ÖGJ-Hofer: „Aufwertung der Lehre braucht mehr als Titel und Namensänderungen“

Ausbildung zum Meister muss kostenlos sein – Kinderbetreuung ausweiten statt Teilzeitfalle mit Flexi-Lehre fördern

Wien (OTS) - Dass die Berufsausbildung erneuert und attraktiver gemacht werden soll, ist höchst erfreulich. „Dazu braucht es aber mehr als eine Änderung von Bezeichnungen und die Einführung von Titeln“, kommentiert Susanne Hofer, Vorsitzende der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ), die Novelle zum Berufsausbildungsgesetz. „Wenn wir jetzt schon von Lehrlingseinkommen sprechen, ist es auch höchste Zeit dieses Einkommen kräftig zu erhöhen“, so die Gewerkschafterin, die mindestens 850 Euro im ersten Lehrjahr fordert. „Zur Wertschätzung gehört dann auch dazu, dass Lehrlinge, egal welchen Alters, für Überstunden gleich hoch bezahlt werden“, weist Hofer darauf hin, dass Lehrlinge unter 18 eine geringere Überstundenentlohnung bekommen als Lehrlinge über 18. Laut Lehrlingsmonitor von AK und ÖGB muss immerhin ein Drittel aller Lehrlinge regelmäßig Überstunden machen.

Die Meistertitel mit dem Bachelor gleichzustellen, ist zwar ein guter Schritt in Richtung Wertschätzung. „Die hohen Kosten für die Ausbildung zum Meister sind aber für viele, vor allem junge Menschen, eine hohe finanzielle Belastung“, so Hofer. „Im Sinne der Gleichstellung sollten die Ausbildungskosten für den Meister wie auch für einen Bachelor vom Bund übernommen werden.“

Flexi-Lehre darf nicht zur Teilzeitfalle werden

Die Einführung der Flexi-Lehre sieht Hofer höchst kritisch. Denn eine reduzierte Arbeitszeit bedeutet im Umkehrschluss ein geringeres Lehrlingseinkommen. „Eine junge Mutter mit Teilzeitlehre würde dann länger von einer noch geringeren Lehrlingsentschädigung leben müssen und noch später einen normalen Facharbeiterinnenlohn bekommen“, so Hofer. Halbiert man die Lehrlingsentschädigung etwa im ersten Lehrjahr im Handel, bleiben 350 Euro. „Wer soll davon nur ansatzweise leben können?“, fragt die Gewerkschafterin. Die Regierung muss Rahmenbedingungen schaffen, die es jungen Menschen möglich macht, eine qualitätsvolle Vollzeit-Lehre zu absolvieren, so Hofer. „Anstatt junge Frauen schon in ihrer Ausbildung in die Teilzeitfalle zu drängen, wäre es sinnvoll, Kinderbetreuungseinrichtungen vor allem im ländlichen Raum auszubauen.“

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