Bischofskonferenz: Amazonien-Synode und Folgen waren Top-Thema

Kardinal Christoph Schönborn präsentiert Ergebnisse der viertägigen Bischofsversammlung - "Globaler Notruf" der Synode wichtiger als Debatte um verheiratete Priester - Bekenntnis zu Frauenmitverantwortung in Kirche - Einsatz gegen Not in Österreich und Syrien - Bischöfe warnen vor Tötung auf Verlangen und plädieren für "Pakt gegen Einsamkeit"

Wien (KAP) - "Stirbt Amazonien, dann stirbt die Welt." Das ist laut Kardinal Christoph Schönborn die zentrale wie zugleich dramatische Kernbotschaft der Amazonien-Synode. Demgegenüber sei es ein Nebenaspekt, dass sich die Synodenväter für die Seelsorge in Amazonien auch für verheiratete Priester ausgesprochen haben. Schönborn äußerte sich am Freitag im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien zum Abschluss der Herbstvollversammlung der Bischofskonferenz. Die Ergebnisse der Synode standen im Mittelpunkt der Beratungen der Bischöfe.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz sprach von einem "globalen Notruf". An Amazonien werde deutlich, dass der "Schutz des gemeinsamen Hauses", den Papst Franziskus in seiner Enzyklika "Laudato si" eingefordert hat, "zu einer Überlebensfrage der ganzen Welt geworden ist". Deshalb würden auch die Bischöfe zu einem fundamentalen Umdenken und einer Änderung des Lebensstils aufrufen.

Bei der Synode sei es zudem auch um die bedrohliche Lage der indigenen Völker gegangen, berichtete der Vorsitzende der Bischofskonferenz weiter. Und er hob ausdrücklich den austro-brasilianischen Altbischof von Xingu, Erwin Kräutler, hervor. Er habe bei der Synode erleben können, so Schönborn, welch hohes Ansehen Kräutler genieße, er sei gleichsam eine Symbolgestalt für den Einsatz für Natur und Menschen in Amazonien.

Thema der Amazonien-Synode seien auch "neue Wege für die Kirche" in einer 80 Mal so großen Region wie Österreich gewesen - konkret: Weihe von bewährten, verheirateten Männern zu Priestern, weibliche Gemeindeleiterinnen und weitere Prüfung des Frauendiakonates. Die österreichischen Bischöfe begrüßten und unterstützten diese Vorschläge der Synode, wie sie in einer Erklärung betonen. Zugleich machen sie zum Thema Zölibat deutlich, "dass die Grundform des priesterlichen Dienstes in der römisch-katholischen Kirche die ehelose Lebensform bleibt, wie Jesus Christus sie selbst gelebt hat".

Bekenntnis zu Frauenmitverantwortung

Dem Thema Frau und Kirche widmen die Bischöfe eine eigene Erklärung mit dem bezeichnenden Titel "Miteinander unterwegs". Sie bekunden darin ihre Bereitschaft, "alles zu tun, was innerhalb der aktuellen kirchlichen Vorgaben möglich ist, um Frauen in konkrete Leitungsverantwortung auf allen Ebenen der Diözese einzubinden". Es gebe viele positive Erfahrungen der letzten Jahre, so die Bischöfe, die sie in dieser Entschiedenheit bestärkten: "In den letzten 50 Jahren hat sich in der Frage dieser selbstverständlichen Einbindung von Frauen in den vielfältigen Dienst der Pastoral, Verwaltung, Forschung und Lehre viel getan", erinnerte die Bischofskonferenz. "Diese Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen."

Verständnis äußern die Bischöfe für die "Enttäuschung so mancher Frauen", die sich in der Frage Frauenordination eine andere Entwicklung kirchlicher Lehrauffassung wünschen. "Wir sprechen dennoch die Bitte aus, miteinander im Dialog zu bleiben", so die Bischöfe in ihrer Erklärung.

Einsatz gegen Not in Österreich und Syrien

Weitere Stellungnahmen widmen die Bischöfe dem von der Caritas getragenen Engagement gegen Armut in Österreich sowie auch gegen die akute Not im kriegsgebeutelten Syrien. Hierzulande sei soziale Gerechtigkeit und Sicherheit im internationalen Vergleich sehr gut verwirklicht; dennoch gebe es immer wieder neue, oft versteckte Formen von Not und Armut. Die politischen Verantwortungsträger, aber auch Vertreter der Zivilgesellschaft müssten sich Problemstellungen wie der Kinder- und Altersarmut, den wachsenden Bedarf an Pflege und Hospiz sowie den von Wohnungsverlust Betroffenen und Alleinerziehenden widmen, fordert die Bischofskonferenz. Ein immer größeres Problem quer durch alle gesellschaftlichen Schichten orten die Bischöfe auch angesichts einer zunehmende Vereinsamung von Menschen, von der Alte und Junge gleichermaßen betroffen seien. Die Bischöfe plädieren daher für einen "Pakt gegen Einsamkeit" unter Einbeziehung aller gesellschaftlichen Kräfte.

Der am 17. November bevorstehende kirchliche "Welttag der Armen" mache deutlich, "dass der Platz der Kirche an der Seite der Menschen ist", betont die Bischofskonferenz in ihrer Erklärung. Die Liebe zu Gott und zum Nächsten bilde den Kern des Evangeliums, Caritas sei "ein Lebensprinzip von Kirche und gleichsam ihr Herzschlag", stellen die Bischöfe fest.

Weil Solidarität "nicht an nationalen oder europäischen Grenzen enden" dürfe, sei Österreich zudem gefordert, die Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit zu erhöhen. Besonderes Augenmerk müsse wegen des nicht enden wollenden Krieges Syrien gelten. "Das Leid der Betroffenen ist unerträglich und schreit zum Himmel", halten sie wörtlich in einer eigenen Erklärung zu dem Krisenstaat im Nahen Osten fest. Die Bischöfe appellieren an die Solidarität der Österreicher, für die Opfer des Krieges in Syrien zu spenden. Die jüngste Militäroffensive der Türkei und der mit ihr verbündeten Milizen in Nordsyrien habe erneut viele Opfer auch unter der Zivilbevölkerung gefordert. Hunderttausende seien auf der Flucht, darunter auch viele der letzten in der Region verbliebenen Christen.

Bischöfe warnen vor Tötung auf Verlangen

Österreichs Bischöfe fordern die Politik auch zum Erhalt bestehender Schutzbestimmungen gegen eine Tötung auf Verlangen auf. Dem bisherigen klaren Bekenntnis zur "Kultur des Beistandes" am Lebensende müssten weitere konkrete Taten folgen, heißt es in einer Erklärung der Bischofskonferenz. "Ist das Verbot der Tötung auf Verlangen und der Beihilfe zur Selbsttötung einmal aufgehoben, dann ist der Schritt zu einer gesellschaftlichen Normalität, die schließlich in eine soziale Pflicht pervertiert, nicht weit", so die mahnende Begründung. Der Wunsch, nicht mehr leben zu wollen, sei vor allem ein "Hilfeschrei, den man nicht überhören darf", so die Bischöfe. Um darauf reagieren zu können, sei eine "Kultur der Sorge und des Beistands" etwa in Form einer hoch entwickelten Palliativversorgung nötig.

Schutzmaßnahmen brauche jedoch auch der Lebensbeginn. Schwangere Frauen in Konfliktsituationen bräuchten mehr Unterstützung und Solidarität, sei doch "dieses Ja zur werdenden Mutter zugleich ein Ja zum ungeborenen Kind", so die Bischöfe. Einmal mehr urgieren sie das Fehlen gesicherter Informationen zu Schwangerschaftsabbrüchen und ihren Motiven in Österreich.

Bischöfe regen zum Lesen der Bibel an

Schließlich regen die Bischöfe zum vermehrten Lesen der Heiligen Schrift an. Sie laden zum "Sonntag des Wortes Gottes" ein, der am 26. Jänner 2020 erstmals und künftig jährlich stattfindet. Christen sollten sich "vom Wort Gottes begeistern lassen, weil es die bevorzugte Weise ist, wie sich Gottes Geist den Menschen mitteilt". Zusätzlich gebe es in Österreich bereits seit der Einführung der neuen Messlektionare vor einem Jahr drei "Jahre der Bibel", inhaltlich begleitet vom Österreichischen Bibelwerk. Beide Aktionen, begleitet von einer neuen Bibel-App, sollten "die Gläubigen dazu motivieren, die Bibel wieder häufiger in die Hand zu nehmen und als Quelle für ihr Glaubensleben zu entdecken".

(Presseerklärungen der Bischofskonferenz im Wortlaut unter:
https://www.bischofskonferenz.at/publikationen/presseerklaerungen-367
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