NR-Präsident Sobotka: 75. Jahrestags der Befreiung von Auschwitz ist Appell, gesamtgesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen

NR-Präsident besuchte Gedenkstätte im Vorfeld des 75. Jahrestags der Befreiung von Auschwitz-Birkenau

Wien (PK) - Vor 75 Jahren, am 27. Jänner 1945, wurde das Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau befreit. "Das besondere Jubiläum des 75. Jahrestags der Befreiung von Auschwitz ist ein Appell, unsere gesamtgesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen" betont Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka. "Wir müssen uns dem menschenverachtenden Wesen des Nationalsozialismus und der damit verbundenen niederträchtigen Taten immer gewahr sein und tragen die Verantwortung dafür, dass ein solches Schreckgespenst in Österreich, Europa und der Welt nicht mehr Fuß fassen kann."

Im Vorfeld des Jahrestags absolvierte Nationalratspräsident Sobotka einen Besuch in Polen, der ihn auch an die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau führte. Nach der Führung durch die Gedenkstätte, bei er sich auch ein Bild von der Neugestaltung der Österreich-Ausstellung in Block 17 machen konnte, hielt der Nationalratspräsident am Montagnachmittag eine Rede bei der Eröffnung des Symposiums der European Jewish Association. Die von Rabbiner Menachem Margolin geleitete Organisation ist von Brüssel aus in den EU-Mitgliedstaaten aktiv und arbeitet auch mit dem Europäischen Parlament zusammen.

"Wir tragen vor allem eine große Verantwortung kommenden Generationen gegenüber. Es ist unser gemeinsamer Auftrag, ein identitätsstiftendes Narrativ zu etablieren, auf dessen Basis eine gesellschaftliche Widerstandsfähigkeit gedeihen kann, um neuerlich aufkeimenden Antisemitismus und Intoleranz in jeglicher Form entgegenwirken zu können", sagte Nationalratspräsident Sobotka und betonte gleichzeitig, dass es "besonders wichtig ist, Bewusstsein und Sensibilität für diese Thematik genau dort zu schaffen, wo es nachhaltig wirkt: Bei der jungen Generation". Das österreichische Parlament widme sich daher ganz besonders der Pflege und Entwicklung einer angemessenen Gedenkkultur.

Der Nationalratspräsident sprach in diesem Zusammenhang auch die Rolle der Republik Österreich und des österreichischen Parlaments an. "Als Nationalratspräsident ist es meine Aufgabe, antidemokratischen Tendenzen mit klarer Haltung zu begegnen und einen gesamtgesellschaftlich wirksamen Gegenentwurf dazu zu schaffen. Für ein friedliches und gleichberechtigtes Miteinander - in Österreich und Europa".

In Hinblick auf die Bedeutung des Nationalfonds der Republik Österreich wies der Nationalratspräsident darauf hin, dass Österreich sich seiner Täterrolle während der Zeit des Nationalsozialismus gestellt hat, woraus "auch eine besondere historische Verantwortung des Gedenkens an die Millionen von ermordeten Jüdinnen und Juden, aber auch Verantwortung gegenüber ihren Familien und Nachkommen entsteht. Das Parlament hat mit dem Nationalfonds, der vor 25 Jahren eingerichtet wurde, ein Instrument geschaffen, das es uns ermöglicht, dieser Verantwortung heute und in Zukunft nachzukommen."

Das Österreichische Parlament hat neben der Antisemitismusstudie aus 2019, die für eine breitere wissenschaftliche Betrachtung nun alle zwei Jahre wiederholt werden soll, weitere Maßnahmen etabliert, um dieser Verantwortung gerecht zu werden. Von der Thematisierung im Rahmen der im August in Wien stattfindenden IPU-Weltkonferenz der ParlamentspräsidentInnen bis zu Bildungsmaßnahmen für Jugendliche - "Bildung gegen Vorurteile" - werden auch Impulse für gemeinsame Maßnahmen gegen Antisemitismus im Rahmen der Europäischen Union, des Europarates oder der OSZE gesetzt.

Österreich-Ausstellung an der Gedenkstätte KZ Auschwitz-Birkenau wird neu gestaltet

An der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau konnte sich der Nationalratspräsident ein Bild von den Arbeiten zur Neugestaltung der österreichischen Ausstellung machen, die sich dem Schicksal der Österreicherinnen und Österreich widmet, die in den Lagerkomplex Auschwitz deportiert wurden. Von den auf 18.000 bis 20.000 geschätzten Deportierten überlebten nur 1.500.

Die Neugestaltung erfolgt unter besonderen Rahmenbedingungen, da das Gebäude unter strengem Denkmalschutz steht und sich auf der Liste des UNESCO Welterbes befindet.

Auf dem Gelände des ehemaligen NS-Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz in der Stadt Oświęcim wurde 1947 das Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau errichtet. Die Ausstellung der Republik Österreich im ehemaligen Häftlingsblock 17 wurde im März 1978 eröffnet und im Oktober 2013 in Vorbereitung der Neugestaltung geschlossen.

Das neue Ausstellungskonzept "Entfernung. Österreich und Auschwitz" vermittelt den Bruch zwischen Leben und Sterben im KZ- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und außerhalb des Lagers in Österreich. Die Opfer der NS-Verfolgung stehen im Vordergrund, doch wird auch die österreichische Täterschaft und Mittäterschaft thematisiert. (Schluss) sox

HINWEIS: Fotos von diesem Besuch finden Sie auf der Website des Parlaments.


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