Rennerpreis-Verleihung mit Max Zirngast im Wappensaal des Wiener Rathauses

250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der Verleihung des renommiertesten Journalistenpreises des Landes

Wien (OTS) - Das Interesse an der Verleihung des Dr. Karl Renner Publizistik-Preises war so groß wie nie zuvor. So musste die Veranstaltung im altehrwürdigen Wappensaal auch in Nebenräumlichkeiten übertragen werden. Aber die allerbeste Nachricht war wohl die Anwesenheit von Max Zirngast und seiner Familie. Letztes Jahr stand die Veranstaltung ganz im Zeichen der Solidarität für Max Zirngast, welcher damals in einem türkischen Gefängnis inhaftiert war.

Anwesend bei der Preisverleihung waren unter den Gästen unter anderem Ivana Červenková, Botschafterin der Tschechischen Republik, Oleksander Scherba, Botschafter der Ukraine und Franz Schnabl, Landeshauptfrau Stellvertreter von Niederösterreich, sowie zahlreiche bekannte Journalistinnen und Journalisten, sowie Vertreter anderer Journalistenorganisationen.

Bei seiner Begrüßung nahm ÖJC-Präsident Fred Turnheim zu den aktuellen Anschuldigungen rund um den Renner-Preis Stellung:
„Zerstören allein, meine Damen und Herren, kann nicht Ziel eines kritischen Journalismus sein“, so Turnheim. Und er bedauerte, dass gerade in diesen vermeintlich kritischen Berichten jede journalistische Sorgfalt fehlen würde und auch jede Reflexion bei jenen, die diese Berichte in den sozialen Medien teilten. Fred Turnheim formulierte nochmals die 14 Forderungen an die zukünftige Österreichische Bundesregierung (siehe OTS0038 vom 14. Nov. 2019, 09:23). Die solidarische Umsetzung dieser Forderungen ist wesentlich wichtiger als die eigenen Interessensvertretungen anzugreifen.

In seiner Dankesrede erzählte Max Zirngast, dass seine Rede zum Renner-Preis des Vorjahres der einzige Brief war, der von den türkischen Behörden zensuriert worden war. Er bedankte sich für die unglaubliche Solidarität und erinnerte daran, dass nach wie vor zahlreiche Journalistinnen und Journalisten in Gefängnissen sind. Er berichtete über das heute öffentlich gewordene Verfahren, dass die Grazer Staatsanwaltschaft auf Basis einer Anzeige des BVT gegen ihn wegen Terrorismusverdacht eingeleitet hatte. Insgesamt drei Rechtshilfeansuchen hätten die österreichischen Behörden an das türkische Gericht gestellt. „Sie sehen, dass so etwas auch in Österreich passieren kann“, sagte Zirngast, ohne das österreichische Justizsystem mit dem türkischen gleichzusetzen.

In seiner Festrede mit dem Titel „Ausgezeichneter Journalismus. Zwischen Anerkennung und Gefährdung“ verkleidete sich Publizistik-Professor Fritz Hausjell als Message-Control-Mastermind Gerhard Fleischmann. Dieser Gerhard Fleischmann zitierte dann auffällig oft Fritz Hausjell und seine medienpolitischen Ansichten. Und, dieser Gerhard Fleischmann freute sich sehr darüber, dass die aktuelle Diskussion um Journalismuspreise wichtige medienpolitische Forderungen überdecken würde.

Der Dr. Karl Renner-Publizistikpreis 2019 in der Kategorie „Print“ erging an den Profil-Journalisten Martin Staudinger. Laudator Rainer Rosenberg gratulierte allen drei Nominierten, unter ihnen auch Robert Misik und Martin Tschiderer zu ihren hervorragenden journalistischen Leistungen. Martin Staudinger beschäftigte sich in seinem preisgekrönten Beitrag mit der Geschichte einer Überlebenden des verheerenden Flugzeugabsturzes von Ruanda. Martin Staudinger erklärte in seiner Dankesrede, dass die ausgezeichnete Geschichte einer dieser war, die sich von selbst schreibt. Er bedankte sich beim Polizisten Norbert Katschnik, der ihm diese Geschichte geliefert hatte.

Der Dr. Karl Renner-Publizistikpreis 2019 in der Kategorie „Radio“ erging an die Ö1-Journalistin Natasa Konopitzky. Laudatorin Susanne Ayoub betonte die hohe Zahl der hochqualitativen Einreichungen und bezeichnete das Wiener Funkhaus in der Argentinierstraße als unverzichtbaren Ort der Kommunikation und Kreativität. Natasa Konopitzky erhielt ihre Auszeichnung für die zweiteilige Hörbilder-Geschichte über ihren Großvater mit dem Titel „Mein Glück ist, dass mich mein Glück nicht verlässt: Imre Kormos, Held und Halunke“. Natasa Konopitzky bedankte sich in ihrer Rede unter anderem bei ihrer Mutter, die ihre Interviews in letzter Minute dann doch zur Veröffentlichung freigegeben hatte. Und sie hatte auch einen Vorschlag für den ORF: „Bitte lieber ORF, schaffe die Strukturen für tiefgreifende und zeitaufwändige Recherchen.“

Der Dr. Karl Renner-Publizistikpreis 2019 in der Kategorie „Fernsehen“ erging an ORF-Journalist Benedict Feichtner. Laudator Oswald Klotz erklärte, dass der Jungjournalist seine Auszeichnung für einen Beitrag über das Bürgerkriegsland Libyen. Benedict Feichtner betonte in seiner Dankesrede, dass heute Nachrichten in Sekunden verbreitet aber in einer Woche auch schon wieder vergessen sind und betonte die Bedeutung von Hintergrundberichterstattung.

Der Dr. Karl Renner-Publizistikpreis in der Kategorie „Online“ erging an Barbara Wimmer von futurezone.at. Laudator Helmut Kletzander lobte die umfassende Recherche rund um den Beitrag zur Gesichtserkennungssoftware der Polizei. Im Gespräch mit dem Laudator bekannte Barbara Wimmer: „Schreiben ist meine Lieblingsaufgabe.“ Und in ihrer Dankesrede sagte sie: „Netzthemen sind die Themen, die unsere Zukunft entscheiden und sie kommen im Diskurs oft zu kurz.“ Daher sei diese Auszeichnung so wichtig.

Für sein „Lebenswerk“ - für langjährigen hervorragenden Journalismus, erhielt Otmar Lahodynsky vom Profil Dr. Karl Renner Publizistikpreis 2019. In seiner Laudatio bezeichnete ihn Herbert Gartner als einen „stillen Proponenten der Branche, der etwas zu sagen hat“ und zuhören kann. Viele namhafte Persönlichkeiten hat Lahodynsky interviewt und einige von ihnen haben dabei mehr erzählt, als sie eigentlich geplant hatten. Otmar Lahodynsky berichtete über die prekäre Situation der Pressefreiheit in Ungarn und appellierte an die Solidarität mit den Kolleginnen und Kollegen.

Auch einige Preisträgerinnen und Preisträger nahmen auf unterschiedliche Weise zu der Debatte rund um den Dr. Karl Renner-Publizistikpreis Bezug. Für den Österreichischen Journalisten Club ist jedenfalls klar: Der Verein wird mit allen Menschen einen Dialog führen, die an einer ernsthaften und konstruktiven Diskussion interessiert sind.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Heilwig Pfanzelter und musikalisch begleitet von der Little Big Family. Alle Ausgezeichneten erhielten neben einer Urkunde und Blumen, die Skulptur „Spirit“ der burgenländischen Bildhauerin Ulrike Truger sowie eine Silbermünze „Wiener Philharmoniker“.

Der Österreichische Journalisten Club (ÖJC) engagiert sich seit 42 Jahren für Pressefreiheit und Qualität im Journalismus. Der Verein mit rund 6.500 Mitgliedern ist Herausgeber des österreichischen Medienmagazins [Statement], betreibt das Vienna International Press Center in der Wiener Innenstadt sowie eine eigene Lehrredaktion. Der ÖJC verleiht mit dem Prof. Claus Gatterer-Preis für sozial engagierten Journalismus, dem New Media Journalism Award und dem Dr. Karl Renner-Publizistikpreis die wichtigsten journalistischen Auszeichnungen des Landes. Mit Solidaritätskampagnen für Max Zirngast, Mesale Tolu oder Deniz Yücel engagiert sich der Österreichische Journalisten Club über die Grenzen Österreichs hinaus für die Meinungs- und Pressefreiheit.

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