- 08.11.2019, 13:52:13
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Bischofskonferenz: Amazonien-Synode und Folgen waren Top-Thema
Kardinal Christoph Schönborn präsentiert Ergebnisse der viertägigen Bischofsversammlung - "Globaler Notruf" der Synode wichtiger als Debatte um verheiratete Priester - Bekenntnis zu Frauenmitverantwortung in Kirche - Einsatz gegen Not in Österreich und Syrien - Bischöfe warnen vor Tötung auf Verlangen und plädieren für "Pakt gegen Einsamkeit"
Utl.: Kardinal Christoph Schönborn präsentiert Ergebnisse der
viertägigen Bischofsversammlung - "Globaler Notruf" der Synode
wichtiger als Debatte um verheiratete Priester - Bekenntnis zu
Frauenmitverantwortung in Kirche - Einsatz gegen Not in
Österreich und Syrien - Bischöfe warnen vor Tötung auf
Verlangen und plädieren für "Pakt gegen Einsamkeit" =
Wien (KAP) - "Stirbt Amazonien, dann stirbt die Welt." Das ist laut
Kardinal Christoph Schönborn die zentrale wie zugleich dramatische
Kernbotschaft der Amazonien-Synode. Demgegenüber sei es ein
Nebenaspekt, dass sich die Synodenväter für die Seelsorge in
Amazonien auch für verheiratete Priester ausgesprochen haben.
Schönborn äußerte sich am Freitag im Rahmen einer Pressekonferenz in
Wien zum Abschluss der Herbstvollversammlung der Bischofskonferenz.
Die Ergebnisse der Synode standen im Mittelpunkt der Beratungen der
Bischöfe.
Der Vorsitzende der Bischofskonferenz sprach von einem "globalen
Notruf". An Amazonien werde deutlich, dass der "Schutz des
gemeinsamen Hauses", den Papst Franziskus in seiner Enzyklika
"Laudato si" eingefordert hat, "zu einer Überlebensfrage der ganzen
Welt geworden ist". Deshalb würden auch die Bischöfe zu einem
fundamentalen Umdenken und einer Änderung des Lebensstils aufrufen.
Bei der Synode sei es zudem auch um die bedrohliche Lage der
indigenen Völker gegangen, berichtete der Vorsitzende der
Bischofskonferenz weiter. Und er hob ausdrücklich den
austro-brasilianischen Altbischof von Xingu, Erwin Kräutler, hervor.
Er habe bei der Synode erleben können, so Schönborn, welch hohes
Ansehen Kräutler genieße, er sei gleichsam eine Symbolgestalt für den
Einsatz für Natur und Menschen in Amazonien.
Thema der Amazonien-Synode seien auch "neue Wege für die Kirche" in
einer 80 Mal so großen Region wie Österreich gewesen - konkret: Weihe
von bewährten, verheirateten Männern zu Priestern, weibliche
Gemeindeleiterinnen und weitere Prüfung des Frauendiakonates. Die
österreichischen Bischöfe begrüßten und unterstützten diese
Vorschläge der Synode, wie sie in einer Erklärung betonen. Zugleich
machen sie zum Thema Zölibat deutlich, "dass die Grundform des
priesterlichen Dienstes in der römisch-katholischen Kirche die
ehelose Lebensform bleibt, wie Jesus Christus sie selbst gelebt hat".
Bekenntnis zu Frauenmitverantwortung
Dem Thema Frau und Kirche widmen die Bischöfe eine eigene Erklärung
mit dem bezeichnenden Titel "Miteinander unterwegs". Sie bekunden
darin ihre Bereitschaft, "alles zu tun, was innerhalb der aktuellen
kirchlichen Vorgaben möglich ist, um Frauen in konkrete
Leitungsverantwortung auf allen Ebenen der Diözese einzubinden". Es
gebe viele positive Erfahrungen der letzten Jahre, so die Bischöfe,
die sie in dieser Entschiedenheit bestärkten: "In den letzten 50
Jahren hat sich in der Frage dieser selbstverständlichen Einbindung
von Frauen in den vielfältigen Dienst der Pastoral, Verwaltung,
Forschung und Lehre viel getan", erinnerte die Bischofskonferenz.
"Diese Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen."
Verständnis äußern die Bischöfe für die "Enttäuschung so mancher
Frauen", die sich in der Frage Frauenordination eine andere
Entwicklung kirchlicher Lehrauffassung wünschen. "Wir sprechen
dennoch die Bitte aus, miteinander im Dialog zu bleiben", so die
Bischöfe in ihrer Erklärung.
Einsatz gegen Not in Österreich und Syrien
Weitere Stellungnahmen widmen die Bischöfe dem von der Caritas
getragenen Engagement gegen Armut in Österreich sowie auch gegen die
akute Not im kriegsgebeutelten Syrien. Hierzulande sei soziale
Gerechtigkeit und Sicherheit im internationalen Vergleich sehr gut
verwirklicht; dennoch gebe es immer wieder neue, oft versteckte
Formen von Not und Armut. Die politischen Verantwortungsträger, aber
auch Vertreter der Zivilgesellschaft müssten sich Problemstellungen
wie der Kinder- und Altersarmut, den wachsenden Bedarf an Pflege und
Hospiz sowie den von Wohnungsverlust Betroffenen und
Alleinerziehenden widmen, fordert die Bischofskonferenz. Ein immer
größeres Problem quer durch alle gesellschaftlichen Schichten orten
die Bischöfe auch angesichts einer zunehmende Vereinsamung von
Menschen, von der Alte und Junge gleichermaßen betroffen seien. Die
Bischöfe plädieren daher für einen "Pakt gegen Einsamkeit" unter
Einbeziehung aller gesellschaftlichen Kräfte.
Der am 17. November bevorstehende kirchliche "Welttag der Armen"
mache deutlich, "dass der Platz der Kirche an der Seite der Menschen
ist", betont die Bischofskonferenz in ihrer Erklärung. Die Liebe zu
Gott und zum Nächsten bilde den Kern des Evangeliums, Caritas sei
"ein Lebensprinzip von Kirche und gleichsam ihr Herzschlag", stellen
die Bischöfe fest.
Weil Solidarität "nicht an nationalen oder europäischen Grenzen
enden" dürfe, sei Österreich zudem gefordert, die Mittel für die
Entwicklungszusammenarbeit zu erhöhen. Besonderes Augenmerk müsse
wegen des nicht enden wollenden Krieges Syrien gelten. "Das Leid der
Betroffenen ist unerträglich und schreit zum Himmel", halten sie
wörtlich in einer eigenen Erklärung zu dem Krisenstaat im Nahen Osten
fest. Die Bischöfe appellieren an die Solidarität der Österreicher,
für die Opfer des Krieges in Syrien zu spenden. Die jüngste
Militäroffensive der Türkei und der mit ihr verbündeten Milizen in
Nordsyrien habe erneut viele Opfer auch unter der Zivilbevölkerung
gefordert. Hunderttausende seien auf der Flucht, darunter auch viele
der letzten in der Region verbliebenen Christen.
Bischöfe warnen vor Tötung auf Verlangen
Österreichs Bischöfe fordern die Politik auch zum Erhalt bestehender
Schutzbestimmungen gegen eine Tötung auf Verlangen auf. Dem
bisherigen klaren Bekenntnis zur "Kultur des Beistandes" am
Lebensende müssten weitere konkrete Taten folgen, heißt es in einer
Erklärung der Bischofskonferenz. "Ist das Verbot der Tötung auf
Verlangen und der Beihilfe zur Selbsttötung einmal aufgehoben, dann
ist der Schritt zu einer gesellschaftlichen Normalität, die
schließlich in eine soziale Pflicht pervertiert, nicht weit", so die
mahnende Begründung. Der Wunsch, nicht mehr leben zu wollen, sei vor
allem ein "Hilfeschrei, den man nicht überhören darf", so die
Bischöfe. Um darauf reagieren zu können, sei eine "Kultur der Sorge
und des Beistands" etwa in Form einer hoch entwickelten
Palliativversorgung nötig.
Schutzmaßnahmen brauche jedoch auch der Lebensbeginn. Schwangere
Frauen in Konfliktsituationen bräuchten mehr Unterstützung und
Solidarität, sei doch "dieses Ja zur werdenden Mutter zugleich ein Ja
zum ungeborenen Kind", so die Bischöfe. Einmal mehr urgieren sie das
Fehlen gesicherter Informationen zu Schwangerschaftsabbrüchen und
ihren Motiven in Österreich.
Bischöfe regen zum Lesen der Bibel an
Schließlich regen die Bischöfe zum vermehrten Lesen der Heiligen
Schrift an. Sie laden zum "Sonntag des Wortes Gottes" ein, der am 26.
Jänner 2020 erstmals und künftig jährlich stattfindet. Christen
sollten sich "vom Wort Gottes begeistern lassen, weil es die
bevorzugte Weise ist, wie sich Gottes Geist den Menschen mitteilt".
Zusätzlich gebe es in Österreich bereits seit der Einführung der
neuen Messlektionare vor einem Jahr drei "Jahre der Bibel",
inhaltlich begleitet vom Österreichischen Bibelwerk. Beide Aktionen,
begleitet von einer neuen Bibel-App, sollten "die Gläubigen dazu
motivieren, die Bibel wieder häufiger in die Hand zu nehmen und als
Quelle für ihr Glaubensleben zu entdecken".
(Presseerklärungen der Bischofskonferenz im Wortlaut unter:
https://www.bischofskonferenz.at/publikationen/presseerklaerungen-367
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((ende)) RME/PWU
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