgerin Maja Haderlap, getroffen und ihn in Klagenfurt an einem seiner letzten Tage als Caritas-Direktor begleitet. Bericht: Klaus Ther.

Der ORF überträgt die erste Bischofsweihe im Dom zu Klagenfurt seit 38 Jahren live. Das rund dreistündige kirchliche Großereignis wird ab 14.00 Uhr vom ORF-Landesstudio Kärnten regional in ORF 2 gezeigt (zu hören parallel in Radio Kärnten), bundesweit ist die Zeremonie live und in voller Länge in ORF III mitzuerleben. ORF Kärnten zeigt lokal, um 13.30 Uhr in ORF 2, eine neue, zweisprachige Dokumentation über den 64-jährigen Kärtner Slowenen mit dem Titel „Ein neuer Bischof für Kärnten und die Geschichte der Diözese Gurk“ („Nov škof za Koroško in zgodovina krške škofije“), gestaltet von Waltraud Jäger und Marijan Velik.

Der Kirchenstreit: Politik gegen orthodoxe Kirche in Montenegro

In Montenegro demonstrieren seit Wochen Anhängerinnen und Anhänger der serbisch-orthodoxen Kirche gegen das Religionsgesetz, das das Parlament in der Hauptstadt Podgorica Ende Dezember beschlossen hat. Das Gesetz ersetzt ein altes Gesetz noch aus der Zeit des kommunistischen Jugoslawiens. Der Hintergrund: Montenegro hat etwas mehr als 600.000 Einwohner/innen. Bei der Volkszählung 2011 deklarierten sich 45 Prozent als Montenegriner und 29 Prozent als Serben. Zur christlich-orthodoxen Religion bekannten sich aber 72 Prozent der Bevölkerung. Gemeint ist damit vor allem die Zugehörigkeit zur serbisch-orthodoxen Kirche. Denn die vor vielen Jahren gegründete eigene autokephale montenegrinische Kirche blieb eine Splittergruppe, die bis heute von keiner anderen orthodoxen Kirche anerkannt wird. Gegen das Religionsgesetz demonstrieren somit nicht nur Personen, die sich zur serbischen Volksgruppe bekennen. Anlass für die Proteste sind Bestimmungen über das Kircheneigentum, die Kirchenführung und Gläubige als Versuch einer Enteignung betrachten. So sieht das Gesetz vor, dass Kirchen und Klöster, die vor dem 1. Dezember 1918 im Königreich Montenegro bestanden haben, Eigentum des Staates sein sollen, die Kirche diese Gebäude aber weiter nutzen darf. Dieser Stichtag wurde gewählt, weil im Dezember 1918 – unmittelbar nach dem Ende des Ersten Weltkrieges – Montenegro an Serbien angeschlossen wurde, das damals aus der Konkursmasse der Habsburger-Monarchie das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen bildete. Dieser Staat wurde dann 1929 in Jugoslawien unbenannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt Montenegro im kommunistischen Jugoslawien den Status einer Teilrepublik. Nach dessen blutigem Zerfall verblieb Montenegro zunächst bei Serbien, von dem es sich durch ein Referendum im Jahre 2006 löste. Nach Darstellung der Regierung in Podgorica wurden in den Wirren der 1990er-Jahren auch viele Kirchen und Klöster „unter fragwürdigen Umständen“ im Kataster als Eigentum der serbisch-orthodoxen Kirche eingetragen. Das Religionsgesetz sieht nun eine Frist von einem Jahr vor, um die Eigentumsfragen in einem Verwaltungsverfahren zu klären. Diese Regelung gilt für alle religiösen Gemeinschaften, doch am stärksten betroffen ist die serbisch-orthodoxe Kirche.
Bericht: Christian Wehrschütz.

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