• 26.11.2019, 10:50:01
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  • OTS0077

Frauenmorde: Jeder Mord ist einer zu viel

Innenminister Peschorn und Frauenministerin Stilling präsentierten Erkenntnisse der Screening-Gruppe und Initiativen zur Stärkung der Gewaltprävention und des Opferschutzes

Utl.: Innenminister Peschorn und Frauenministerin Stilling
präsentierten Erkenntnisse der Screening-Gruppe und
Initiativen zur Stärkung der Gewaltprävention und des
Opferschutzes =

Wien (OTS) - Zu Beginn des Jahres 2019 kam es in Österreich zu einer
Häufung von Morddelikten, bei denen Frauen getötet wurden. Aus diesem
Anlass wurde im Innenministerium eine Screening-Gruppe eingerichtet.
Sie wurde im Bundeskriminalamt (BK) angesiedelt und setzte sich aus
Expertinnen und Experten aus Polizei, Kriminalpsychologie und dem
Institut für Strafrecht und Kriminologie der Universität Wien
zusammen.

Ergebnisse der Untersuchung

Die Screening-Gruppe rollte alle geklärten Mordfälle, die zwischen 1.
Jänner 2018 und 25. Jänner 2019 begangen wurden auf. Es handelt sich
dabei um 174 Fälle, davon 55 vollendete Tötungsdelikte. Ziel war,
Muster abzuleiten, Gefährdungsszenarien zu ermitteln und
Präventionsmaßnahmen abzuleiten. Der Schwerpunkt der Untersuchung
wurde auf weibliche Opfer und Beziehungstaten gelegt.

Insgesamt erfüllten 23 Morde die Vorgaben der Screening-Gruppe. Für
die Feinauswertung der Intimizide wurden jedoch 18 Fälle
herangezogen, da von den 23 Intimtaten fünf ausgeschlossen wurden,
zumal diese rein auf eine physische Erkrankung des Opfers
zurückzuführen waren. Bei den vollendeten Tötungsdelikten, die im
Rahmen einer Beziehung verübt wurden, waren alle Opfer weiblich, die
Täter waren in diesen Fällen zu 50 Prozent fremde Staatsbürger. In 47
Prozent dieser Fälle, war die Beziehung zum Tatzeitpunkt bereits
getrennt. Bei Tötungen mit Beziehungshintergrund stellten Trennungen
(46 Prozent), Arbeitslosigkeit (48 Prozent), Alkohol- oder
Drogenmissbrauch (30 Prozent) und fortdauernde Konflikte ein erhöhtes
Risikopotential dar. In 44 Prozent der Fälle wurde bereits ein
Betretungsverbot verhängt, in 16 Prozent sogar mehrmals.

„Jeder Mord, ungeachtet des Geschlechtes, ist einer zu viel. Mit den
Ergebnissen der Screening-Gruppe haben wir fundierte Erkenntnisse,
auf deren Grundlagen wir weitere Morde verhindern können.“, so
Bundesminister Wolfgang Peschorn.

Empfehlungen der Screening-Gruppe

Die Screening-Gruppe hat Empfehlungen formuliert, die drei
Themengebiete betreffen: Gefährdungserkennung, Vernetzung von
beteiligten Behörden und Institutionen sowie Täterarbeit.

Im Bereich der Gefährdungserkennung regt die Screening-Gruppe die
Einführung eines Risikoeinschätzungstools sowie einen Leitfaden für
die Vernehmung bei Amtshandlungen wegen Gewalt in der Partnerschaft
für Exekutivbeamtinnen und Beamte an. Des Weiteren sollen eigene
Kompetenzteams in den Bezirkspolizeikommanden eingerichtet werden.

Für den Bereich der Vernetzung wird die österreichweite Ausweitung
der Leserechte im PAD (polizeiinternes Programm zum Protokollieren
von Anzeigen und Berichten) eine zentrale Evaluierungsstelle für
Tötungsdelikte und eine Adaptierung der Gewaltschutzdatei im Hinblick
auf die Risikoeinschätzung von Tätern empfohlen. Zur besseren
Nachverfolgbarkeit von polizeilicher Anzeigen- und gerichtlicher
Verurteilungsstatistik wird eine einheitliche, behördenübergreifende
Erfassung von Morddelikten angeregt.

Täterarbeit ist Opferschutz, daher empfiehlt die Screening-Gruppe die
Ausweitung und Wiederholung der Gefährderansprachen und
Normverdeutlichungsgespräche sowie verpflichtende therapeutische
Anti-Aggressionstrainings und soziale Kompetenztrainings nach
Betretungsverboten. Da rund die Hälfte der vollendeten Morde von
Fremden begangen wurde, wird eine Zusammenarbeit mit
unterschiedlichen Communities vorgeschlagen. Dabei sollen Peers aus
der jeweiligen Community bei Tätern mit Migrationshintergrund die
Täterarbeit bei der Gefährderanspache unterstützen.

Umgesetzte Maßnahmen

Mit dem Gewaltschutzgesetzes 2019 wurden die Gefährderberatung und
die Einrichtung von Fallkonferenzen (High Risk Victims) bereits
umgesetzt. Parallel dazu wird die Ausrollung des Präventionsprojekts
„Under18“ weiterbetrieben.

„In Österreich erleben Frauen und Mädchen täglich Gewalt. Diese
massiven Menschenrechtsverletzungen haben nachhaltige negative Folgen
für die gewaltbetroffenen Frauen selbst, aber auch für die gesamte
Gesellschaft. Die Gewaltprävention und der Opferschutz müssen daher
weiter gestärkt werden“, betonte die Bundesministerin für Frauen,
Familien und Jugend, Ines Stilling.

Sie präsentierte mehrere Initiativen, die die Bundesregierung zum
Schutz von Frauen und Mädchen vor Gewalt in den letzten Monaten
gesetzt hat:

• Mit Herbst 2019 konnte der flächendeckende Ausbau der
Fachberatungsstellen bei sexueller Gewalt durch neue Angebote in
weiteren vier Bundesländern sichergestellt werden. Im Burgenland, in
Kärnten, in Niederösterreich und in Vorarlberg stehen diese
Beratungsangebote nun für betroffene Frauen ebenfalls zur Verfügung.

• Im Bereich der Gewaltprävention wurde die Informationsoffensive
über die Gefahren von K.O.-Mitteln fortgesetzt. In den Sommermonaten
konnten knapp 100.000 Menschen rund um Musikfestivals erreicht
werden.

• Zur weiteren Stärkung der Gewaltprävention wurden
Sensibilisierungsworkshops für Schülerinnen und Schüler und
Ausbildungen für pflegerisches Personal sowie für Ärztinnen und Ärzte
finanziert.

• Um Online-Gewalt weiter einzudämmen und Betroffene zu unterstützen,
wurde die Weiterfinanzierung der Beratungsstelle gegen Hass im Netz
(#GegenHassimNetz) für 2020 sichergestellt.

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