Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 11. Dezember 2019. Von MAX STROZZI. "Im Casinos-Poker ausgestochen".

Innsbruck (OTS) - Mit ihren mutmaßlichen Deals und Postenschacher haben sich Novomatic und die Republik als Casinos-Eigentümer disqualifiziert. Gewinner ist ein tschechischer Milliardär, dem die Konzernmacht nun in den Schoß fallen könnte.

Der Poker um die Casinos Austria ist seit gestern um eine überraschende Wendung reicher. Der Glücksspielkonzern Novomatic will seine Casinos-Anteile an die tschechische Sazka-Gruppe verkaufen, die damit die Mehrheit bei den Casinos Austria erlangen könnte. In trockenen Tüchern ist der Deal wegen diverser Vorkaufsrechte, etwa auch der staatlichen Beteiligungsgesellschaft, noch nicht. Über die tatsächlichen Gründe des Novomatic-Ausstiegs lässt sich im Lichte des jüngsten Casinos-Skandals jedenfalls in mehrere Richtungen spekulieren.
Die Korruptions-Staatsanwaltschaft ermittelt jedenfalls rund um die Entsendung von FPÖ-Bezirksvorstand Peter Sidlo in den Casinos-Vorstand im Gegenzug für mögliche Glücksspiellizenzen zugunsten von Novomatic unter anderem auch gegen die Novomatic AG selbst, gegen Eigentümer Johann Graf sowie gegen Firmenchef Harald Neumann. Vielleicht ist der Anteils-Verkauf an die Sazka als Revanche zu werten, möglicherweise will Novomatic einfach nur die Reißleine ziehen. Wer weiß? In dem ganzen Casinos-Wahnsinn der vergangenen Monate um Macht, Geld und Einfluss ist ohnehin nichts mehr auszuschließen. Da wird der Freund schnell zum Feind und umgekehrt:
Denn eigentlich liegen sich Novomatic und Sazka seit Jahren in den Haaren.
Der Konzern des tschechischen Milliardärs Karel Komarek versucht seit seinem Einstieg, die Casinos zu beherrschen. Im Poker um die Macht im Unternehmen hält er nun das stärkste Blatt in der Hand und hat die Republik Österreich ausgestochen. Angesichts der jüngsten Ereignisse ist aber ohnehin zu hinterfragen, ob Novomatic und die Republik die richtigen Eigentümer für die Casinos Austria sind, wenn der Konzern nur noch als machtpolitisches Instrument dient. Die Casinos Austria spülen zwar jedes Jahr ordentlich Geld in die Staatskassen, doch strategisch und hinsichtlich der gesellschaftlichen Bedeutung gäbe es wichtigere Beteiligungen als jene an einem Glücksspielkonzern. Die staatlichen Buwog-Wohnungen wurden seinerzeit unter Schwarz-Blau allerdings zum Spottpreis verscherbelt. Das Tiroler Buwog-Paket mit mehr als 1200 Wohnungen versilbert inzwischen ein in Luxemburg angesiedelter Immobilienfonds für seine internationalen Investoren:
Mit dem ehemaligen Staatseigentum machen nun etwa eine US-Uni, eine Schweizer Bank und Industrielle aus Deutschland oder Italien einen guten Schnitt.
Und bei den Casinos jubelt ein Tscheche.

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