PVÖ-Wohlmuth: „Bei der Seniorenermäßigung ist Zug der Gerechtigkeit schon lange abgefahren!“

Gut- und Spitzenverdiener fahren ermäßigt, Mindestrentnerinnen zum Vollpreis. Viele Öffi-Abieter versagen, nur einzelne Unternehmen zeigen, was möglich ist.

Wien (OTS) - „Alle Verbesserungen, die mit Anfang 2020 für Pensionisten erreicht wurden, werden von einer systematischen Ungerechtigkeit getrübt“, weist Andreas Wohlmuth, der Generalsekretär des Pensionistenverbandes Österreichs (PVÖ) hin: „Mit 1. 1. 2020 wird die Altersgrenze für die Berechtigung zur ermäßigten Fahrt nach dem Seniorentarif in öffentlichen Verkehrsmitteln um weiteres Jahr, auf nunmehr 64 Jahre angehoben.“ Damit werden im neuen Jahr bereits rund 400.000 PensionistInnen systematisch benachteiligt, „eine unfassbare Ungerechtigkeit, die auch wirklich jeder Logik zuwiderläuft“, wie der Generalsekretär des PVÖ ausführt: „Niemand kann verstehen, warum ein männlicher 64jähriger Gutverdiener zum ermäßigten Seniorentarif unterwegs ist, während eine 63jährige Mindestpensionistin nun ein weiteres Jahr warten muss, bis sie in den Genuss des vergünstigten Tickets kommt.“

Doch damit nicht genug der Ungerechtigkeit: Diese systematische Benachteiligung wird in den kommenden Jahren noch weiter verstärkt. Denn mit 1. 1. 2022 wird die Altersgrenze um ein weiteres Jahr – auf dann 65 Jahre – nach oben gerückt. Das bedeutet: Dann müssen alle Frauen, die das gesetzliche Pensionsalter von 60 Jahren erreicht haben und in Pension gehen, volle fünf Jahre warten, bis sie die Berechtigung zum Erwerb eines ermäßigten Tickets erlangen.

„Der Fehler steckt im System“, analysiert Wohlmuth, „denn die Seniorenermäßigung lediglich an das Alter und nicht zum Beispiel an einen vorliegenden Pensionsbescheid zu knüpfen, ist ein wahrhafter Schildbürgerstreich mit leider sehr ernsten Auswirkungen. Hier ist der Zug der Gerechtigkeit schon lange abgefahren. Und es ist nicht abzusehen, dass die Weichen in Richtung einer sinnvollen Regelung gestellt werden.“

Dabei wäre alles ganz einfach; - einzelne Unternehmen zeigen vor, wie es geht: Bei der WESTbahn gilt der Seniorentarif generell ab 60. Das freut zwar auch den 64jährigen Gutverdiener, hilft aber vor allem der 63jährigen Mindestrentnerin, die sich so von ihrem geringen Einkommen das Bahnfahren leichter leisten kann.

Dass volle Tarif-Gerechtigkeit bei der Seniorenermäßigung im öffentlichen Verkehr machbar ist, zeigt die Linz AG: Hier gilt zwar ab 1. 1. 2020 auch die generelle Altersgrenze von 64 Jahren, aber mit einem sinnvollen Zusatz: „Anspruch auf Seniorenermäßigung haben alle Senior/innen ab 64 und jüngere Personen, die den Bezug einer Eigenpension eines gesetzlichen Pensionsversicherungsträgers nachweisen können …“.

„Das zeigt deutlich: In Linz beginnt’s“, weist Wohlmuth auf die Vorbildwirkung der Linz AG hin, „wenn schon Bund, Länder und Verkehrsverbünde nicht in der Lage oder willens sind, ein gerechtes System der Seniorenermäßigung umzusetzen, dann sollen sich einzelne seniorenfreundliche Verkehrsunternehmen in Linz erkundigen, wie das geht.

Wir als Pensionistenverband werden jede gerechte und sinnvolle Initiative tatkräftig unterstützen. Doch auch diese können nur Zwischenschritte bis zum Erreichen der sinnvollsten und zugleich seniorenfreundlichsten Lösung für die klimafreundliche Mobilität von Seniorinnen und Senioren sein: der Einführung eines österreichweit gültigen Pensionisten-Tickets“, schloss Wohlmuth.

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Pensionistenverband Österreichs
Andreas Wohlmuth
Generalsekretär
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