Haiti: 10 Jahre nach dem Beben erschüttert humanitäre Krise das Land

Wien/Port-au-Prince (OTS) - Zehn Jahre nach dem verheerenden Erdbeben, das in Haiti eine unvorstellbare humanitäre Krise ausgelöst hat, blickt SOS-Kinderdorf zurück auf die Auswirkungen der Nothilfe- und Wiederaufbaumaßnahmen. „Die riesige Unterstützung durch unzählige Spenderinnen und Spender hat es uns ermöglicht, rasch Soforthilfe zu leisten, sowie langfristige Veränderungen für die Lebenssituationen von Kindern und ihren Familien zu bewirken“, sagt Celigny Darius, Leiter von SOS-Kinderdorf Haiti. „Leider bringt aktuell eine politische Krise die Kinder und Jugendlichen in Haiti erneut in Gefahr.“

Das Erdbeben der Stärke 7,0 am 12. Jänner 2010 hinterließ das Land in Schutt und Chaos sowie 220.000 Tote, 300.000 Verletzte und 1,5 Millionen Obdachlose. Durch die langjährige Tätigkeit und gute Vernetzung in Haiti konnte SOS-Kinderdorf nach dem Beben unmittelbar umfassende Hilfe leisten: 500 alleinstehende Kinder wurden ins – dank stabiler Bauweise nur leicht beschädigte - SOS-Kinderdorf Santo nahe der Hauptstadt Port-au-Prince gebracht. In Santo, Croix-des-Bouquets und Demas wurden an über 100 Standorten Lebensmittel verteilt. Insgesamt konnten so in den Monaten nach dem Beben rund 24.000 Kinder zweimal täglich mit Mahlzeiten versorgt werden.

Langfristiger Fokus auf Bildung und Familienzusammenführung

Nach der ersten unmittelbaren Nothilfe konzentrierte sich die Arbeit von SOS-Kinderdorf auf die Zusammenführungen von Kindern mit ihren Eltern. „Es ist sehr schön, dass über 240 Kinder, die in den SOS-Kinderdörfern unmittelbar nach dem Beben aufgenommen wurden, später zu ihren Familien zurückkehren konnten“, sagt Darius. Um Kindern langfristig ein neues Zuhause zu geben und sie dabei zu unterstützen, die Tragödie zu überwinden, startete SOS-Kinderdorf zahlreiche neue Einrichtungen. 2015 wurde in Les Cayes ein neues SOS-Kinderdorf eröffnet. Ein weiterer Schwerpunkt war der Wiederaufbau von Schulen. Das Beben hatte 90 Prozent aller Schulen in Haiti zerstört und die Bildung für Kinder für lange Zeit sehr schwer bis unmöglich gemacht. SOS-Kinderdorf baute zwei Schulen komplett neu und sieben zerstörte Schulen wieder auf.

Aktuelle Krise: Schulen geschlossen, von Hunger bedroht

Aktuell wird das Land vor allem in Port-au-Prince und auch anderen Städten durch langandauernde Proteste erschüttert. Schulen und Universitäten sind immer wieder geschlossen. Das Geschäftsleben in den Städten wird immer wieder durch brennende Barrikaden blockiert. Die UN warnen, dass 3,7 Millionen Menschen dringend Lebensmittel benötigen. Marie Lona Beaubrun, SOS-Kinderdorf-Mutter in Les Cayes, erzählt, dass sie die derzeitige Situation stark an die Zeit nach dem Erdbeben erinnere: „Die Kinder können nicht zur Schule, Menschen können nicht zur Arbeit gehen, das Leben ist extrem schwierig geworden.“

„Wir hoffen auf eine baldige Lösung der aktuellen Krise, damit die Kinder in Haiti zur Normalität zurückkehren können“, sagt Darius. „Die Politiker dieses Landes sind zum Handeln aufgerufen, damit die Kinder wieder in die Schule gehen können und in Sicherheit sind.“

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SOS-Kinderdorf
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