mumok: Nachruf auf Oswald Oberhuber

Wien (OTS) - Oswald Oberhuber ist die zentrale Künstlerpersönlichkeit für die Internationalisierung der österreichischen Kunstszene nach 1945. Dies auch deshalb, weil er nicht nur auf sich und sein eigenes Werk geachtet hat, sondern als intellektuelles und organisatorisches Multitalent stets sein kunst-, kultur- und gesellschaftspolitisches Umfeld als Aktionsradius im Blick hatte. Als Künstler, als Galerist, als Professor und Rektor der Universität für angewandte Kunst, als Kurator und unermüdlicher Netzwerker hat er hierzulande die Neoavantgarde mit ihren Idolen, wie etwa Joseph Beuys, bekannt gemacht. Als „Diskurs“ noch kein modischer Begriff war, vermittelte Oberhuber mit Künstlerfreunden und Kunstfachleuten längst Formen künstlerischer Praktiken, die sich gut mit Theorie vertrugen. Dass Kunst jenseits dekorativer abstrakter Behübschung oder symbolistischer Überhöhung auch ein analytisches Werkzeug für kritische Geister sein konnte – für diese Einsicht hat sich hierzulande vor allem er stark gemacht. Sein Nonkonformismus bedeutete einen Befreiungsschlag für die Zeitgenossen und nachfolgenden Generationen von Künstler_innen.

In seiner Arbeit war er selbst immer am Puls der Zeit und wandelte die internationalen Tendenzen auf eine spielerisch persönliche Art und Weise um. Er ging mit seiner Neugierde für Anderes offen um und hat gerade damit – im Rückblick – ein erstaunlich vielfältiges Werk geschaffen, das bis ins hohe Alter voller Esprit und Überraschungen geblieben ist. In der mumok Sammlung nimmt Oberhubers Werk eine wesentliche Rolle ein, die mit und neben den Werken der Wiener Gruppe, der Wiener Aktionisten und der österreichischen Konzeptkunst die internationale Bedeutung der heimischen Szene unter Beweis stellt.

Oberhubers Werk verdeutlicht die Innovationskraft und die Sinnhaftigkeit avantgardischer Kunst in der Zeit nach der Moderne. Davon zeugt auch seine Arbeit in der aktuellen mumok Ausstellung „Im Raum die Zeit lesen“, indem sie jenen offenen und interdisziplinären Geist verkörpert, mit dem dieser Künstler – und die Moderne – vor selbstgefälliger Starre warnten. Mit dem Tod Oberhubers verlieren wir einen offenen und zugleich strengen Denker und Künstler.

Karola Kraus, Rainer Fuchs und das Team des mumok

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