AK Kärnten Mietenerhebung: Privatmieten um 7,5 Prozent gestiegen

Mietkosten für private Wohnungen haben sich in Kärnten seit 2017 um 7,5 Prozent verteuert. Jeder dritte Privatmieter gibt bereits mehr als 700 Euro fürs Wohnen aus.

Klagenfurt (OTS) - Die Belastungen für Kärntner Mieter werden nicht weniger. Die Mietkosten für private Wohnungen haben sich in Kärnten seit 2017 um 7,5 Prozent verteuert, während bei Genossenschaftswohnungen ein Rückgang um sechs Prozent zu verzeichnen ist. Hauptgründe für die Teuerung sind einerseits durch befristete Verträge bedingte Mietzinserhöhungen und andererseits steigende Betriebs- bzw. Heizkosten.

Über 700 Euro fürs Wohnen

Beinahe jeder dritte Privatmieter gibt mehr als 700 Euro fürs Wohnen aus, bei den Genossenschaften sind es nur 11,79 Prozent. Berücksichtigt man, dass in Wohnungen bis 70 Quadratmeter der Anteil der Gemeinnützigen Mieter bei 30,31, jedoch der der Privatmieter bei 53,85 Prozent liegt, verschärft sich die Wohnsituation enorm, da Privatmieter für weniger Wohnraum mehr Geld ausgeben müssen. „Um den Wohnungsmarkt in den Griff zu bekommen und Druck auf die Marktpreise auszuüben, müssen mehr geförderte Wohnungen gebaut werden!“ fordert AK-Präsident Günther Goach.

„Gemeinnützige“ günstiger

Beim gemeinnützigen Wohnbau ist eine Trendwende zu verzeichnen. Musste man 2017 durchschnittlich noch mit 7,50 Euro für das Wohnen rechnen, beträgt der Medianwert für 2019 nun 7,05 Euro. Vergleicht man die Wohnkosten des Privatmarktes mit jenen für gemeinnützige Wohnanlagen, erkennt man einen deutlichen Unterschied. Die Differenz von 50 Cent aus dem Jahr 2017 ist auf 1,56 Euro gestiegen.

Mieten fressen halbes Einkommen

Bezieher niedriger Einkommen treffen Wohnungskosten besonders hart. Bei einem Haushaltseinkommen zwischen 730 und 1.090 Euro betragen die durchschnittlichen Kosten für eine 75-Quadratmeter-Genossenschaftswohnung 475 Euro. Mehr als die Hälfte des Einkommens (52,20 Prozent) fließt damit ins Wohnen. Noch härter trifft es Mieter in privaten Wohnungen. Bei dem gleichen Haushaltseinkommen nehmen die Wohnkosten mittlerweile einen Anteil von 65,93 Prozent ein. Aber hier beträgt die Wohnungsgröße im Median sogar nur 68 Quadratmeter. Selbst wenn das Einkommen höher ist und bis zu 1.455 Euro beträgt, geben Mieter generell über 40,08 Prozent aus. 55,70 Prozent der Privatmieter fühlen sich durch die Wohnkosten mittel belastet, 25,50 Prozent bezeichnen die Belastung als schwer. Bei den Genossenschaftsmietern sprechen 58,93 Prozent von einer mittleren und 29,46 Prozent von einer schweren Belastung.

Klagenfurt „teuerste Stadt“

Am teuersten wohnen die Kärntner nach wie vor in Klagenfurt, aber auch in St. Veit und Villach ist das Wohnen kostspielig. Vor allem Privatwohnungen sind in der Landeshauptstadt Klagenfurt mit einem Medianwert von 9,16 Euro pro m² extrem teuer. Bei den Genossenschaftswohnungen sind die Unterschiede nicht so immens: Am meisten zahlt man in Klagenfurt mit 7,73 Euro, gefolgt von St. Veit mit 6,90 Euro und Feldkirchen mit 6,82 Euro. Die billigsten Genossenschaftswohnungen gibt es in Spittal (6,06 Euro), in Wolfsberg (6,58 Euro) und in Völkermarkt (6,67 Euro).

Wohnen darf nicht zum Luxus werden!

„Leistbares Wohnen gehört zu den Grundbedürfnissen von Menschen. Die künftige Bundesregierung muss hier dringend handeln und mit einem entlastenden Mietrechtsgesetz entgegensteuern. In Kärnten brauchen wir mehr geförderte Kleinwohnungen, damit Wohnen nicht zum Luxus wird!“, fordert der AK-Präsident.

Die Arbeiterkammer Kärnten fordert:

  • Geförderte Kleinwohnungen bauen: Genossenschaften müssen verstärkt in kleinere Wohnungen für Singles und Jungfamilien bis 60 Quadratmeter investieren.
  • Fördersätze für kleinere Wohnungen anheben: Die Errichtung von Kleinwohnungen ist teurer.
  • Thermische Sanierung verstärkt fördern: Dies wäre ein wirksames Instrument, um Heizkosten zu senken.
  • Eine Anhebung der Einkommensgrenzen für Genossenschaftswohnungen.
  • Die Implementierung eines kärntenweiten Wohnungskatasters für freie Genossenschaftswohnungen.
  • Startwohnungen fördern: In den ersten drei Jahren sollte bei Genossenschafts- bzw. Gemeindewohnungen nicht mehr als der Kategoriemietzins (3,60 Euro/Quadratmeter, exklusive Betriebskosten) zu zahlen sein.
  • Kosten bei Anmietung senken: Mieter müssen gesetzlich von den Maklerprovisionen befreit werden.
  • Abschaffung von befristeten Verträgen: Ein durch Ablauf der Mietvertragsdauer erzwungener Wohnungswechsel wirkt sich für Mieter finanziell extrem belastend aus.
  • Einheitliches Mietrechtsgesetz schaffen: Ein einfaches, verständliches und transparentes Mietrechtsgesetz auf Bundesebene ist nach wie vor dringend nötig.
  • Einheitlicher Betriebskostenkatalog: Grundsteuer und Versicherungskosten sind keine Kosten des Betriebes einer Liegenschaft und sollen von den Vermietern bezahlt werden.
  • Einfache und transparente Mietzinsbildung: Das derzeit geltende Richtwertsystem soll mit einer klaren gesetzlichen Definition bzw. Begrenzung der Zuschläge als Grundlage für die Berechnung dienen. Der Vermieter soll verpflichtet werden, dem Mieter das Doppelte der gesetzwidrig vereinnahmten Mieten zurückzahlen zu müssen.
  • Warnpflicht des Vermieters vor Vertragsablauf: Der Vermieter soll verpflichtet werden, mindestens drei Monate vor Vertragsablauf schriftlich darzulegen, dass er am Ende der Befristung festhalten möchte. Unterlässt er dies, soll der Mietvertrag um fünf Jahre verlängert gelten.

    Zur Umfrage

    An der AK-Mietenerhebung, die im zweijährigen Rhythmus durchgeführt wird, haben insgesamt 661 Mieter teilgenommen. 235 Einsendungen kam von Privatmietern, 426 Einsendungen wurden von Mietern von gemeinnützigen Bauvereinigungen retourniert. Die Umfrage fand von Juni bis September 2019 statt. Mehr Infos auf kaernten.arbeiterkammer.at/wohnen

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Arbeiterkammer Kärnten
Ferdinand Hafner
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