- 08.11.2019, 12:46:55
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Mehr Medizin-Absolventen sind nicht die Lösung gegen Ärztemangel
Solange die Arbeitsbedingungen und die Arztausbildung in Österreich nicht verbessert werden, werden damit nur noch mehr Medizin-Absolventen Österreich nach ihrem Studium verlassen.
Utl.: Solange die Arbeitsbedingungen und die Arztausbildung in
Österreich nicht verbessert werden, werden damit nur noch mehr
Medizin-Absolventen Österreich nach ihrem Studium verlassen. =
Wien (OTS) - In der heutigen Landeshauptleute-Konferenz wurde der
Beschluss gefasst, die Medizin-Studienplätze „deutlich zu erhöhen.“
Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) betonte
in einer Pressekonferenz den „klaren Auftrag für die neue
Bundesregierung“.
Einmal mehr warnt die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) davor, dass
mit dieser Maßnahme allein das Problem mit dem Ärztenachwuchs in
Österreich nicht gelöst werden kann. „Wichtiger sind die
Rahmenbedingungen und die Begleitmaßnahmen, um beispielsweise dem
Landärztemangel entgegenzutreten“, sagt ÖÄK-Präsident Thomas Szekeres
und verweist auf den ÖÄK-Forderungskatalog, in dem unter anderem die
Schaffung eines Facharztes für Allgemeinmedizin verankert ist.
„Eine drastische Erhöhung der Medizin-Studienplätze allein löst nicht
den Ärztemangel. Solange es nicht gelingt, mehr Ärztinnen und Ärzte
in Österreich zu behalten, produzieren wird damit auf Kosten der
Steuerzahler mehr Absolventen für das Ausland“, ergänzt Harald Mayer,
ÖÄK-Vizepräsident und Kurienobmann der angestellten Ärzte. Der
Knackpunkt sei nämlich nicht die Anzahl der Medizin-Absolventen,
sondern „dass sich Österreich Medizin-Absolventen leistet, die dann
nicht in Österreich tätig sind.“
Qualität der Ärzteausbildung verbessern
Anzusetzen sei unter anderem an der Arztausbildung in den Spitälern,
denn die Situation für angehende Ärztinnen und Ärzte nach ihrem
Studiumabschluss sei dort nicht ideal: Bereits jetzt gebe es
beispielsweise immer wieder Wartezeiten für die Basisausbildung.
Zudem werde die Arztausbildung in Österreich höchst unterschiedlich
bewertet. Ärztinnen und Ärzte würden teilweise zu wenig Praxis
erhalten und statt am Patienten zu arbeiten vielmehr mit
administrativen Aufgaben, wie dem händischen Verfassen von
Arztbriefen, beschäftigt sein. „Das alles sind Gründe, warum 40
Prozent der Jungärzte nach ihrem Studium in Österreich ins Ausland
gehen“, sagt Mayer.
In der jüngst präsentierten Ausbildungsevaluierung der ÖÄK wurden
Basisausbildung, allgemeinmedizinische Ausbildung und
Facharztausbildung in Österreich im Schnitt mit der Schulnote 2,4
bewertet – damit stagniert die Qualität im Vergleich mit der letzten
Evaluierung. „Die Konkurrenz im Ausland schläft natürlich nicht.
Primäres Ziel muss sein, dass unsere im Studium gut ausgebildeten
Mediziner auch ärztlich im Land tätig sind“, sagt Mayer.
Investition in die Zukunft
Notwendig seien daher bessere Arbeitsbedingungen mit einer
flächendeckend hohen Qualität in der Arztausbildung, für die
Spitalsträger auch die notwendige Zeit zur Verfügung stellen sollten.
„Bedside teaching, viel Simulationstrainings, gute Supervision –
dafür benötigen wir in den Spitälern auch Oberärzte, die sich
ausschließlich der Ausbildung der jungen Kolleginnen und Kollegen
widmen können“, sagt Mayer. Die Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten
in den Spitälern sei eine Investition in die Zukunft: „Sie darf nicht
als Störung des klinischen Alltags gesehen werden, sondern es ist die
Verantwortung und die Pflicht der Spitalsträger, die Qualität der
Arztausbildung zu garantieren“, sagt Mayer. (sni)
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