„Orientierung“: Erzbischof Christoph Schönborn wird 75

Außerdem am 19. Jänner um 12.30 Uhr in ORF 2: Ex-Papst gegen Papst? Aufregung rund um Zölibatsdiskussion und Religionstest für Asylwerber

Wien (OTS) - Sandra Szabo präsentiert im ORF-Religionsmagazin „Orientierung“ am Sonntag, dem 19. Jänner 2020, um 12.30 Uhr in ORF 2 folgende Beiträge:

Ex-Papst gegen Papst? Aufregung rund um Zölibatsdiskussion

Aufregung im Vatikan: Der zurückgetretene Papst Benedikt XVI. hat sich eigentlich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, um seinem Nachfolger nicht ins Gehege zu kommen. Nun aber wird er gemeinsam mit Kurienkardinal Robert Sarah als Ko-Autor eines eben veröffentlichten Buches geführt, in dem der Pflichtzölibat für katholische Priester vehement verteidigt wird. Bei der Amazonien-Synode im Vatikan im vergangenen Jahr waren allerdings für sehr entlegene Gebiete am Amazonas vorsichtig Möglichkeiten einer Ausnahmeregelung diskutiert worden. Papst Franziskus wird in absehbarer Zeit ein nachsynodales Schreiben dazu vorlegen und möglicherweise – obwohl auch er als Verteidiger des Zölibats gilt – eine etwas andere Position vertreten als sein Vorgänger. Auch wenn der emeritierte Papst Benedikt nun zu verstehen gibt, dass er zwar einen Text beigesteuert hat, aber nicht als Ko-Autor genannt sein wollte, wird nunmehr heftig diskutiert, was ein zurückgetretener Pontifex darf und was nicht. Bericht: Christian Rathner.
Im „Orientierung“-Studiogespräch: der römisch-katholische Theologe Jan-Heiner Tück von der Universität Wien.

Kardinal setzt Akzente: Erzbischof Christoph Schönborn wird 75

Am 22. Jänner 2020 feiert Kardinal Christoph Schönborn seinen 75. Geburtstag, 2020 darf er auch auf eine Amtszeit von 25 Jahren als Erzbischof von Wien zurückblicken. Im Oktober 2019 hat Schönborn – das muss jeder katholische Bischof anlässlich seines bevorstehenden 75. Geburtstags tun – sein Rücktrittgesuch bei Papst Franziskus eingereicht. Es ist noch nicht abzusehen, ob und wie lange der gesundheitlich angeschlagene Erzbischof sein Amt weiter ausfüllen wird. Die „Orientierung“ zieht Bilanz: Schönborn, ein als konservativ geltender Theologe, wird 1995 als Krisenmanager ins Amt berufen. Erste große Aufgabe ist die Aufarbeitung der Missbrauchsaffäre um seinen Amtsvorgänger Kardinal Hans Hermann Groer. Reformforderungen, Kirchenvolksbegehren, viele Kirchenaustritte prägen diese erste Phase seiner Amtszeit. In den 2000er Jahren kommt die Pfarrerinitiative seines ehemaliges Generalvikars Helmut Schüller mit ihrem „Aufruf zum Ungehorsam“ hinzu. Schönborn, ein Schüler Joseph Ratzingers, vertritt unzweideutig die römische Lehrmeinung, ohne das Gespräch mit Kritikerinnen und Kritikern abreißen zu lassen. Im Lauf seiner Amtszeit zeigt sich aber eine Hinwendung zu einer offeneren Seelsorge, die für viele einst Ausgegrenzte, wie etwa wiederverheiratete Geschiedene oder Homosexuelle, vorsichtig einen Platz in der römisch-katholischen Kirche sucht. Damit – und mit seiner Haltung in der Missbrauchsfrage und in der Flüchtlingsfrage – setzt Schönborn Akzente, die auch in der Weltkirche stark wahrgenommen und nach der Wahl von Papst Franziskus 2013 sogar richtungsweisend werden. Bericht: Peter Beringer.
Zum 75. Geburtstag zeigt „kreuz und quer“ am Dienstag, dem 21. Jänner, um 22.35 Uhr in ORF 2 die Dokumentation „Kardinal Christoph Schönborn – Hirte und Krisenmanager“.

Religionstest für Asylwerber: Wenn Gläubigen nicht geglaubt wird

Auf eine dicke Nebelwand blickt Hashem Arefi dieser Tage immer wieder, wenn er aus der Erstaufnahmestelle West in Thalham schaut:
Seit zwei Monaten ist er hier in dieser Einrichtung des Bundesamts für Fremdenwesen und Asyl in Oberösterreich untergebracht – und bangt um seine Zukunft. Im Dezember 2015 kam er auf abenteuerliche Weise nach Österreich, erzählt er. Im Iran habe er das Christentum kennengelernt und war fasziniert, wollte selber Christ werden. Die Religionspolizei in seinem Land habe das bemerkt und plötzlich sei für ihn Flucht die einzige Option gewesen. Doch die österreichischen Behörden glauben ihm bis jetzt seine Konversion vom Islam zum Christentum nicht. Bei Interviews im Rahmen des Asylverfahrens musste er Beamten und Richtern Fragen zu seinem Glaubenswechsel beantworten und war dabei offenkundig wenig überzeugend. Ein negativer Bescheid durch alle Instanzen war die Folge. Nun machen sich der katholische Pfarrvikar Stefan Biondi, in dessen Vorarlberger Pfarrgemeinde Hashem Arefi integriert war, und viele weitere Freunde, die er in Österreich schon gewonnen hat, für ihn stark. Auch Bischof Benno Elbs, der Hashem Arefi gefirmt hat, versucht ihn nun bei einem Asylnachfolgeantrag zu unterstützen. Er und annähernd 30 andere Personen haben Hashem Arefi Empfehlungsschreiben zu seiner neuerlichen Anhörung mitgegeben. Genützt hat es bisher nichts. Was nun viele nicht verstehen: Was befähigt Beamte, „Herzensangelegenheiten“ wie Glaubensüberzeugungen zu beurteilen und darüber zu richten? Wie kann es sein, dass einem, der regelmäßig Gottesdienste besucht hat, steter Gast in Bibelrunden war und sich in der Pfarrgemeinde in Tisis vielfach engagierte, sein Bekenntnis zum Christentum nicht „abgenommen“ wird? Die „Orientierung“ war in Vorarlberg und Oberösterreich auf Lokalaugenschein, hat mit Christoph Pölzl, Sprecher des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl, der Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser und Friederike Dostal, der Leiterin des Koordinationsbüros für Katechumenat und Asyl der Österreichischen Bischofskonferenz, über Hashem Arefi und die „Religionsprüfungen“ im Asylverfahren gesprochen. Bericht: Marcus Marschalek.

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