BMI: Errichtung eines Gedenkorts für Opfer des NS-Regimes in Lungitz

Wien (OTS) - Nach dem Entdecken einer Schicht Asche und Knochen bei Bauarbeiten am Unterbau der Gleisanlagen im Bahnhof Lungitz im Herbst 2018 war vom Bundesministerium für Inneres am 11. Dezember 2019 zu einer Informationsveranstaltung eingeladen worden. Bei dieser wurde die Bevölkerung und die Öffentlichkeit über das Auffinden, die bisherigen Maßnahmen sowie die beabsichtigte weitere Vorgehensweise zur Sicherstellung eines angemessenen Gedenkens informiert.

"Es ist mir ein großes Anliegen, ein würdiges Gedenken der Opfer des NS-Regimes und des Weltkrieges sicherzustellen.", sagte Bundesminister Dr. Wolfgang Peschorn.

Bei der Informationsveranstaltung wurde auch informiert, dass in Lungitz ein Gedenkort für Opfer des NS-Regimes errichtet werden soll.

"Für die ÖBB ist es selbstverständlich, dass wir alle Beteiligten bei der Errichtung eines Gedenkortes unterstützen. Es ist uns ein großes Anliegen, diese Unterstützung zu geben", sagte Karl Leitner, ÖBB-Pressesprecher für Oberösterreich.

Nach den vorliegenden wissenschaftlichen Untersuchungsergebnissen sind in der Ascheschicht menschliche Überreste enthalten. In die Schicht waren auch Artefakte eingebettet, die in die Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft zu datieren waren und teilweise im Kontext von Konzentrationslagern stehen. Zu diesen sind die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen.

Tenor der Informationsveranstaltung war, dass anlässlich der Funde einerseits ein Ort der Trauer und des Gedenkens entstehen soll, aber auch dem Informationsbedarf der Menschen nahe der Fundstelle Rechnung getragen werden müsse. “Der pietätvolle Umgang mit dieser menschlichen Asche an einem dafür angemessenen Gedenkort ist nicht nur eine Frage der historischen Verantwortung, sondern vor allem eine gesellschaftspolitische Notwendigkeit der Gegenwart!”, so Rabbiner Schlomo Hofmeister im Namen der Israelitischen Religionsgesellschaft. Beim Gedenken soll vor allem auch auf den gleichfalls menschenverachtenden Umgang des nationalsozialistischen Regimes mit den Leichen der ermordenden KZ-Häftlinge aufmerksam gemacht werden. So war es durchaus üblich, dass Asche aus den Krematorien für den Bau von Straßen oder der Eisenbahn verwendet wurde.

„Mir ist wichtig, dass alle wissenschaftlichen Untersuchungen, die dazu dienen menschliche Überreste in der Asche festzustellen um eventuell bestehende Zweifel für immer auszuräumen, unternommen werden“, sagte Ernst Lehner, Bürgermeister der Gemeinde Katsdorf. Die Bevölkerung der Region müsse über alle Geschehnisse informiert und die Gemeinde in alle Entscheidungsprozesse eingebunden werden.

„Es ist wichtig immer daran zu erinnern, dass viele Menschen, die durch das NS-Regime in Konzentrationslager verbracht wurden, dort nicht registriert wurden“, sagte Martha Gammer vom Gedenkdienstkomitee Gusen.

Die Bewusstseinsregion Mauthausen – Gusen – St. Georgen begrüßte einen offenen Umgang mit den Informationen über die Grab- und Aschefunde, mit der Entstehung einer Grabstätte und eines würdigen Gedenkortes in Lungitz sowie die Möglichkeit, dass sich die Bewohner und Bewohnerinnen der Region entsprechend informieren und einbringen können. „Die Würde der Menschen wurde zutiefst verachtet und dies hinterlässt auch heute tiefe Wunden. Wir sind heute dafür verantwortlich, sorgsam damit umzugehen und dafür zu sorgen, dass derartige Ereignisse nie wieder zugelassen werden“, sagte Mag.a Andrea Wahl, MBA der Bewusstseinsregion Mauthausen – Gusen – St. Georgen.

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