IGP: Hohe Verluste im Getreide bei Verzicht auf Pflanzenschutz

schauFELDER belegen hohe Ertragsverluste – Versorgungssicherheit in Österreich und Europa gefährdet: steigende Importe als Folge

Wien (OTS) - "26 Prozent Verlust bei der Gerste und 30 Prozent beim Weizen – die schauFELDER belegen erneut den hohen Nutzen von Pflanzenschutz für die Landwirtschaft", betont Christian Stockmar, Obmann der IndustrieGruppe Pflanzenschutz (IGP). Die IGP hat die Aktion schauFELDER 2019 zum sechsten Mal durchgeführt. Dazu haben die teilnehmenden Landwirte in ihren Kulturen Parzellen angelegt, die nicht behandelt werden. In diesen Parzellen wird also auf jegliche Pflanzenschutzmaßnahmen verzichtet. Die restlichen Parzellen werden weiterhin im Sinne des integrierten Pflanzenschutzes vom Landwirt bewirtschaftet. Von der Aussaat bis zur Ernte werden so die unterschiedliche Entwicklung der Kulturen und der Befall durch Schädlinge, Krankheiten und Unkraut zwischen behandelten und unbehandelten Parzellen veranschaulicht. Mit dem Projekt sollen die Menschen in Österreich für den Nutzen von Pflanzenschutz sensibilisiert werden. Am Projekt nahmen insgesamt 85 Landwirte teil.

2019 erneut gemeinsames Projekt mit egz

Die IGP hat 2019 zudem gemeinsam mit der erzeugergemeinschaft zistersdorf (egz) Parzellen beim Museumsdorf Niedersulz angelegt. "Bei der Zuckerrübe gab es im unbehandelten Feld einen Totalausfall der Ernte. Beim Weizen hat ein massiver Braunrostbefall dazu geführt, dass der Blattapparat in der unbehandelten Parzelle komplett abgestorben ist. Da es sich in Niedersulz um ein Trockengebiet mit geringem Unkrautbesatz und Krankheitsbefall handelt, sind diese Zahlen alarmierend. Denn vor allem beim Getreide drohen der Verlust weiterer Wirkstoffe und damit zunehmende Ernteeinbußen", warnt Stockmar. "Die aktuellen agrarischen Rahmenbedingungen in Europa sorgen für sinkende Erträge und damit eine sinkende Selbstversorgung. Das führt dazu, dass wir Obst, Gemüse und Getreide aus anderen Ländern importieren müssen, deren ökologische und soziale Folgen der Produktion weitgehend unbekannt sind.“

Auch bei anderen teilnehmenden Landwirten in ganz Österreich waren die Unterschiede teils enorm. Insbesondere beim Mais entwickeln sich die Kulturen durch Schädlinge und hohen Unkrautdruck in den unbehandelten Parzellen deutlich langsamer und liefern so einen deutlich niedrigeren Ertrag.

Globale Versorgung: Besorgniserregende Entwicklung bei Getreide

"Angesichts der hohen Ausfälle in der unbehandelten Parzelle droht beim Getreide der Verlust der Versorgungssicherheit, sollten weitere Wirkstoffe verboten werden. Hinzu kommen weitere Verluste durch Trockenheit oder anhaltend starken Regen, die bei Pflanzen für Stress sorgen und sie anfälliger für Krankheiten und Schädlinge machen. Durch den Klimawandel droht zudem ein stärkerer Druck durch Schädlinge", so Stockmar.

Bereits im Sommer 2019 hat die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) gewarnt, dass aufgrund der Dürre im laufenden Agrarjahr global mehr Getreide verbraucht als geerntet wird. Auch der Grüne Bericht des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) und die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) verweisen auf sinkende Erträge und nennen den Klimawandel als wesentliche Ursache. Sie erwarten direkte Auswirkungen durch das Klima und die negative Dynamik bei Niederschlägen und Temperaturen, aber auch ein sinkendes Produktionspotenzial der Böden. "In dieser Situation brauchen die Landwirte eine möglichst breite Palette an innovativen und effizienten Betriebsmitteln, um die Pflanzen vor Schadfaktoren schützen zu können", stellt Stockmar klar.

Bilanz seit 2014: Landwirte auf moderne und innovative Betriebsmittel angewiesen

Gemeinsam mit den zahlreichen teilnehmenden Landwirten ist es dabei gelungen, den Nutzen von modernen und innovativen Betriebsmitteln aufzuzeigen. 2014 etwa zeigten sich bei Versuchen auf acht Feldern dramatische Einbußen bei wichtigen Kulturen wie Weizen (-72 Prozent), Durum (-64 Prozent) oder Zuckerrübe (-86 Prozent). 2016 konnten sich die Wienerinnen und Wiener auf dem Erntedankfest selbst ein Bild von den Unterschieden zwischen behandelter und unbehandelter Kultur machen. Dazu hat die IGP in Hochbeeten Kartoffel gesetzt, die im Sommer neben einem Kartoffelacker positioniert wurden. Auch hier waren die Kartoffeln im behandelten Hochbeet deutlich größer und qualitativ hochwertiger. 2017 machte die IGP u.a. mit einer Videoreportage auf den Nutzen von Pflanzenschutz aufmerksam.

Bilder (Download auf der Website der IGP)

Bild 1: Im Vergleichsfeld ohne Pflanzenschutzmaßnahmen überwuchert das Unkraut die Kulturpflanze und entzieht ihr so Nährstoffe und Licht. Bei der Rübe in der unbehandelten Parzelle gab es Einbußen von 86 Prozent. (Credits: IGP)

Bild 2: In der Körnermais-Kultur ist klar erkennbar: Im unbehandelten Feld überwuchern Unkräuter die Kulturpflanzen. Die Pflanzen in der unbehandelten Parzelle sind deutlich kleiner als im behandelten Feld. (Credits: Roman Braun)

Bild 3: Bei der unbehandelten Sojaparzelle ist der starke Unkrautbefall deutlich sichtbar. Die Soja ist so kaum noch beerntbar. (Credits: Dworzak)

Bild 4 und 5: Im Weizen war bei gemeinsamen Versuchen mit der egz ein massiver Braunrostbefall zu beklagen, der sich innerhalb weniger Tage enorm ausgebreitet hat. Das zeigt im Vergleich der beiden Parzellen den Nutzen von Pflanzenschutz. (Credits: IGP)

Bild 6: Versuche der IGP zeigen: Bei Verzicht auf Pflanzenschutzmaßnahmen liegen die Verluste bei Winterdurum, Winterweizen und Sonnenblumen zwischen 60 und 72 Prozent. (Credits: Georges Schneider)

Bild 7: Bei der Zuckerrübe sind die Auswirkungen bei Verzicht auf Pflanzenschutz durch Unkraut und Schädlingsbefall mit 86 Prozent besonders dramatisch. Im Jahr 2019 gab es bei Versuchen der IGP bei Verzicht auf Pflanzenschutz einen Totalausfall. (Credits: Georges Schneider)

Video

Eine Videoreportage von einem Rüben- und zwei Maisfeldern im Jahr 2017 zeigt die Auswirkungen des Verzichts auf Pflanzenschutzmaßnahmen: Hoher Unkrautbefall, niedrigere Erträge und ein Qualitätsverlust. Das Video ist unter https://www.youtube.com/watch?v=8f72zYGfyuc abrufbar.

Unter https://www.igpflanzenschutz.at/infothek/landwirtschaft/ sind weitere Reportagen von Versuchen der IGP abrufbar.


Hintergrund

Die IndustrieGruppe Pflanzenschutz (IGP) ist die Interessengemeinschaft der Pflanzenschutzmittel-produzierenden Unternehmen in Österreich. Ihre Kernaufgabe liegt in einer offenen und sachlichen Information rund um das Thema Pflanzenschutz. Dabei steht die IndustrieGruppe Pflanzenschutz als Gesprächspartner für Politik, Verwaltung und Umweltorganisationen zur Verfügung. Die 15 Mitglieder der IndustrieGruppe Pflanzenschutz sind die wichtigsten Produzenten und Händler von Pflanzenschutzmitteln in Österreich. Sie beschäftigen rd. 440 Mitarbeiter und erwirtschaften pro Jahr ca. 100 Millionen Euro an Umsatz.

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