Leitartikel "Wer nicht hören will..." vom 14.01.2020 von Anita Heubacher

Innsbruck (OTS) - Skitourengehen ist ein Massensport geworden. Das stellt das fragile Miteinander am Berg vor neue Herausforderungen. Auf Freiwilligkeit zu setzen, ist zu wenig, das ist nach der Prügelattacke eines Tourengehers augenscheinlich geworden.

Von Anita Heubacher
Nicht nur für Politiker können allzeit bereite Kameras viel Ungemach bringen. Auch für Bergsportler kann es mehr als peinlich werden. Ein Pistentourengeher wurde nachts dabei gefilmt, wie er auf einen Pistenraupenfahrer einprügelt, weil dieser ihn an die geltenden Regeln erinnert: aufgrund der Unfall- und Lebensgefahr nicht abfahren, wenn die Pisten präpariert werden. Ist die Prügelattacke Einzelfall oder die Spitze des Eisbergs? Auf jeden Fall Grund genug und augenscheinlich, dass das fragile Miteinander am Berg vor neuen Herausforderungen steht, die es zu lösen gilt.
Skitourengehen ist ein Massensport geworden und damit steigt das Konfliktpotenzial. Es sind von Jahr zu Jahr mehr, die hochwollen. Das ist auf der Piste ein Problem und auch im Gelände. Auf der Piste erhöht sich die Unfallgefahr, je mehr bergauf gehen, desto größer die Gefahr einer Kollision mit Skifahrern. Nachts ist es für die Mitarbeiter der Bergbahnen unzumutbar, dass Unbelehrbare einfach nicht einsehen wollen, dass der freie Zugang zum Berg ein Leitsystem braucht, an das sich alle zu halten haben. Mit der Zahl der Pistentourengeher steigt auch die Zahl derer, die sich danebenbenehmen.
Die Skitour im Gelände startet in 99 Prozent der Fälle mit der Autoanfahrt zum Ausgangspunkt. Auf den Bergen wird es eng, weil die Parkplätze fehlen. Je mehr ins Gelände starten, desto größer ist die Gefahr, dass nicht alle Tourengeher kompetent genug dafür sind. Das fordert die Bergrettung und bringt sie an ihre Grenzen. Die Vielzahl an Tourengehern beengt auch das Wild.
Es sind zwar alte Konfliktzonen, aber neue Dimensionen, die neue Lösungsansätze nötig machen. Im Gelände wird es immer schwer sein, Strafen einzukassieren, aber auf der Piste sieht es anders aus. Salzburg macht es vor, dort kann die Polizei Anzeige erstatten, wenn Tourengeher widerrechtlich handeln. Eine andere Denkvariante wäre, eine Pistenbenützungsgebühr einzuheben. Diese Gelder könnten beispielsweise in separate Aufstiegsspuren investiert werden. Abseits der Piste sind Lenkungsmaßnahmen noch viel schwerer zu finden. Nun sind wieder jene Köpfe gefragt, die zuletzt die Lösungsansätze für ein besseres Miteinander am Berg auf den Tisch gelegt haben. Man wird die Tourengeherthematik neu diskutieren müssen. Da hat Sportlandesrat Josef Geisler wohl Recht. Freiwillig­keit allein ist offenba­r zu wenig.

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