Kreuzband 4.0 – Individuelle Behandlungsmethoden beim vorderen Kreuzbandriss

Wien (OTS) - 11.November 2019 Das Herz-Jesu Krankenhaus Wien ermöglicht eine den Anforderungen des Patienten angepasste Behandlung bei der Verletzung des vorderen Kreuzbandes. Vor allem sportliche Menschen und Leistungssportler profitieren davon und erlangen ihr gewohntes Leistungsniveau zurück.

Ein Riss des vorderen Kreuzbandes ist eine der häufigsten Verletzungen zumeist junger sportlicher Menschen, die zu einer chronischen Instabilität des Kniegelenkes führen kann. In Österreich werden jährlich etwa 10.000 Kreuzband-Operationen durchgeführt. Das Landen nach Sprüngen oder das Hängenbleiben mit Carving-Skis im Schnee oder den Stollen von Fußballschuhen sind beispielsweise klassische Sportverletzungen.

Das Patientenalter wurde noch vor 15 Jahren als limitierender Faktor angesehen, teils wurden Patienten ab dem 40. Lebensjahr nicht mehr operiert. Heute sind biologisches Alter und Anforderungen in Freizeit und Beruf entscheidend, und immer öfter werden Patientinnen und Patienten im Alter von 50+ operiert. Die Folge ist, dass auch Kreuzband-Revisionen, Re-Operationen, häufiger werden – Internationale Studien beziffern die Wahrscheinlichkeit einer Reruptur einer Kreuzbandplastik mit 25 Prozent.

Je früher operiert, desto besser das Langzeit-Ergebnis

Das vordere Kreuzband hat zwei mechanische Hauptfunktionen: Erstens die Verhinderung einer anterioren Tibia-Verschiebung, auch vordere Schublade oder PIVOT-Shift des Unterschenkels genannt und zweitens die Rotationsstabilität. Reißt ein Kreuzband, kann es zu einem „PIVOT-Shift-Phänomen“ kommen der Unterschenkel lässt sich über den Normalzustand nach vorne bewegen, was zu einer Instabilität führt. Eine chronische Instabilität des Kniegelenkes geht mit einem erhöhten posttraumatischen Arthrose-Risiko einher. Deshalb ist eine Operation die beste Behandlungsmethode. „Durch eine operative Versorgung eines gerissenen Kreuzbandes erreichen 83 Prozent der Patienten erneut ihr gewohntes Leistungs-Niveau, während nur 19 Prozent bei einer konservativen Behandlung optimal profitieren“, erklärt

Prim. Dr. Gerald Ch. Loho, Vorstand der II. Orthopädischen Abteilung im Herz-Jesu Krankenhaus. „Dabei ist der Zeitpunkt sehr wichtig. Je früher operiert wird, desto besser ist das Ergebnis.“ Ziel jeder vorderen Kreuzband-Rekonstruktion ist nicht ausschließlich die Beseitigung der vorderen Schublade, sondern auch der Rotationsinstabilität.

Bei der Diagnostik stehen Anamnese und eine klinische Untersuchung im Vordergrund. Auf Seiten der Bildgebung haben sich primär Röntgen und Magnetresonanztomographie (MRT) durchgesetzt, im Revisionsfall, einer wiederkehrenden Verletzung, wird zusätzlich eine Computertomographie (CT) angefertigt. Nach einer diagnostizierten vorderen Kreuzbandruptur wird nach Begleitverletzungen wie Meniskusruptur oder Knorpelschäden gefahndet. Erst dann wird mit der Patientin oder dem Patienten zwischen operativer oder konservativer Therapie entschieden. In seltenen Fällen ist eine Erhaltung des eigenen Kreuzbandes möglich, eine sogenannte Reinsertion. Ist dies aufgrund der Risseigenschaften oder der Form des Risses nicht möglich ist, wird eine Kreuzband-Ersatzplastik durchgeführt.

Angepasste Behandlung 4.0 mit vier Methoden

Ist einmal die Entscheidung für eine Operation gefallen, steht eine wohlüberlegte Transplantat-auswahl im Vordergrund. „An unserer Abteilung werden im Vorfeld der Operation die sportlichen und beruflichen Anforderungen des Patienten in Hinblick auf die Transplantatwahl genauestens abgewogen.“ sagt Dr. Loho dazu.

Vier Techniken stehen für eine individuelle Behandlung zur Verfügung: Die häufigste Anwendung finden die Hamstringsehnen, im Wesentlichen die Semitendinosussehne: Sie besticht durch ihre geringe Entnahmemorbidität (geringere Schmerzen und Probleme durch die Entnahme des Transplantates), durch ein günstiges Elastizitätsmodul und durch die gute Steuerbarkeit von Länge und Durchmesser des Transplantates. Nachteile sind die geringere Verankerungsstabilität oder höhere Fixationsanforderung und vor allem die Reduktion der Beugekraft.

  • Die Bone-Tendon-Bone-Variante mittels Patellarsehne: Da das Transplantat aus zwei Knochenblöcken und der Patellarsehne besteht, wächst die Sehne knöchern ein und sitzt extrem fest. Diese Methode wurde im Herz-Jesu Krankenhaus mit einer weniger invasiven Entnahme und Fixationstechnik modifiziert. Sie wird häufig bei Athleten mit „High Impact“ - Sportarten wie Fußball, Basketball und Handball angewandt. Nicht geeignet ist das Patellar-Sehnentransplantat für Patienten mit knienden Berufen oder Freizeittätigkeiten.
  • Die Quadricepssehne, in der Regel mit Knochenblock: Sie stellt mit oder ohne Knochenherden eine sinnvolle Alternative dar, auch im Revisionsfall. Der bandartige „ribbon-like“-rechteckige Querschnitt entspricht dem anatomischen Kreuzband am ehesten. Die Vorteile beim Operieren sind gute knöcherne Fixationen und variable Transplantatlänge. Nachteile sind die zusätzlichen Hautinzisionen (Schnitte) und eine eventuelle Entnahmemorbidität.
  • Das Implantieren von Spendersehnen, sogenannte „Allografts“ (Fremdimplantate) hat vor allem für Revisionen einen Stellenwert.

Kunstbänder haben heute keinen Stellenwert mehr in der Kreuzbandchirurgie.

Zusammenfassend stellt Dr. Gerald Ch. Loho fest: “Hat ein Operateur früher eine bestimmte Methode bevorzugt angewandt, so passen wir im Herz-Jesu Krankenhaus die Technik den Anforderungen des Patienten an. Dafür wird in unserer Spezialambulanz eine fachgerechte Begutachtung durch Spezialisten durchgeführt.“ Die operative Versorgung einer vorderen Kreuzbandruptur wird heute trotz konservativer Therapiemöglichkeiten als Therapie der Wahl angesehen.

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