21. Journalistinnenkongress: Journalistinnen zwischen Aktionismus und Objektivität (4)

Wien (OTS) - Kontroverse Diskussion zwischen „Profil“-Redakteurin Rosemarie Schwaiger, „futurezone“-Chefredakteurin Claudia Zettel, Fernsehmoderatorin Nadia Kailouli und „Falter“-Redakteurin Barbara Toth.

Lassen sich Aktionismus und Journalismus vereinbaren? Zu dieser Frage diskutierten am Mittwoch im Rahmen des Journalistinnenkongresses die Innenpolitik-Redakteurin Rosemarie Schwaiger („Profil“), „futurezone“-Chefredakteurin Claudia Zettel, die deutsche Journalistin und Fernsehmoderatorin Nadia Kailouli und die „Falter“-Redakteurin Barbara Toth. Durch das Gespräch führte die stellvertretende Chefredakteurin von „Der Standard“, Nana Siebert.

Zu Beginn sorgte ein Zitat des deutschen Fernsehjournalisten Hanns Joachim Friedrichs für Diskussionsstoff bei den Medienfrauen: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache.“ Die Moderatorin Nana Siebert stellte die Frage, ob es in Zeiten von #MeToo, Migration und Klimawandel Haltung brauche. Die Diskutantinnen waren sich uneinig. „Profil“-Journalistin Schwaiger zeigte sich skeptisch: „Man kann als Journalist eine Meinung haben, sollte diese aber von der Arbeit trennen.“ Dem widersprach Kailouli, die über ihre Zeit auf der Sea-Watch 3 berichtete. „Es ist Pflicht, Fakten, Tatsachen und eine transparente Recherche zu liefern. Dabei muss man aber die Haltung nicht zurückzustecken.“ Die Tatsache, dass es früher eine klarere Grenze zwischen Meinung und Tatsachen gegeben hätte, erschwere den Diskurs, meinte die Politikjournalistin Toth.

Twitter und Co: Bubble oder reale Welt?

Brisant präsentierte sich auch das Thema „Auftritt auf Social Media“. Zettel, die mit 20.000 Followern auf Twitter von der Moderatorin Siebert als „Berühmtheit“ betitelt wurde, sieht sich auf ihrem Account als Privatperson handelnd. „Natürlich bin ich auf Twitter auch Journalistin, mache aber nicht mit jedem Tweet Journalismus.“ Außerdem sei es kein Aktivismus, seine Meinung zu sagen.

Im Gegensatz dazu meinte Toth, dass sie auf Twitter nicht privat sei: „Ich schreibe nur das, was ich für den Falter auch als Leitartikel schreiben würde.“ In der Wahlkampfzeit hätten sie und das gesamte „Falter“-Team sich auf der Social Media-Plattform etwas zurückgenommen. Und während Schwaiger darüber sprach, dass man auf Twitter stets in einer Bubble unterwegs sei, meinte Zettel, dass es heutzutage keine Trennung mehr gebe.

Berichterstattung mit feministischem Blickwinkel

Bei der letzten Frage, ob Berichterstattung stets mit feministischem Blickwinkel durchgeführt werden soll, zeigten sich die vier Journalistinnen einheitlicher Meinung: Geschlechterneutrale Berichterstattung sei notwendig, das ständige Schielen auf Feminismus aber nicht wünschenswert. „Worauf ich achte, ist die Sichtbarkeit von Frauen – vor allem bei mir in der Tech-Branche“, sagte Zettel. Die „ARD“-Journalistin Nadia Kailouli brachte es gegen Ende auf den Punkt: „Wir sollten versuchen, dass es irgendwann kein Thema mehr ist und uns gegenseitig – unter Frauen – keine Steine in den Weg legen.“

Sara Brandstätter, YoungStar

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