„profil“: Rothschild-Nachfahre geht gerichtlich gegen Wien vor

„profil“: Stadt Wien sei mit Rothschild’schen Stiftung „verfahren, als ob NS-Enteignungsdekrete aufrecht wären“.

Wien (OTS) - Wie das Nachrichtenmagazin „profil“ in seiner aktuell erscheinenden Ausgabe berichtet, geht ein Nachfahre des Wiener Zweiges der Familie Rothschild, der New Yorker Unternehmer Geoffrey R. Hoguet, 69, gerichtlich gegen die Stadt Wien vor. Anlass ist der Umgang der Stadt mit der 1907 eingerichteten Stiftung für Nervenkranke seines Urgroßonkels Nathaniel Freiherr von Rothschild (1836 bis 1905). Die Stiftung errichtete das 1912 eröffnete Krankenhaus Rosenhügel, das bis heute als Neurologisches Zentrum Rosenhügel besteht. Im Eigentum der gemeinnützigen Nathaniel Freiherr von Rothschild’schen Stiftung für Nervenkranke stehen die ursprünglichen Pavillons und diverse Verwaltungsgebäude im geschätzten Wert von 70 Millionen Euro.
Nach der Machtübernahme der Nazis war die Stiftung aufgelöst worden. Bei der Wiederherstellung der Stiftung 1956 wurde nicht wie vor 1938 ein unabhängiges Kuratorium als Verwaltungsorgan eingesetzt sondern der Magistrat der Stadt Wien. Diese Regelung besteht bis heute. Laut einer Eingabe eines von Hoguet beauftragten Rechtsanwalts beim Bezirksgericht Hietzing habe die Stadt Wien sich dadurch „das Stiftungsvermögen unter Verletzung des Stifterwillens treuwidrig zugeeignet, wobei die formell weiterbestehende Rechtspersönlichkeit der Stiftung nur noch eine juristische Hülle ist“. Die Stadt Wien sei im Umgang mit der Stiftung „so verfahren, als ob die nationalsozialistischen Enteignungsdekrete nach wie vor aufrecht wären“.
Im Jahr 2001 verkaufte die vom Magistrat Wien verwaltete Stiftung das zuvor ebenfalls als Spital genutzte Maria-Theresien-Schlössel an die Stadt Wien. Durch eine vom Magistrat genehmigte Statutenänderung im Jahr 2017 könnte das Vermögen im Falle einer Auflösung der Stiftung der Stadt Wien zufallen.
In seinen Anträgen vom November 2019 beim Bezirksgericht Hietzing fordert Rothschild-Nachfahre Hoguet die Abberufung des Magistrates Wien als Stiftungsverwalterin und die Wiedereinsetzung eines unabhängigen Kuratoriums. Die Änderung der Stiftungssatzung 2017 und der Verkauf des Maria-Theresien-Schlössels 2001 sollen für nichtig erklärt werden. Die Verhandlung findet am 20. Februar statt. Die Stadt Wien wird dabei vom früheren SPÖ-Abgeordneten Hannes Jarolim vertreten. Laut Jarolim seien „Vereinbarungen zur Rothschild’schen Stiftung vor Jahrzehnten in größtem Respekt und Einvernehmen und ganz im Sinne des ursprünglichen Stiftungszwecks“ geschlossen worden. Die Argumente der Gegenseite seien nicht haltbar.

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