Alarmierende Funde im GLOBAL 2000 Weihnachtstest: Weihnachtsdeko mit gefährlichen Giftstoffen belastet

Giftige Weichmacher, verbotene Flammschutzmittel und umweltschädliche Chlorparaffine in Weihnachtsschmuck gefunden - mehr als ein Drittel der Produkte nicht verkehrsfähig

Wien (OTS) - Zum Beginn der Adventszeit ließ die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 Christbaumkugeln, künstliche Weihnachtsbäume und Lichterketten stichprobenartig auf Schadstoffe testen. Die Ergebnisse sind erschreckend: Die Hälfte der 26 untersuchten Produkte enthielt besorgniserregende Substanzen wie Weichmacher oder Flammschutzmittel.
Fast 40 Prozent der getesteten Artikel dürften wegen zu hoher Schadstoff-Konzentrationen gar nicht verkauft werden. Waltraud Novak, GLOBAL 2000 Chemikalien-Expertin, zu den Ergebnissen: „In allen vier geprüften Lichterketten fanden wir erhöhte Werte von Weichmachern. Gemäß der EU Elektro-Richtlinie dürfen Produkte bereits ab Konzentrationen über 0,1 Prozent nicht verkauft werden. In unserem Test haben wir aber bis zu 27 Prozent gefunden, also 270-mal über dem Grenzwert.“

In mehreren künstlichen Weihnachtsbäumen fanden sich sogenannte kurzkettige Chlorparaffine (SCCP), extrem langlebige Schadstoffe, die sich in Gewässern und Böden anreichern. Deshalb sind diese Chemikalien in der europäischen Verordnung für persistente organische Schadstoffe (POP-Verordnung) mit einem Höchstwert von 0,15 Prozent geregelt. Drei Weihnachtsbäume überschritten diesen Grenzwert und sind deshalb nicht verkehrsfähig. Weiters sind drei Christbaumkugelsets für den Verkauf unzulässig wegen überhöhter Gehalte des Flammschutzmittels Deca-BDE, das wegen seiner Schädlichkeit EU-weit verboten ist.

Viele der Schadstoffe, die wir in unserem Weihnachtstest gefunden haben, sind hormonell wirksam. Diese Substanzen können schon in geringsten Konzentrationen in das Hormonsystem eingreifen und sind gerade für Kinder, die sich ja noch in Entwicklung befinden, besonders problematisch“, erklärt Novak besorgt. Der Weichmacher DEHP ist erwiesenermaßen fortpflanzungsschädigend, andere nachgewiesene Chemikalien wie SCCPs und Deca-BDE sind sehr giftig, reichern sich in der Umwelt an und sind bis in weit entfernte Lebensräume wie der Arktis, und sogar in der Muttermilch, zu finden. Weichmacher können durch Ausdünsten, Auswaschung oder Abrieb aus Gegenständen entweichen und so in die Umwelt gelangen. In Innenräumen binden sie sich an Hausstaub und können damit eingeatmet werden.

Auf unsere Anfragen hin wurden die meisten betroffenen Produkte bereits aus dem Verkauf genommen. Jedoch war Spar der einzige Anbieter, der seinen künstlichen Weihnachtsbaum, ‚SIMPEX Basic Celebration pink‘ offiziell zurückgerufen hat“, berichtet die Umweltschützerin. „Unser Test zeigt aber ein generelles Problem auf: Besorgniserregende Substanzen haben nichts in Alltagsgegenständen verloren. Wir fordern den raschen Ersatz von giftigen Chemikalien durch sichere Alternativen. Firmen müssen ihre Lieferketten besser unter Kontrolle haben und der Gesetzgeber ist gefordert, Unternehmen in ihren Bemühungen um Ersatz durch Förderung der Forschung zu unterstützen. Gleichzeitig sind aber eindeutig auch strengere und durchgängige Kontrollen nötig“, fordert Novak.

Damit das diesjährige Weihnachtsfest ohne gefährliche Chemikalien gefeiert werden kann, empfiehlt GLOBAL 2000 auf natürliche Dekoration wie Weihnachtsschmuck aus Holz, Stroh oder Glas und Kerzen aus Bienenwachs zurückzugreifen, sowie regionale, biologische Christbäume zu kaufen. Zusätzlich ist aber noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten: „KonsumentInnen sollen von ihrem in der EU Chemikalien-Verordnung verankerten Recht Gebrauch machen und sich bei Herstellern oder Verkäufern vor dem Kauf über problematische Substanzen erkunden“, empfiehlt die Umweltschützerin.

Die Tests wurden im Rahmen des EU Projektes LIFE AskREACH durchgeführt, in dem eine App entwickelt wird, mit der KonsumentInnen Barcodes von Produkten scannen können, um vom Hersteller oder Verkäufer Information über besorgniserregende Substanzen zu erhalten. An die App angeschlossen ist eine Datenbank, in die Firmen ihre Produkte hochladen können, um die Anfragen rascher und einfacher zu beantworten. Ab 2020 steht die App Scan4Chem zum Download zur Verfügung.

Das Projekt AskREACH wird vom EU LIFE Programm finanziert und vom BMNT und BMASGK unterstützt.

Genauere Informationen zum Weihnachtsdeko-Test und den besorgniserregenden Substanzen finden Sie hier

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Viktoria Auer, GLOBAL 2000 Presseabteilung, 0660 4048904, viktoria.auer@global2000.at
Waltraud Novak, GLOBAL 2000 Chemikalien-Expertin, 0699 14200029, waltraud.novak@global2000.at

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