Van der Bellen: Auschwitz zu besuchen, ist nicht leicht - Aber es ist notwendig

Österreichischer Bundespräsident gedenkt anlässlich 75 Jahre Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz aller Opfer

Wien, Auschwitz (OTS) - „Auschwitz zu besuchen, ist nicht leicht. Aber es ist notwendig. Ich empfinde tiefes Entsetzen darüber, was hier im KZ Auschwitz-Birkenau Kindern, Frauen und Männern angetan wurde. 1,1 Millionen Menschen wurden hier ermordet, die meisten davon Jüdinnen und Juden. Auschwitz steht auch für den Völkermord an den Roma und Sinti, für die Ermordung von Homosexuellen, von Menschen mit Behinderungen, politisch Verfolgten, Widerstandskämpfern, Deserteuren, Vertretern der polnischen Intelligenz, von Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion und unzähligen Menschen aus ganz Europa. Auch zehntausende Menschen aus Österreich wurden Opfer der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie“, betont Bundespräsident Alexander Van der Bellen anlässlich seiner Teilnahme an der Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz.

„Ich verbeuge mich heute hier in Demut vor allen Opfern.

Zugleich empfinde ich Scham. Viele Österreicherinnen und Österreicher haben als Täterinnen und Täter, teils an führender Stelle, bei diesen barbarischen Verbrechen mitgewirkt. Allzu viele Landsleute liefen mit, schauten weg, zu wenige leisteten Widerstand.

Österreich ist mitverantwortlich für den Holocaust.

Aus der Trauer um die Gedemütigten, Gequälten, Ermordeten entsteht für uns der Wille und die Verpflichtung, die Erinnerung an sie wachzuhalten. Es ist unser aller Aufgabe, eine Brücke zu bauen. Zwischen den Erfahrungen der Überlebenden des Holocaust und den nachfolgenden Generationen.

Der Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus ist mir persönlich sehr wichtig. Der Antisemitismus und Rassismus der Nationalsozialisten ist nicht vom Himmel gefallen. Er war schon zuvor in der österreichischen Gesellschaft sehr stark präsent. Aus Abwertung von Menschen wurde Ausgrenzung, wurde Entmenschlichung, wurde Ermordung. Der Holocaust war der grausame Höhepunkt.

Es ist daher unser gemeinsamer fester Wille und unsere Pflicht, jedem Aufkeimen von Menschenverachtung, Rassismus und Antisemitismus in der Gegenwart entschieden und kompromisslos entgegenzutreten.

Es ist unser gemeinsamer fester Wille und unsere Pflicht, jeder Herabwürdigung und jedem Angriff auf Minderheiten entschieden entgegenzutreten.

Es ist unser gemeinsamer fester Wille und unsere Pflicht, die Grund-und Freiheitsrechte kompromisslos zu verteidigen. Denn die Menschenwürde ist unteilbar.

Damals begann es damit, dass Menschen, dass Minderheiten diskriminiert, diskreditiert und schließlich entwürdigt wurden. Als dann die Konzentrationslager aufgebaut waren und die Züge in Auschwitz ankamen, war es zu spät.

Wir müssen am Beginn ansetzen.

Wenn Menschen zu Außenseitern gemacht werden - in der Schule, am Arbeitsplatz, am Sportplatz, dann müssen wir gemeinsam eingreifen. Heute.

Wenn Minderheiten angegriffen werden - wegen ihrer Herkunft, ihres Aussehens, einer anderen Sprache - dann müssen wir gemeinsam dagegen auftreten. Da ist Zivilcourage gefragt. Heute.“

Rückfragen & Kontakt:

Österreichische Präsidentschaftskanzlei, Presse und Kommunikation
(++43-1) 53422 230
pressebuero@hofburg.at
http://www.bundespraesident.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | BPK0001